Thriller

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    Der Thriller ist ein Genre, das sich nicht über typische Schauplätze (wie der Western oder Fantasyfilm), Motive und Figuren (Horrorfilm), oder zeitliche Epochen (Science Fiction oder Historienfilme) definiert, sondern durch die Art und Weise, wie die Handlung vorangetrieben wird. Im Thriller geht es nämlich darum, eine durchgängige Spannung und permanenten Nervenkitzel (Thrill) entstehen zu lassen.

    Der Thriller existiert nicht in Reinform, sondern ist durch seine Untergenres wie Actionfilm oder Psychothriller (siehe Subgenres) bestimmt, also alle Genres die sich dadurch auszeichnen, dass der Held, mit dem der Zuschauer mitfiebert, sich ständig in akuter (Lebens-)Gefahr befindet. Hier unterscheidet sich der Thriller vom klassischen Kriminalfilm, in dem es um die Aufdeckung eines Verbrechens geht, der Ermittler dabei aber selten unmittelbar körperlich involviert ist. Im Thriller hingegen wechseln die Rollen des Jägers und Gejagten immer wieder, tendenziell bewegt sich im Krimi der Held auf das "Böse“ zu, im Thriller kommt es zu ihm.

    Das Phänomen der Lust an der Spannung scheint eine menschliche Konstante zu sein. Immer wieder setzt sich der Mensch in seiner Freizeit freiwillig der Gefahr aus, um in der Angst Lust zu erfahren - zum Beispiel beim Extrembergsteigen oder Bungee-Jumping. Im Kino kann er diese Angstlust erfahren, ohne tatsächlich von der Gefahr betroffen zu sein.

    Typische Motive

    Es gibt zwei Hauptstrategien, Spannung zu erzeugen, die in ihrer Terminologie auf den Großmeister des Thrillers, Alfred Hitchcock, zurückgehen: Surprise und Suspense. Diese beiden Prinzipien sind durch das Verhältnis des Wissens des Zuschauers zum Wissen der Hauptfigur definiert.

    Bei der Technik der Surprise (Überraschung) weiß der Zuschauer exakt so viel wie der Protagonist. Deshalb sind beide gleichermaßen überrascht, wenn plötzlich ein Killer im Wohnzimmer auftaucht.

    Suspense (Ungewissheit) entsteht hingegen, wenn der Zuschauer mehr weiß als die Figur. Es entsteht laut Hitchcock eine größere Spannung als bei der Surprise, wenn der Zuschauer schon weiß, dass ein Killer im Wohnzimmer lauert, wenn der Protagonist nach Hause kommt.

    Das fast alle Subgenres umspannende Hauptmotiv des Thrillers ist die Erzählung eines eigentlich Unbeteiligten, der durch Zufall in eine Verschwörung oder eine sonstige kriminelle Machenschaft gerät. Paradigmatisch für dieser Muster ist Hitchcocks Der unsichtbare Dritte (1959): Der Protagonist, Werbefachmann Roger O.Thornhill, wird mit einem Agenten verwechselt, gerät deshalb zwischen die Fronten zweier verfeindeter Geheimdienste und wird außerdem noch von der Polizei gejagt. Thornhill gerät von einer lebensbedrohlichen Situation in die nächste und stellt auch selbst Ermittlungen nach der tatsächlichen Identität des gesuchten Agenten an. Dieser Wechsel vom Gejagten zum Jäger und wieder zurück ist typisch für das Genre. Das Motiv des verfolgten Unbeteiligten findet sich auch in anderen Thriller-Klassikern wie Der Marathon-Mann (1976) oder Der Staatsfeind Nr. 1 (1998) bis hin zu No Country for Old Men (2007).

    Schauplatz des Thrillers ist meist die Großstadt - vor allem öffentliche Plätze wie Bahnhöfe oder Hotelhallen, in denen die Protagonisten scheinbar sicherer sind als in einsamen Gegenden. Viele Action- oder Spionagethriller, wie zum Beispiel die James Bond-Filme, leben zudem von exotischen Schauplätzen, die allerdings meist reiner Selbstzweck sind.


    Typische Figuren

    Die Guten

    180px<link=Die Bourne Identität

    Protagonisten der Thriller sind meistens unbescholtene Normalbürger, die durch Zufall in eine mörderische Intrige geraten. Zunächst sind diese Figuren völlig verstört, wachsen aber im Verlauf der Handlung über sich hinaus.

