Fußball und Filme

    Aus Film-Lexikon.de

    Nicht nur der Fußballsport, auch Filme um das runde Leder haben in Deutschland eine lange Tradition. Richtig Massen-tauglich wurde diese Unterkategorie des Sportfilms jedoch erst im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und Sönke Wortmanns vorangegangenen Kassenschlager "Das Wunder von Bern" aus dem Jahr 2004.

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    Schon früh auf der Leinwand

    Das Verfolgen eines Fußballspiels auf der Tribüne eines Stadions weist einige Parallelen zum Anschauen eines Films im Kino auf. Da wäre die "Arena-artige" Anordnung der Zuschauer, die Konzentration auf den Ablauf des Spiels/Films, das ungewisse Ende sowie Emotionen und Begeisterung. Das sich die meisten Kinofilme genau wie ein reguläres Fußballspiel auf annähernd 90 Minuten beschränken dürfte allerdings purer Zufall sein. Die filmische Auseinandersetzung mit dem Fußballsport an sich existiert schon länger als man annehmen könnte.

    Die allererste Filmaufnahme von Fußball-spielenden Männern stammt bereits aus dem Jahr 1897 und ist nicht einmal eine Minute lang. Als erster fiktionaler Fußball-Film gilt der 9 Minuten lange englische Film "Harry the Footballer" aus dem Jahr 1911. Erste richtige Versuche Fußball zusammen mit einer packenden Geschichte in einem Film zu verpacken sind "Die elf Teufel" sowie "Der König der Mittelstürmer", beide aus dem Jahre 1927 und noch Stummfilme.

    Schattendasein vor den 2000er Jahren

    Der Fußball als Mannschaftssport bietet genügend Stoff für filmische Umsetzungen. Emotionen rund um Sieg und Niederlage, Solidarität aber auch Rollenverteilung sind Inhalte dieser ersten Fußballfilme. Dennoch konnten diese frühen Versuche nicht dazu beitragen, die ungeheure Popularität des damals noch relativ jungen Sports von dem Rasen auf die Leinwand zu übertragen. Auch in Zeiten der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland wurde einen Fußballfilm in den Lichtspielhäusern gezeigt. "Das große Spiel" wurde 1942 ur-aufgeführt und dreht sich um das persönliche Schicksal eines Spielers innerhalb einer fiktiven Fußball Weltmeisterschaft. Heute ist dieser Film jedoch genau wie der Nachkriegsfilm "Der Theodor im Fußballtor" (1950) weitestgehend in Vergessenheit geraten und findet kaum Beachtung innerhalb dieses Genres, obwohl sie zu den ersten deutschsprachigen Fußballfilmen zählen.

    Der deutsche Sieg der Fußball Weltmeisterschaft 1954 gab dem Sport an sich zwar neuen Aufschwung und zunehmende Aufmerksamkeit, der Fußballfilm konnte von dieser positiven Entwicklung jedoch zunächst weniger profitieren. Der Film "Libero" von 1973 mit einem Weltmeister von 1972 höchstpersönlich in der Hauptrolle - Franz Beckenbauer, konnte ebenfalls keinen durchschlagenden Erfolg an den Kinokassen erzielen. Heute genießt der Film zwar eine Art Kultstatus, was jedoch eher mit Franz Beckenbauer zu tun hat als mit filmischer oder gar cineastischer Höchstleistung, in gewissen Kreisen wird der Film auch abschätzig als "Trash" betitelt. Allgemein fristeten Fußballfilme bis Anfang der 2000er Jahre eher eine Art Schattendasein in der deutschen Kinolandschaft.

    Nach der Jahrtausendwende Massen-tauglicher

    Schon vor der WM im eigenen Land haben es einige Fußballfilme geschafft die Aufmerksamkeit der Massen auf die Kinoleinwände zu ziehen. Allen voran der im Nachkriegsdeutschland spielende Spielfilm "Das Wunder von Bern", welcher im Jahre 2004 eine bewegende Familiengeschichte eines Kriegsrückkehrers vor dem Hintergrund der WM 1954 zeigte. Der Film überzeugt Kritiker bis heute und man kann durchaus sagen, dass er das Publikum in gewisser Weise auf die Stimmung während der WM 2006 vorbereitete. Seit der WM 2006 ist "Public Viewing" ein allgemein geläufiger Begriff und heute sind die Großbildschirme bei keinem Fußball Großereignis mehr wegzudenken.

