Wenn Argo bester Film wird, wer wird dann bester Regisseur?

    Aus Film-Lexikon.de

    Keine zwei Wochen mehr bis zur Verleihung und es gibt jetzt einen neuen, eindeutigen Favoriten: Ben Afflecks Polit-Thriller Argo. Bei dem letzten Update unseres Oscar-Tickers war dies noch nicht abzusehen, da Ben Affleck nicht als bester Regisseur nominiert worden war, und dies bedeutet in der Regel nichts Gutes für den Film. In der nun schon über 80-jährigen Geschichte der Academy Awards haben erst drei Filme den Oscar für den besten Film gewonnen, deren Regisseure nicht einmal nominiert wurden. Zuletzt war dies 1989 bei Miss Daisy und ihr Chauffeur der Fall, zuvor nur in der wilden, noch eher unreglementierten Frühzeit der Verleihung. Argo hatte in den letzten Wochen durchaus überraschend in den Hauptkategorien Film und/oder Regie diverser wichtiger Filmpreise abgeräumt. Es begann mit dem Golden Globe, der in den letzten Jahren in seinen Voten vor allem beim Regiepreis immer mehr vom Oscar abdriftet, in den letzten fünf Jahren stimmte der von den Globes und dem Oscar gekürte Regisseur kein einziges Mal überein. Auf den Golden Globe folgten Preise der verschiedenen Berufsverbänden, der Gilde der Regisseure (DGA), der Produzenten (PGA) und Schauspieler (SGA). Es sieht so aus, als ob Argo eine große Ausnahme der Oscar-Geschichte markieren wird.

    Aber wenn Argo zum besten Film gewählt wird, wer gewinnt dann für die beste Regie? Alles scheint möglich zu sein: Steven Spielbergs (Lincoln) dritter, Ang Lees (Life of Pi) zweiter Oscar oder sogar Michael Haneke für Liebe? Insgesamt ist das Oscar-Rennen in drei großen Kategorien so offen wie selten. Neben der Regie trifft das vor allem auf die beste Hauptdarstellerin zu (Jessica Chastain in Zero Dark Thirty, Jennifer Lawrence in Silver Linings oder Emmanuelle Riva in Liebe) und den besten Nebendarsteller. Tommy Lee Jones (Lincoln) gilt als Favorit, aber jeder der fünf Nominierten, die übrigens allesamt bereits Oscar-Gewinner sind, könnte am Ende auf der Bühne stehen.