Unternehmen Paradies

    Aus Film-Lexikon.de

    Unternehmen Paradies ist ein ungewöhnlicher Berlinfilm. Im gleitenden Blick über die Oberflächen der Stadt und ihre Inszenierungen – Präsidentenvisiten, Maidemonstrationen, Erotikmessen – entfaltet der Film das bekannte urbane Panorama neu: eine merkwürdige Schönheit geht von der Komposition und der Montage der dokumentarischen Aufnahmen aus, ein spielfilmartiger Sog, der uns die Welt der Stadt als fremd erscheinen lässt. Handlungen werden dabei nur angedeutet, auf Interviews und Kommentare wird ganz verzichtet. Multipliziert im flimmernden Sound der Musik, lässt der Film eine Empfindung der Mechanismen und Muster der urbanen Existenz erahnen: Die Menschen wirken oft seltsam verloren, wenn der Film Ihnen zuschaut, wie sie die neu gebauten Architekturen zwischen Peripherie und Zentrum durchschreiten und gebrauchen.



    Filmstab

    Regie Volker Sattel
    Drehbuch Volker Sattel
    Kamera Volker Sattel
    Schnitt Stephan Krumbiegel, Volker Sattel
    Musik Tim Elzer
    Produktion Andreas Eicher, Philipp Homberg, Volker Sattel

    Kritiken

    Die Welt: Unternehmen Paradies verzichtet ganz auf Statements, auch Originaltöne gibt es kaum. Das Visuelle dominiert, unterstützt von meist glücklich gewählten musikalischen Themen. "Unternehmen Paradies" von Volker Sattel beginnt mit Kamerafahrten durch Neubausiedlungen, hält Szenen in disparaten Räumen der Stadt fest. Die Fotografie ist präzise, die Kompositionen verblüffend schön. Oft sind es mit dem Teleobjektiv erhaschte, fast wie mit versteckter Apparatur gestohlen anmutende kleine Szenen, die hier versammelt sind. Der Umbau Berlins führt nicht ins Paradies, aber in eine neue, widersprüchliche Stadt. Volker Sattels Film hält bestimmte ihrer Momente höchst artifiziell fest. Es gibt viele ein-prägsame Szenen, meist sind es die Momente, in denen Menschen einsam in Architekturwelten aufzu-treten scheinen. Der distanzierte Blick macht uns Berlin fremd, merkwürdig, interessant. Das ist eine große Leistung.

    Berliner Zeitung, 24.3.2005: Diese Dokumentation erkundet die Schauplätze des Berliner Stadtlebens und erzählt von gesellschaftlichen und politischen Happenings zwischen Staatsbesuchen, Demonstrationen und Erotikmesse. Eigenwillig umkreist die Kamera die architektonischen Strukturen und Knotenpunkte Berlins, zieht eine Spur durch idyllische Neubausiedlungen, neue Konsumwelten und transparente Bürokomplexe. Es gibt keine Hauptfigur und nur wenig Sprache, denn die Kamera erzählt alle Geschichten. Sehr empfehlenswert.

    Berliner Morgenpost: Es ist heiß im sommerlichen Berlin des Volker Sattel, das Licht verstärkt dessen surrealen Blick. Und es ist leider ein Film zur falschen Zeit. Clinton ist lange weg, der Potsdamer Platz lange fertig, der nächste Sommer noch weit entfernt. "Unternehmen Paradies" hatte schon vor drei Jahren, als er fertig gestellt war, historischen Charakter. Heute wirkt er wie aus der Zeit gefallen.


    Wertungen

    5 Sterne
    1 Bewertungen
    Original -
    Jahr/Land 2002 / Deutschland
    Genre Dokumentarfilm
    Film-Verleih Elzer/Matter
    Laufzeit 59 Minuten
    Kinostart 24. März 2005