    Oft werden sie dabei von Helferfiguren unterstützt, die zu den an der Verschwörung beteiligten Organisationen gehören, wie die von Gene Hackman gespielte Rolle in Der Staatsfeind Nr. 1 (1998). Häufig geraten die männlichen Helden zudem an eine weibliche Figur (oder andersherum), der sie im Verlauf der Flucht näher kommen, weil sie die Gefahr aneinanderschweißt.

    Die Helden sind von unterschiedlicher Stärke, was ihre Verteidigungskraft anbelangt. Die Spanne kann von einem überforderten Normalbürger bis zu einem gut ausgebildeten, wehrhaften Army-Veteranen wie in Rambo (1982) oder No Country for Old Men (2007) reichen.

    Die Protagonisten gehören im klassischen Thriller nur selten staatlichen Institutionen an wie die Ermittler im Krimi. Wenn es sich um Polizisten handelt, geraten sie auch nur in ihrer Freizeit in Schwierigkeiten wie in Stirb langsam. Es gibt zwar auch professionelle Agenten unter ihnen, die dann aber oft von ihrer eigenen Firma gejagt werden, wie in Die drei Tage des Condor (1974) oder vor allem in der Bourne-Trilogie (2002 – 2007).

    Die Bösen

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    Eine Regel besagt, dass ein Film nur so gut wie sein Schurke ist. Actionfilme und speziell die James Bond-Reihe leben denn auch von einem möglichst schillernden Schurken, der im Extremfall die Weltherrschaft an sich reißen will. Bei James Bond sind die Schergen des Superschurken - die in allen Thrillern an sich physisch immer stärker sind als die Helden - oft mit einer körperlichen Besonderheit versehen, wie der mit einem Stahlgebiss ausgestattete "Beißer“, der in gleich zwei Filmen (James Bond 007 - Der Spion, der mich liebte (1977) und James Bond 007 - Moonraker (1979) auftreten durfte.

    In "seriöseren“ Spionagefilmen und Politthrillern steht hingegen meist eine gesichtslose Organisation im Hintergrund. Die Killer, die für sie die Drecksarbeit erledigen, sind ausdruckslose Todesengel.


    Subgenres

    Actionfilm

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    Der Actionfilm lebt von Kampf- und Gewaltszenen, die möglichst spektakulär und kreativ in Szene gesetzt werden. Die Bewegung an sich, die den Film generell von anderen Kunstformen abhebt, ist in den Kampf- und Verfolgungsszenen des Actionfilms in ihrer reinsten Form zu sehen.

    Schon manche frühe Stummfilme mit Charles Chaplin oder den legendären Keystone-Cops bestehen ausschließlich aus Verfolgungsjagden - die Gewalt beschränkt sich dabei aber auf Tritte in den Hintern. In den 60er Jahren entwickelte sich dann aus den Kriminalfilmen, die immer gewalttätiger wurden (Point Blank - Keiner darf überleben (1967), Bullitt (1968)), ein eigenes Untergenre. Ein erster Höhepunkt war Getaway (1972).

    Seine Blütezeit erlebte der Actionfilm dann in den 80erJahren. Die prägenden Stars wie Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Jean-Claude Van Damme oder Dolph Lundgren waren keine ausgebildeten Schauspieler, sondern kamen vom Bodybuilding oder Kampfsport zum Film. Die Streifen wie Rambo (1982) oder Predator (1987) lebten denn auch weniger von differenzierten Charakterzeichnungen, sondern vom Körperkult. Wegen dem stereotypen Gut/Böse- Schema und den unreflektiert ausgelebten Rachefantasien gerieten diese Actionfilme zunehmend in die Kritik. Später beherrschten dann eher glaubwürdige Antihelden wie John McClane (Bruce Willis) aus Stirb langsam (1988) die Szenerie, Schwarzenegger parodierte in Last Action Hero (1993) sein eigenes Image.

    Katastrophenfilm

    In Katastrophenfilmen sind die Helden nicht den bösen Absichten anderer Menschen ausgesetzt, ihr Leben wird durch Naturkräfte (Erdbeben, Vulkanausbrüche, Wirbelstürme) oder durch kollabierende Technik (Flugzeugabstürze, Hochhausbrände) gefährdet.

