Was lebst du?

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    In ihrem Debüt-Dokumentarfilm „Was lebst du?“ begleitet Bettina Braun über zwei Jahre lang mit der Kamera eine in Köln lebende Gruppe von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft. Sie zeigt den Alltag der jungen Männer zwischen Schule und Ausbildung, traditionellem Elternhaus und westlichem Lebensstil, klischeehafter Selbstdarstellung und eigenen Träumen. Die vier Freunde Ali, Kais, Ertan und Alban, alle zwischen 16 und 20 Jahre alt, scheinen durch Machogehabe und Sprücheklopferei gängige Vorurteile zu bestätigen. Auf den zweiten Blick jedoch durchbrechen sie diese Klischees. Selbstinszenierung und Posen fallen oder werden selbstironisch auf die Schippe genommen. Zu Tage tritt das konfliktbeladene, aber auch warmherzige und tiefgründige Wesen der Jugendlichen. Ihr Treffpunkt ist das Kölner Jugendzentrum „Klingelpütz“, wo sie bereits in früher Kindheit ein zweites Zuhause gefunden haben. Die vier jungen Männer stammen aus marokkanischen, tunesischen, türkischen und albanischen Familien. Trotz unterschiedlicher Herkunft ist ihr Zusammengehörigkeitsgefühl stärker als alle ihre Differenzen. Loyalität und gegenseitiger Respekt bestimmen den Umgang miteinander, auch wenn der Ton oft rau und direkt ist. Letztlich sind sie alle in einer ähnlichen Situation: auf der Suche nach sich selbst und nach ihrem Weg im Leben.

    Bettina Braun, Absolventin der Kölner Kunsthochschule für Medien, zeigt in einer Mischung aus großer Nähe und diskreter Distanz die Entwicklung ihrer jungen Protagonisten in einem unbekannten Alltag in Deutschland. Sie begleitet die Jugendlichen auf der Schwelle zwischen dem, was sie als Kinder waren und was sie als Erwachsene sein werden.



    Filmstab

    Regie Bettina Braun
    Drehbuch Bettina Braun
    Kamera Bettina Braun
    Schnitt Gesa Marten, Bettina Braun
    Produktion Herbert Schwering, Christine Kiauk

    Darsteller

    Ali El Mkllaki
    Kais Setti
    Alban Kadiri
    Ertan Dinc

    Kritiken

    TAZ, Berlin, 10.02.05: ... selten sonst wird man einen ähnlich differenzierten und vielschichtigen Einblick gewährt bekommen in die Lebensentwürfe und Ansichten von Jugendlichen, die von den Medien normalerweise unter den Rubriken "Problemgruppe" und "Parallelgesellschaft" entlang fest eingeschliffener Routinen abgehandelt werden. ... dass sie dies trotz allem mit Selbstbewusstsein und einer gehörigen Portion Humor tun, macht den Film zu einem der sehenswertesten des Programms. Man wundert sich, warum die Programmverantwortlichen ihre Reihe nicht mit diesem Film eröffnen, ...

    Wiesbadener Kurier, 22.02.05: Hier (in der Reihe "Perspektive Deutsches Kino’) hat in diesem Jahr Bettina Braun mit Was lebst du? eine viel versprechende Visitenkarte abgegeben, eine Langzeitstudie über vier Jugendliche ..., in denen die Regisseurin deren Positionskämpfen auf der Spur ist, aber auch deren gegenseitigen Respekt beleuchtet.

    film-dienst 21/2005: Eine von großem persönlichem Engagement getragene Langzeitstudie, die ihren Protagonisten nahe kommt, deren Befindlichkeiten und kulturelle Wurzeln auslotet und einen Emanzipationsprozess beschreibt.