Wonder Wheel

    Aus Film-Lexikon.de

    14656 plakat.jpg

    In „Wonder Wheel“ geht es um vier Menschen, deren Lebensläufe sich im hektischen Treiben des Vergnügungsparks auf Coney Island kreuzen: Die emotional instabile Ex-Schauspielerin Ginny (Kate Winslet) jobbt jetzt in einem Meeresfrüchte-Imbiss. Ginnys ungehobelter Mann Humpty (Jim Belushi) betreibt ein Karussell. Der attraktive junge Rettungsschwimmer Mickey (Justin Timberlake) träumt von einer Karriere als Bühnenautor. Und Humptys seit Langem getrennt lebende Tochter Carolina (Juno Temple) versteckt sich derzeit vor einer Gangsterbande in der Wohnung ihres Vaters.

    Aufgrund ihrer Scheidung erleidet Ginny einen Nervenzusammenbruch. Halt findet sie bei einer anderen verlorenen Seele: Sie heiratet Humpty, der den Tod seiner Frau verwinden muss – außerdem ist Tochter Carolina ausgerissen, um einen Kleingangster zu heiraten. Humpty kommt zwar nicht ohne seinen Schnaps aus und bleibt nie lange bei einem Job, aber immerhin sorgt er für Ginny und ihren missratenen Sohn Richie (Jack Gore), auch wenn er ihnen nur eine winzige Unterkunft mitten im Lärm des berühmten Riesenrads im Vergnügungspark Coney Island bieten kann. Ginnys Leben wird durch Humpty zwar wieder in geordnete Bahnen gelenkt, aber sie verzweifelt fast, als sie sich klar macht, dass sie ihre Träume für einen Job als Kellnerin aufgegeben hat. Ihr wenig feinfühliger Mann interessiert sich eigentlich nur fürs Angeln, und ständig muss sich Ginny um Richie Sorgen machen, weil sie ihm bei seinen emotionalen Problemen überhaupt nicht helfen kann.

    Carolina entkommt der Ehe mit ihrem Gangster, wird vom FBI verhört, und weil sie zu viel weiß, muss ihr Ex sie unbedingt ausschalten. Carolina flieht in Panik und kriecht bei ihrem Vater unter. Der nimmt sie bei sich auf, weil er es nicht für möglich hält, dass die Gangster Carolina bei ihm suchen werden, denn die beiden hatten schon jahrelang keinerlei Kontakt mehr.

    Eines Abends beobachtet Mickey, wie Ginny einsam den Strand entlangwandert – er spricht sie an, und bald beginnen die beiden eine Affäre. Mickey fühlt sich in seiner romantischen Selbstwahrnehmung dadurch geschmeichelt, dass er eine unglücklich verheiratete Frau trösten darf – aber langfristig hat er kein Interesse an dieser Beziehung. Doch für Ginny wird Mickey bald zum Rettungsanker – sie hofft durch ihn all die Fehler und Enttäuschungen ihrer Vergangenheit dauerhaft und endgültig hinter sich lassen zu können.

    Ähnlich fühlt sich Humpty durch Carolinas Rückkehr inspiriert und revitalisiert. Dass plötzlich seine Tochter bei ihm eingezogen ist, die er mit seiner Liebe überschütten darf, erfüllt ihn überraschenderweise mit großer Freude. Und er sieht jetzt endlich ein Ziel vor sich: Er will sparen, damit sie die Abendschule besuchen kann.

    Doch Ginnys und Humptys zaghafte neue Hoffnungen und Träume drohen sich schnell wieder in Luft aufzulösen, als Mickey erstmals Carolina begegnet. Vor dem pittoresken Meerespanorama auf Coney Island in den 1950er-Jahren taucht Vittorio Storaro „Wonder Wheel“ in die poetischen Bilder einer dramatischen Geschichte voller Leidenschaft, Gewalt und Verrat.




    Filmstab

    Regie Woody Allen
    Drehbuch Woody Allen
    Kamera Vittorio Storaro
    Schnitt Alisa Lepselter
    Produktion Erika Aronson, Letty Aronson, Edward Walson

    Darsteller

    Ginny Kate Winslet
    Mickey Rubin Justin Timberlake
    Ryan Max Casella
    Mary Geneva Carr
    Humpty James Belushi
    Geburtstagsgast Debi Mazar
    Jake David Krumholtz
    Angelo Tony Sirico

    Kritiken

    www.filmstarts.de Carsten Baumgardt: „Wonder Wheel“ ist Woody Allens schwächster Film seit langer, langer Zeit. Dem nur visuell überzeugenden, aber erzählerisch trägen Melodram fehlt es an Schärfe, Biss und vor allem an Emotionen.

    www.film-rezensionen.de Oliver Armknecht: In „Wonder Wheel“ zeigt sich Woody Allen erneut von seiner nostalgischen Seite. Sein Ausflug in den Vergnügungspark auf Coney Island ist wunderbar bebildert, weckt reale und eingebildete Erinnerungen an die 1950er. Die Geschichte selbst kann da nicht mithalten, spielt zwar viel mit dramatischen Elementen, funktioniert als solches jedoch wenig – trotz der gewohnt hochkarätigen Besetzung.

    www.pressplay.at Lida Bach: Vor vier Jahrzehnten hatten der aufgesetzte Neurotizismus und Intellektualismus, verklärt durch nostalgische Melancholie, wohl den Anstrich von Originalität. Heute überdauert davon bloß die abblätternde Patina einer Kunstsinnigkeit, so unecht wie der Goldanstrich des titelgebenden Riesenrads. Das willkürlich für den Filmtitel auserkorene Fahrgeschäft steht in Coney Island, der Hintergrundkulisse eines Melodrams, das statt trügerische Glücksversprechen höchstens Allens Nimbus dekonstruiert.


    Wertungen

    2.5 Sterne
    2 Bewertungen
    Jahr/Land 2017 / USA
    Genre Drama
    Film-Verleih Warner Bros.
    FSK ab 12 Jahre
    Laufzeit 101 Minuten
    Kinostart 11. Januar 2018