    Auch in diesem Subgenre steht meist ein einzelner Held im Mittelpunkt, der im Angesicht der Gefahr über sich hinaus wächst. Neben den für Thriller typischen schuldlosen Helden gibt es immer auch eine oder mehrere Figuren, die direkt oder indirekt Schuld an der Katastrophe tragen, etwa indem sie Warnungen ignoriert haben oder - wie in Flammendes Inferno - an sicherem Baumaterial sparen.

    Alle Katastrophenfilme entwerfen vor dem Ausbruch des Infernos ein Gesellschaftspanaroma, in dem Menschen aus verschiedensten Schichten geschildert werden, deren Verhalten im Alltag in ihrem Handeln angesichts der Katastrophe gespiegelt wird.

    Nicht zufällig waren die Hochzeit der Desasterfilme die 70er Jahre, in denen sich in den westlichen Gesellschaften das erste Mal ein Bewusstsein für die Grenzen der Naturbeherrschung durch die Technik breit machte. In den Katastrophenfilmen wie Erdbeben und Flammendes Inferno (beide 1974) schlug entweder die Natur zurück oder die Technik entwickelte ein bedrohliches Eigenleben.

    Spionagefilm

    Die gefährliche Welt der im Verborgenen arbeitenden Spione ist wie gemacht für Filme, die Nervenkitzel erzeugen wollen. Ähnlich wie im Horrorfilm spielen die Spionagethriller mit der Angst vor einem unbekannten Fremden, das sich mitten in unserer vermeintlich sicheren Welt breit macht. Oft werden in Spionagethrillern Normalbürger in die Machenschaften von Geheimdiensten hineingezogen, sie geraten auf die Abschussliste und sind nirgends sicher, da jeder Mensch ein potentieller Spion der Gegenseite sein könnte.

    Ein Spezialist für dieses Schema ist Alfred Hitchcock (39 Stufen (1935), Der Mann, der zuviel wusste (1956), Der unsichtbare Dritte (1959)), das Motiv wurde später unter anderem in Der Staatsfeind Nr. 1 (1998) aufgegriffen.

    Aber auch professionelle Agenten sind die Helden der Spionagefilme, allen voran natürlich: James Bond. Der Held der langlebigsten Filmreihe überhaupt (1962 bis heute) kämpft allerdings seltener gegen feindliche Geheimdienste, sondern vielmehr gegen Superschurken, die mit einem Arsenal an Hightech-Waffen im Alleingang die Welt vernichten wollen. Wird in den ersten Bond-Filmen mit Sean Connery die Spionagetätigkeit noch relativ ernsthaft dargestellt, rücken in späteren Filmen technische Spielereien, exotische Schauplätze und exzentrische Schurken zu Zwecken des reinen Spektakels in den Vordergrund.

    Als Gegenentwurf zu der aus schönen Frauen und teuren Autos bestehenden Agentenwelt James Bonds entstanden Filme wie Der Spion, der aus der Kälte kam (1965) oder Die drei Tage des Condor (1974), die fernab jedes Glamours realistisch die riskante Existenz der Agenten zeigen. In den 90er Jahren schlug mit der Mission: Impossible-Reihe (1996-2006) das Pendel allerdings wieder in Richtung des Spektakels aus.

    Politthriller

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    Dem Spionagefilm eng verwandt ist der Politthriller. Auch dort geht es um einen Einzelnen, der einem unüberschaubaren Gewirr von Intrigen und politischen Verwirrungen ausgesetzt ist. Die Helden sind selten Politiker, sondern eher professionelle Ermittler oder Journalisten, die auf einen politischen Skandal stoßen, diesen aufdecken wollen und dabei selbst in Gefahr geraten.

    Die bekanntesten Beispiele sind Botschafter der Angst (1962) und sein Remake Der Manchurian Kandidat (2004), Die Unbestechlichen (1976) über die Aufdeckung der Watergate-Affäre oder JKF - Tatort Dallas (1991) über die Ermittlungen zur Kennedy-Ermordung.

