Tulpan

    Aus Film-Lexikon.de

    Nach langer Zeit auf hoher See kehrt der Matrose Asa zurück in die kasachische Steppe, wo seine Schwester Samal und sein Schwager Ondas ihre Kinder großziehen und Schafe züchten. Da Asa ledig und die Nomadenfamilie nicht reich ist, muss er verheiratet werden. Doch in der Steppe gibt es nur noch ein heiratsfähiges Mädchen: Tulpan. Ondas und Asa nehmen die Verhandlungen auf. Asa erzählt von seinen Abenteuern mit Seeungeheuern, Ondas lobt die zwei Medaillen seines Schwagers, bietet zehn Schafe und einen kitschigen Lüster. Als alle sich endlich handelseinig sind, macht ihnen Tulpan einen Strich durch die Rechnung: Sie findet Asas abstehende Ohren völlig inakzeptabel.

    Asa ist unendlich enttäuscht. Ohne eine Heirat bekommt er keine Herde, und ohne Herde wird sich sein Lebenstraum von einer Jurte mit Strom und eigenem Wassertank nie erfüllen. Hinzu kommt auch noch, dass er ungeschickt im Umgang mit Schafen ist, ein Umstand, der Ondas zunehmend ungenießbarer macht. Aber Asa nimmt den Kampf auf: mit seinen Ohren, mit dem Unmut seines Schwagers und mit den Schafen, die plötzlich alle ihre Lämmer zur Welt bringen…



    Filmstab

    Regie Sergei Dvortsevoy
    Drehbuch Sergei Dvortsevoy, Gennadi Ostrovsky
    Kamera Jolanta Dylewska
    Schnitt Petar Markovic, Isabel Meier
    Produktion Karl Baumgartner

    Darsteller

    Tolepbergen Baisakalov
    Ondas Ondas Besikbasov
    Samal Samal Esljamova
    Askhat Askhat Kuchencherekov

    Kritiken

    pandorafilm.de: Mit herzerwärmenden Humor und im quasi-dokumentarischen Stil berührt Regisseur Sergey Dvortsevoy mit TULPAN in den unendlichen Weiten der Steppe universelle Themen wie die Suche nach der verwandten Seele und den Platz des Menschen in der Gesellschaft.

    Dieter Wieczorek, schnitt.de : Es sind die Glücksmomente des Cinephilen, wenn plötzlich Kino mehr ist als Story, schöne Bildwelt oder intellektuelle Montagearbeit. Wenn die Kamera in eine fremde Umgebung taucht, Hunderte von Details und Eindrücke registriert, Bilder, die eine große Vertrautheit des Filmemachers mit sehr spezifischen Situationen zur Voraussetzung haben, neben Geduld, Beobachtungstalent und dem Glück, am rechten Ort zur rechten Zeit zu sein, um das Unfabrizierbare einzufangen. Tulpan des aus Kasachstan stammenden Sergey Dvortsevoy ist ein solcher Mikrokosmos, der seine sinnliche Fülle in jeder Einstellung vor dem Zuschauer entfaltet. Der Hauptpreis der Parallelreihe »Un certain regard« wurde ihm in Cannes mit Recht zugesprochen.

    Paul Katzenberger, Süddeutsche Zeitung : Zwischen Unbeschwertheit und Depression lag schließlich »Tulpan«, der den Zuschauer in die fremde Welt des kasachischen Nomadenlebens entführt. In die fast schon dokumentarisch anmutenden Bilder des rauen Daseins der Schafhirten in der Wüste hat der russisch-kasachische Regisseur Sergej Dwortsewoj behutsam die Geschichte des jungen Asa (Aschkat Kunchinerikow) eingearbeitet. Der will immer wieder die schöne Tulpan erobern, obwohl diese ihn wegen eines schnöden Grundes abweist: Seine Segelohren nehmen ihm jede Chance. Bei aller Exotik berührt der Film auch westliche Zuschauer. So fremd Asa als Person außerdem sein mag, so vertraut sind seine Gefühle.


    Wertungen

    0 Sterne
    0 Bewertungen
    Jahr/Land 2008 / Deutschland,Kasachstan, Polen,Russia,Schweiz
    Genre Liebeskomödie
    Film-Verleih Pandora Filmverleih
    FSK ab 6 Jahre
    Laufzeit 100 Minuten
    Kinostart 03. Dezember 2009