Doktor Schiwago
Aus Film-Lexikon.de
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Kritiken
Tagesspiegel: Ein in vieler Beziehung ungewöhnlicher Film.
film-dienst: Es gibt großartige Landschaftsaufnahmen, meisterhaft geführte Massenszenen, lyrisch gestimmte Momente und auch darstellerische Höhepunkte.
Bemerkungen
Millionen in aller Welt waren zu Tränen gerührt - verzaubert von dem mehr als dreistündigen Monumentalepos um Liebe, Leid und Revolution im alten Rußland mit seinen überbordenden Gefühlen und tragischen Schicksalen, seinen grandiosen Bildern und seiner unvergeßlichen Musik. Die Vorlage hatte der autobiographisch inspirierte, gleichnamige Roman des russischen Dichters Boris Pasternak geliefert, für den er 1958 den Nobelpreis gewann, aber nicht akzeptieren durfte: " ... unsagbar dankbar, gerührt, stolz, erstaunt, beschämt" sei er, hatte Pasternak nach der Entscheidung nach Stockholm telegrafiert, um wenige Tage später unter dem Druck der Partei den Preis " ... aus Rücksicht auf die Gesellschaft, in der ich lebe", abzulehnen. Mit der Verfilmung wurde David Lean beauftragt, der unumstrittene Meister des monumentalen Leinwandepos ("Die Brücke am Kwai", "Lawrence von Arabien", "Reise nach Indien"). Angesichts der gewaltigen Stoffülle konzentrierte sich Lean ganz auf die ergreifende Liebesgeschichte zwischen dem schwermütigen Arzt und den beiden Frauen in seinem Leben. Omar Sharif, der mit "Lawrence von Arabien" bekannt geworden war, spielte mit schmachtenden Blicken die Hauptrolle - und es sollte die Rolle seines Lebens werden. So wie er wurden auch die beiden damals noch weitgehend unbekannten weiblichen Hauptdarstellerinnen, Geraldine Chaplin ("Zeit der Unschuld", "The Moderns") und Julie Christie ("Fahrenheit 451", "Wenn die Gondeln Trauer tragen"), mit diesem Film zu Weltstars. Auch die Produktion wartete mit Superlativen auf: Lean ließ in sechsmonatiger Bauzeit das alte Moskau in der Nähe von Madrid nachbauen. Unmengen von Gips sorgten darin für die russische Winterpracht. Und um die frostklirrende Kälte Rußlands spürbar einzufangen, wurden die Außenaufnahmen in den tiefverschneiten Norden Finnlands verlegt. Das Ergebnis war überwältigend: ein opulenter, glamouröser Bilderbogen, der bis heute nichts von seiner Faszination und emotionalen Kraft verloren hat. Obwohl sich die Kritik damals zurückhaltend zeigte, war das Publikum hingerissen. "Doktor Schiwago" brach auf Anhieb weltweit alle Kassenrekorde. Der Film wurde mit fünf Oscars (Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Beste Musik, Beste Ausstattung, Beste Kostüme) ausgezeichnet, und die Titelmelodie "Laras Lied" wurde ein Evergreen. "Akribisch und kunstvoll ... eine exzellente filmische Leistung ... Miss Christie ist wundervoll", erkannte das US-Branchenfachblatt "Variety". 1995 wurde die von Martin Scorsese völlig restaurierte Fassung wieder im Kino gezeigt. Die Farben wurden aufgefrischt, die Kratzer auf den Filmrollen beseitigt, und der Sound neu gemischt. Danach wurde eine "unzerstörbare" Kopie angefertigt.