    Die Kinderserie "Die wilden Kerle", die bereits seit 2003 existiert hat ebenfalls immens dazu beigetragen den Fußballsport Massen-tauglich zu machen und selbst Kinder für die Sportart zu begeistern, die eigentlich weniger mit dem runden Ball zu tun haben. Hier stehen neben der Begeisterung für den Sport an sich vor allem Themen wie Fairness, Akzeptanz und Integration im Vordergrund. Selbst Themen wie Homosexualität ("Männer wie wir" 2004) und Gleichberechtigung ("FC Venus" 2006) wurden in Fußballfilmen aufgegriffen. Den letzten großen Erfolg konnte der 2011 erschienene Film "Der ganz große Traum" über den Braunschweiger Fußballpionier Konrad Koch (besetzt mit Daniel Brühl) erzielen, in dem dieser seinen Schülern den in England erfundenen Sport entgegen aller Konventionen näher bringt.

    Dokumentarfilme

    Wieder war es Sönke Wortmann, der mit der Dokumentation der WM 2006 "Deutschland ein Sommermärchen" das Genre der Fußball-Dokumentation in die Kinos brachte. Diese Dokumentation lockte sogar mehr Zuschauer in die Kinosäle als "Das Wunder von Bern", ganze 4 Millionen Menschen verfolgten das Geschehen in der Retrospektive auf der Leinwand: Fußball war nun endgültig ein fester Bestandteil des Kinos geworden.

    Sicherlich ist die Leistung des deutschen Teams und die allgemeine Euphorie des Jahres 2006 maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt, dennoch war es im Vorfeld der WM kaum abzusehen und die Dokumentation letztlich ein Glücksfall. Berechnender dürften dann schon die Dokumentation der WM 2014 gewesen sein. 2014, das Jahr in dem Deutschland nach 24 glücklosen Fußballjahren wieder die Weltmeisterschaft gewinnen konnte brachte ebenfalls eine Dokumentation hervor: "Die Mannschaft" begleitet das Team auf dem Weg zur begehrtesten Trophäe der Fußballwelt. Zwar konnte auch hier niemand vorhersehen wie die deutsche Mannschaft abschneiden würde, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung war jedoch wesentlich präsenter und der Hype rund um die WM war deutlich absehbar.

    Ausblick 2016

    Mit Sicherheit ist bei der bevorstehenden Europameisterschaft 2016 wieder ein Film oder eine Doku geplant. Der Verlauf des Turniers wird darüber bestimmen, wie erfolgreich dieser Film / diese Doku letztendlich sein wird. In der Zwischenzeit sind darüber hinaus einige Entwicklungen passiert, die prädestiniert sind filmisch aufgearbeitet zu werden, auch wenn es sich dabei nicht im eigentlichen Sinne um den Sport, sondern viel eher um die Dinge hinter den Kulissen geht. Zum einen wäre hier der Vorfall rund um die Steueraffäre des Ulli Hoeneß zu nennen, zum anderen der weitaus brisantere Skandal um die FIFA, deren Funktionäre und ihre offensichtlich illegalen Machenschaften. Gerade bei letzterem wird es wohl nur eine Frage der Zeit bleiben, bis ein entsprechender Film in die Kinos kommt, das Thema ist auch international relevant und dürfte für Interesse sorgen.

    Problem Terror oder fiktive Angst?

    Einen faden Beigeschmack zu der bevorstehenden EM hinterlässt schon jetzt der Anschlag in Paris vom November diesen Jahres, welcher das Länderspiel Deutschland - Frankreich treffen sollte. Zum Glück konnte in letzter Sekunde verhindert werden, dass noch mehr Personen den Attentätern zum Opfer fielen, dennoch zeigte auch durch das im Zuge dieses Vorfalls abgesagte Länderspiel zwischen Deutschland und Holland in Hannover, welche Auswirkungen eine solche Terrorgefahr haben kann. Wünschenswert wäre eine friedliche Europameisterschaft, aus der das beste Team als Sieger herausgeht und keine dramatischen Vorfälle das Ereignis stören. Nur so kann man sich auch wieder über eine unterhaltsame Dokumentation freuen und die EM in guter Erinnerung behalten.