Vampire auf der Leinwand

    Aus Film-Lexikon.de

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    Vornehme Blässe, geheimnisvolle Eleganz und eine Leidenschaft für Blut: Vampire sind einfach unwiderstehlich. Und seit dem Kino-Erfolg Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen wieder groß im Geschäft: Die Romanze Isabella Swans mit dem verführerischen Blutsauger Edward hat Anfang des Jahres nicht nur Teenager in die Kinos gelockt. Doch Edward aus der Twilight-Saga ist nicht der erste Vampir auf der Leinwand, schon seit den Anfängen des Films nennen die Fürsten der Finsternis die Filmpaläste ihr Zuhause.

    Der Großvater aller Vampire: Nosferatu

    Auschnitt aus Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens

    Murnaus Nosferatu war der erste, der als mysteriöser Fürst der Finsternis durch die Kinos geisterte. Bereits zu den Anfängen des Films im Jahr 1922 lief der Streifen mit dem Untertitel "Eine Symphonie des Grauens".

    Murnau orientierte sich dabei an Bram Stokers großartigen Dracula-Roman und übernahm unautorisiert den Plot. Die Witwe des Schriftstellers ließ sich das aber nicht gefallen, sie verklagte Murnau und konnte ein Verbot des Films erreichen. Die Streifen wurden zerstört – da es aber bereits unzählige Kopien gab, ist uns der Klassiker der Vampirfilme auch heute noch erhalten und als restaurierte Version im Handel erhältlich.

    Hauptdarsteller Max Schreck schuf mit seiner Darstellung des Graf Orlok aus Transsylvanien eine Kultfigur. Mit langen Krallenfingern, Glatze, abstehenden Ohren und magerem Leib schleicht er als Schattengestalt die Treppe hinauf – dieses Bild bereitet uns auch heute noch eine Gänsehaut.

    Und noch einmal Murnau

    Murnau mit seiner Kamera

    Der Film Shadow Of The Vampire aus dem Jahr 2000 von Elias Merhige huldigte dem Klassiker aus den 20er-Jahren noch einmal auf seine eigene Weise: In dem fiktiven Making-Of des Murnau-Streifens ist der Schauspieler Max Schreck auch außerhalb der Kamera-Linse ein Vampir, dessen Blutgier Murnau ausnutzt, um einen einzigartigen Streifen drehen zu können. Dabei schreckt der Regisseur auch nicht davor zurück, seine Filmcrew der Blutgier seines dubiosen Filmstars zu opfern.

    Auch der deutsche Regisseur Werner Herzog hatte Murnau zum Vorbild, als er dessen Bösewicht von Klaus Kinski verkörpert in Nosferatu - Phantom der Nacht (1973) wieder auferstehen ließ.

    Dracula vom Fließband

    Darsteller Bella Lugosi

    Eine ganze Schwemme von Dracula-Filmen gab es in den Jahrzehnten nach dem ersten Nosferatu-Film. Die amerikanische Dracula-Serie von Universal (1931-1958) nahm mit Tod Brownings Dracula 1931 seinen Anfang. Bela Lugosi bestach als Untoter mit seiner Eleganz eines Gentlemans.

    Auch die Briten zogen nach: In den Hammer Productions entstanden 1958-1973 einige Blutsauger-Streifen, in denen Sir Christopher Lee den Dracula mimte. Diese Rolle etablierte den Zwei-Meter-Mann mit der grollenden Stimme zum Bösewicht schlechthin. Der erste Film dieser Reihe war Terence Fishers „Horror of Dracula” 1958.

    Die Verfilmungen des italienischen Regisseurs Mario Bava fallen eher unter die Kategorie „Trash“. Sein Debüt gelang ihm mit „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ 1960, Titel wie „Vampire gegen Herakles“ oder „Planet der Vampire“ verraten die etwas abgedrehten Plots.

    Die Vampire erobern alle Welten und Genres

    Keinesfalls bleiben die Vampire in Transsylvanien, den Kirchenruinen und Kapellen oder in verfallenen Gemäuern in London. Sie bevölkern alle erdenklichen Welten wie etwa das All in Lifeforce (1985) oder die düstere Underworld(2003).

    Filmszene aus Twilight - Biss zum Morgengrauen

    Auch der Horror allein reicht ihnen nicht mehr aus, sie gehen mit allen Filmgenres eine Symbiose ein. Mit Komik geht Roman Polanski in seinem Tanz der Vampire (1976) an die Vampirtraditionen heran, hier lassen sich die Kreaturen der Nacht nicht mehr mit Knoblauch abschrecken. Actionreich geht es bei John Carpenters Vampire (1998) zu. Buffy der Vampir-Killer (1992) machte auch Teenager mit den Schreckensgestalten vertraut und Twilight war nicht die erste Vampirromanze, die den Zuschauern vorgesetzt wurde.

    Das Rätsel um die Herkunft

    Einfallsreich sind die Drehbuchschreiber auch bei der Frage nach der Herkunft der Vampire. Während in der Literatur des 19. Jahrhunderts Vampirismus durch die Ausbreitung der Pest erklärt wurde, werden heute vor allem Infektionen oder genetischen Veränderungen als Motiv benutzt. In I Am Legend (1954) sind die Vampire nach einem Atomkrieg durch die Mutation von Erregern entstanden, in der Verfilmung nach Stephen King Brennen muss Salem (1979) breiten sich die düsteren Gestalten wegen einer Infektion aus und in Stephen Norringtons Blade (1998) führen genetische Veränderung zu der Mutation zum Vampir.

    Filmplakat zu New Moon - Biss zur Mittagsstunde

    Klassiker der jüngeren Zeit sind Francis Ford Coppolas Bram Stoker's Dracula aus dem Jahre 1992 und Neil Jordans Interview mit einem Vampir 1994. Während Coppola nahe an der Textvorlage bleibt und Sir Anthony Hopkins zum gnadenlosen Vampirjäger Van Helsing macht, orientiert sich Jordan an den gleichnamigen Büchern Anne Rice'. Brad Pitt und Tom Cruise reisen als Unsterbliche durch die Jahrhunderte, immer auf der Suche nach den eigenen Wurzeln ihres Daseins.

    Unsterbliche wird man nicht leicht los, und wie´s aussieht, werden die Vampire so schnell nicht aus den Kinos verschwinden: Ein Wiedersehen mit Teenage-Vampir Edward gibt es bereits im Winter, am 26. November 2009 soll in Deutschland mit New Moon - Biss zur Mittagsstunde die Fortsetzung von Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen in die Kinos kommen.