    Zu den Politthrillern gehören auch Filme, die ganz explizit politische Missstände und politischen Widerstand in repressiven Staaten ansprechen. Bedeutendster Regisseur dieser Art ist Constantin Costa-Gavras mit Filmen wie Z (1969) und Vermißt (1982). Der Politthriller weist dabei eine große Bandbreite von historischen Ereignissen auf, von dem Widerstand im Dritten Reich (Auch Henker sterben (1943), Sophie Scholl - Die letzten Tage (2005)) bis hin zu den Massakern in Ruanda in den 90er Jahren (Hotel Ruanda (2004)).

    Psychothriller

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    Im Psychothriller verschiebt im Vergleich zum Actionthriller die für Nervenkitzel sorgende Bedrohung des Protagonisten vom Körper in innerseelische Gebiete. Die Filme des Subgenres kreisen nicht um gewalttätige Kampfszenen, sondern um Psychoduelle zwischen den Protagonisten: Die Figuren werden scheinbar ohne Grund von Fremden terrorisiert (Caché (2005)) oder versuchen sich gegenseitig psychisch zu zerfleischen (Was geschah wirklich mit Baby Jane (1962)). Durchschnittsbürger werden mit psychopathischen Schurken konfrontiert und lernen dabei auch die dunklen Seiten ihrer eigenen Seele kennen wie in Blue Velvet (1986). Der Kampf kann aber auch im Inneren der Hauptfiguren statttfinden, der seinem Verstand nicht mehr trauen kann (Ekel (1965), Black Swan (2010)).

    In den frühen Klassikern geht es immer um eine Frau, die frisch verheiratet mit ihrem Gatten in ein abgeschiedenes Haus zieht, wo sich mysteriöse Ereignisse zutragen, die die Jungvermählte an ihrem Verstand zweifeln lässt. Am Ende stellt sich heraus, dass ihr eigener Gatte sie um den Verstand bringen will, um an ihr Vermögen zu kommen. Der Prototyp für dieses Motiv ist Das Haus der Lady Alquist (1946), das Schema wurde von Filmen wie Mitternachtsspitzen (1960) oder Wiegenlied für eine Leiche (1964) variiert.

    In den 90er Jahren berührt sich der Psychothriller mit dem Krimi, der Ermittler muss sich zur Aufklärung des Falles in die Seele eines psychopathischen Serienkillers einfühlen wie in Das Schweigen der Lämmer (1991) oder Sieben (1995).

    Erotikthriller

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    Ein kleineres Subgenre ist der Erotikthriller, in dem die Figuren durch erotische Versuchungen und Abhängigkeiten in den Abgrund gezogen zu werden drohen. Seinen Höhepunkt erlebte der Erotikthriller Ende der 80er bis Anfang der 90er.

    Vorläufer kann man schon im Film Noir der 40er Jahren finden, die oft von schwachen Männern erzählen, die sich von einer ebenso anziehenden wie abgrundtief bösen Frau in Schwierigkeiten bringen lassen. In Frau ohne Gewissen (1944) und Im Netz der Leidenschaften (1946) lässt sich der männliche Protagonist zum Mord am Gatten der Angebeteten anstiften.

    1981 gaben die Remakes der beiden Filme (Wenn der Postmann zweimal klingelt bzw. Body Heat - Eine heißkalte Frau) den Startschuss für den Boom der postmodernen Erotikthriller. 1987 folgte etwa Eine verhängnisvolle Affäre, in dem sich ein von Michael Douglas gespielter biederer Ehemann auf eine Affäre mit einer Kollegin einlässt, die ihn terrorisiert, nachdem er sich wieder von ihr trennen will.

    Sehr erfolgreich waren dann Kombinationen aus Erotikthriller und Kriminalfilm, in denen sich der ermittelnde Polizist in eine Mordverdächtige verliebt und wider besseres Wissens eine Affäre beginnt. Die bekanntesten Beispiele sind Sea Of Love - Melodie des Todes (1989) und vor allem Basic Instinct (1992).


    Die Klassiker: 10 Thriller, die man gesehen haben muss

    Das Haus der Lady Alquist (1946)

    Der unsichtbare Dritte (1959)

    James Bond jagt Dr. No (1962)

    Die drei Tage des Condor (1974)

    Flammendes Inferno (1974)

    Der Marathon-Mann (1976)

    Die Unbestechlichen (1976)

    Stirb langsam (1988)

    Basic Instinct (1992)

    No Country for Old Men (2007)