Tanguy - Der Nesthocker

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    Es ist nicht so, dass er ohne Mami und Papi keinen Schritt machen würde. Aber Tanguy, reife 28 Jahre alt, lebt immer noch bei seinen Eltern in einer eleganten, großzügigen Pariser Dachwohnung. Und fühlt sich so pudelwohl, dass er garantiert nicht vorhat, in Bälde, sagen wir: innerhalb der nächsten fünf, sechs Jahre, etwas daran zu ändern. Warum auch? Morgens bekommt er frisch gepressten Orangensaft serviert. Das Hausmädchen kümmert sich um seine Bügelwäsche. Und wenn er mal wieder einen weiblichen Übernachtungsgast mitbringt, strahlen seine Eltern um die Wette. Doch für Edith und Paul wird die Anwesenheit des altklugen, pedantischen Nesthockers mehr und mehr zur täglichen Folter. Wenn sie sich in seinem Beisein zum Lächeln zwingen, kriegen sie immer öfter einen Kieferkrampf. Und obendrein plagen sie Schuldgefühle. Weil sie sich nichts sehnlicher wünschen, als dass ihr einziges Kind endlich die Fliege macht. Mit Geduld und guten Worten ist Tanguy allerdings nicht beizukommen. Da müssen Edith und Paul schon stärkere Geschütze auffahren. Und das tun sie auch. Denn schneller als erwartet kommt der Tag, an dem bei ihnen die Sicherungen durchbrennen. Mit einem lauten Knall. Die Treibjagd auf Tanguy ist eröffnet ...



    Filmstab

    Regie Etienne Chatiliez
    Drehbuch Laurent Chouchant, Etienne Chatiliez
    Vorlage Yolande Zauberman
    Kamera Philippe Welt
    Schnitt Catherine Renault
    Musik Pascal Andreacchio
    Produktion Charles Gassot

    Darsteller

    Edith Sabine Azéma
    Carole Aurore Clément
    Paul André Dussollier
    Tanguy Eric Berger
    Die Großmutter Hélène Duc
    Bruno Jean-Paul Rouve
    Der Psychiater André Wilms
    Patrick Richard Guedj
    Philippe Roger van Hool
    Noëlle Nathalie Krebs

    Kritiken

    Cinema 2002-06: Die Eltern entwickeln einen Ideenreichtum, der in seiner Absurdität verblüfft und grausam eskaliert. Spaß macht es trotzdem, die Schrauben auf Tanguys Badezimmerschwelle aufzudrehen oder Schlägertypen zu engagieren. Zumal die anarchische Ader ihrer Schadenfreude wie ein Jungbrunnen wirkt.

    Kultur Spiegel 2002-06: Kultiviert, gut situierte Eltern wollen ihren seit 28 Jahren im Nest hockenden Sohn aus dem Haus ekeln. Komödien-Erfolgsregisseur Chatiliez schwebte wohl eine hämisch-böse Satire vor, gelungen ist ihm immerhin eine harmlos-nette Boulevard-Farce mit versöhnlichen Happy-End.

    film-dienst 2002-11: Hervorragend gespielte, elegant inszenierte böse Komödie, die auch Eltern ein Recht auf Selbstverwirklichung einräumt und der Egomanie junger Erwachsener einen ironischen Spiegel vorhält.


    Wertungen

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    Original Tanguy
    Jahr/Land 2001 / Frankreich
    Genre Komödie
    Film-Verleih Prokino (FOX)
    Laufzeit 108 Minuten
    Kinostart 30. Mai 2002