Am Tag als Bobby Ewing starb

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    1986 – Die Protestbewegung gegen den Bau des Atomkraftwerks in Brokdorf ist in den letzten Zügen. Nur eine letzte Landkommune ist übrig geblieben. Peter, Eckhard, Gesine, Walther, Elly und Bauer Hein leben in ihrem „Alternativen Wohnkollektiv Regenbogen“ gemütlich vor sich hin und denken nicht daran, den friedlichen Widerstand aufzugeben.

    Für sie könnte es immer so weiter gehen: mit endlosen Konsensdiskussionen, Schafe scheren und nacktem Gemeinschaftsbaden. Wäre da nicht der drohende Abschied ihrer Sozialarbeiterin Gesine. Da kommen den Flachland-Kommunarden die beiden modernen Städter Hanne und ihr Sohn Niels gerade recht. Die zwei stranden nach Hannes Scheidung in der norddeutschen Provinz.

    Während Hanne sich überraschend schnell an Schreitherapie und Gemüseaufzucht gewöhnt (und noch viel schneller an die Tantraspiele mit Kommunenguru Peter), hat Niels immer weniger Lust auf dogmatische WG-Regeln wie: kein Fleisch, keine Gewalt, kein Atomstrom. Schnell findet er Anschluss bei Dorfrocker Rakete und Martina, der Tochter des Bürgermeisters. Mehr aus Trotz als aus Überzeugung schließen sie sich dem gewaltbereiten AKW-Widerstand an.

    Ihre Aktionen bringen das beschauliche Chaos der Kommune jedoch reichlich durcheinander und setzen sogar den Fortbestand der pazifistischen Gemeinschaft aufs Spiel. Zum großen Knall kommt es aber erst, als im entfernten Tschernobyl ein Reaktor explodiert. Genau an dem Tag, als Bobby Ewing stirbt, der Erdölprinz aus „Dallas“ und Serienliebling der Kommune.



    Filmstab

    Regie Lars Jessen
    Drehbuch Ingo Haeb, Kai Hensel, Lars Jessen
    Kamera Andreas Höfer
    Schnitt Elke Schloo
    Musik Paul Rabiger
    Produktion Elke Peters, Neue Mira

    Darsteller

    Peter Peter Lohmeyer
    Hanne Gabriela Maria Schmeide
    Niels Franz Dinda
    Gesine Nina Petri
    Eckardt Richy Müller
    Martina Luise Helm
    Prestin Peter Heinrich Brix
    Rakete Jens Münchow

    Kritiken

    Rudolf Worschech (Rhein-Zeitung 2. Juni 2005): Wenn man das erste Mal Peter Lohmeyer als Peter mit langen Haaren sieht, die ihm einen Hauch von Karikatur geben, fragt man sich unwillkürlich: Kann das gut gehen? Schon einmal, in "Sie haben Knut", ist der Versuch eines deutschen Films, diese Ära einzufangen, in der Verulkung der Rhetorik jener Jahre stecken geblieben. Lars Jessen, [...], ist ein einfühlsamer Film gelungen, weil er bei allem Schmunzeln über Pazifismus und fleischlose Ernährung eine tiefe Sympathie für seine Figuren zeigt.

    Jury Max Ophüls Preis 2005: Der Film führt uns in eine politische Zeit, die bisher als humorfreie Zone galt. Auffällig ist sein großzügiger, in keinem Moment ideologisch verkrampfter Blick auf politische und private Verbohrtheiten – die erwartbare Abrechnung gerät zu einer Liebeserklärung. Klug und mit leichter Hand inszeniert, besticht der Film durch einen wissenden Blick: Das Kleine wird groß erzählt - das Große klein. Wir haben einen Film gesehen, der wie ein „Antidepressivum“ wirkt – mit einem großen Schuss Selbstironie.

    film-dienst 11/2005: Eine unterhaltsame, präzis rekonstruierte und hervorragend gespielte Mischung aus Polit-Satire, Provinzkomödie und Coming-of-Age-Geschichte, die nie hämisch, sondern liebevoll und melancholisch einen Schwebezustand der Desorientierung beschreibt, der durch die Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl durchgerüttelt wird und eine bis heute aktuelle Brisanz der Thematik offenbart.