The Backyard

    Aus Film-Lexikon.de

    Spätestens seit David Finchers "Fight Club" weiß man um die Existenz illegaler Clubs und Veranstaltungsorte, in denen sich zumeist brave, anständige Angestellte gegenseitig verhauen, um z. B. Alltagsfrust und gefallene Aktienkurse zu kompensieren; auch TV-Reportagen über Manager mit gebrochenen Nasen und blauen Augen waren eine Zeit lang hip. Das ist aber nichts im Vergleich zu dem, was der junge Regisseur Paul Hough aufgespürt und dokumentiert hat. Eine Männergesellschaft, die absolut extrem bis über ihre Grenzen geht. Verstehen kann man das wohl nur vor dem Hintergrund der erfolgreichen Wrestling-Szene in den USA, die zur TV-Primetime ihre Gladiatoren in den Ring schickt. Was da abläuft sieht sehr oft nach inszenierten Schaukämpfen aus, aber der Dollar rollt für die Wrestling-Stars und ihre Macher.

    Eine entsprechende Ausbildung zu machen, eine Wrestling-Schule zu besuchen, können sich aber viele junge Männer nicht leisten. Also haben sie sich in einer Subkultur gefunden, die haarscharf am Rand der Illegalität existiert, denn was da abgeht, erfüllt mehr oder weniger den Tatbestand schwerster Körperverletzung, wenn mit Stacheldrahtkeulen, abgebrochenen Flaschen und ähnlichem Waffenarsenal aufeinander eingedroschen wird.

    Aber es ist ein freiwilliges Arrangement, jeder Kämpfer weiß um seinen Einsatz dabei, der mitunter lebensgefährlich ist.



    Filmstab

    Regie Paul Hough
    Drehbuch Paul Hough
    Schnitt Ben Raskin
    Musik Seth Jordan
    Produktion Geza Decsy für Paul Hough Entertainment / Pure Entertainment

    Darsteller

    The Lizard The Lizard
    Scar Scar
    Chaos Chaos
    Heartless Heartless
    Wrestler Bongo
    Wrestler The Retarded Butcher
    Wrestler Nympho
    Wrestler Sic
    Rob Van Dam Rob Van Dam
    James Weston James Weston

    Kritiken

    Blickpunkt Film: David Finchers "Fight Club" mutet geradezu harmlos an im Vergleich zu der Szene und Subkultur, die Paul Hough mit seiner schockierenden Doku aufgespürt hat. Der Filmemacher beobachtet vorurteilsfrei die Kämpfer, beschreibt ihr soziales Umfeld, ihre Frauen und Freunde, und vermeidet den Ansatz, die Männer - denen in der Regel das Geld für eine legale Ausbildung zum Wrestler fehlt - als durchgeknallte Freaks abzutun.

    VideoWoche: Wenn Jugendliche Fußball und Basketball nach dem Vorbild der Profistars spielen, warum sollten sie im Heimatland des Profiwrestlings dann nicht auch im Vorgarten kämpfen. Aus dem gefährlichen Spaß für gelangweilte Couch Potatoes ist eine internationale Subkultur mit eigenen Medien und Verdienstmöglichkeiten geworden. Dokumentarfilmer Paul Hough hält mitleidlos die Kamera drauf, ohne seinen Gegenstand zu denunzieren oder der Lächerlichkeit preiszugeben. Aufschlussreiches Dokumentarkino.

    DVD & Video Markt: Im Wilden Westen wird gerungen. Zumindest, wenn man dieser fesselnden wie verstörenden Dokumentation aus der Welt des amerikanischen Hinterhof-Amateurwrestling glauben darf.


    Wertungen

    0 Sterne
    0 Bewertungen
    Jahr/Land 2002 / USA
    Genre Dokumentarfilm
    Film-Verleih BFILM Verleih
    FSK ab 16 Jahre
    Laufzeit 80 Minuten
    Kinostart 22. Juli 2004