The Dust of Time

    Aus Film-Lexikon.de

    Im zweiten Teil des historischen Panoramas von Theo Angelopoulos macht sich A., ein Filmregisseur um die 50, an die Verfilmung des Lebens seiner Eltern Spyros und Eleni. An den Lebensgeschichten der griechischen Flüchtlinge, ihrem Sohn und ihrer Enkeltochter spiegeln sich die politischen und sozialen Ereignisse des 20. Jahrhunderts wider: politische Unterdrückung, Vertreibung und Exil, Flucht in die USA, und schließlich mit dem Fall der Mauer Versöhnung und Wiedervereinigung. Eleni und Spyros, die die letzten Jahrzehnte in New York verbracht haben, wollen ihren Lebensabend in Griechenland verbringen. In Berlin, der Stadt, in der sie vor fünfzig Jahren dramatisch getrennt wurden, wollen sie ihren Sohn A. treffen. Gemeinsam feiert man Silvester. Doch als A.s Tochter Eleni einen Selbstmordversuch unternimmt, von dem erst die Großmutter ihre Enkelin abbringen kann, nimmt der Abend einen fatalen Verlauf …



    Filmstab

    Regie Theodoros Angelopoulos
    Drehbuch Theodoros Angelopoulos, Tonino Guerra, Petros Markaris
    Kamera Andreas Sinanos
    Schnitt Yannis Tsitsopoulos, Yorgos Helidonidis
    Musik Eleni Karaindrou
    Produktion Phoebe Economopoulos, Guido Simonetti für NFP

    Darsteller

    Jacob Bruno Ganz
    A. Willem Dafoe
    Spyros Michel Piccoli
    Eleni Irène Jacob

    Kritiken

    kino.de: Sechs Jahre nach "Die Erde weint" setzt der griechische Meisterregisseur Theodoros Angelopoulos seine episch angelegte Trilogie über das Schicksal seiner Heimat im 20. Jahrhundert fort. Seine komplexe Handlung umfasst Jahrzehnte und Kontinente, überwindet mühelos Zeit und Raum. ... Der 73-jährige Regisseur jongliert mit verschiedenen Zeitebenen, wechselt sie abrupt, um sie ebenso plötzlich wieder in einen kurzen ruhigen Fluss münden zu lassen. Schon der Blick eines Protagonisten aus dem Fenster kann übergangslos in ein anderes Land und eine andere Zeit führen, einzelne Lebensstationen werden durcheinandergewirbelt, wie auch Fantasie und Wirklichkeit. Das Puzzle verlangt Konzentration, und selbst die nützt wenig, wenn bei dieser Verrätselung lose Enden den Zuschauer ratlos machen und ermüden.

    Zeit Online: Auch in Theo Angelopoulos’ "The Dust of Time" werden in allerhand Ländern allerhand Sprachen gesprochen, aber die Filme des mittlerweile 74-Jährigen sind ein Fall für sich. Der Welt-Grieche variiert ein immerselbes universelles Thema: Vordergründig geht es in seinen bildgewaltigen Epen meist um die Wirren der griechischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, doch eigentlich verhandelt er nichts Geringeres als Heimatlosigkeit, überall. Seine Helden sind Ruhelose, Wanderschauspieler, blicken wie Odysseus auf ihre zurückliegenden und bevorstehenden Lebensstrecken und kommen doch niemals an. ... Sein schneller geschnittenes, handlungsbetonteres und auch dialogbedürftigeres neues Werk jedoch lässt vieles vermissen, was Angelopoulos-Filme auszeichnet – freilich ohne ihnen substanziell Neues hinzuzufügen. Die Handschrift, gewiss, ist zu erkennen. Aber sie ist fahrig geworden.

    filmreporter.de: Was Theo Angelopoulos 2004 mit "Die Erde weint" begonnen hat und als Trilogie angelegt ist, setzt der griechische Regisseur 2009 mit "The Dust of Time" fort. In getragenen, wohl komponierten Bildern nähert er sich seinen Figuren, deren Motivationen, Ängste und Brüche er überzeugend einfängt. Besonders der fabelhafte Bruno Ganz brilliert in seiner Rolle als Jacob. Der alte intellektuelle Autorenfilmer baut Querbezüge zu anderen seiner Arbeiten ein und verwendet eine Reihe von zunächst unklaren Symbolen, die den Film poetisch und rätselhaft machen, zugleich aber dazu einladen, ihn sich ein zweites Mal anzusehen.


    Wertungen

    3 Sterne
    1 Bewertungen
    Original Trioliga II: I skoni tou hronou
    Jahr/Land 2008 / Deutschland, Griechenland, Italien
    Genre Liebesdrama
    Laufzeit 125 Minuten
    Kinostart 09. Juli 2009