Special - Gloria Swanson: Sexidol der Stummfilm-Ära

    Aus Film-Lexikon.de

    Gloria Swanson

    Sie war eine der ersten Diven der Filmgeschichte: Gloria Swanson war ein gefeierter Stummfilmstar in den Zwanziger Jahren, die mit Romanzen und Komödien zur Ikone des Filmbusiness wurde. In diesem Jahr wäre sie 112 Jahre geworden.

    Die "Queen of Hollywood" wurde am 27. März 1899 als Gloria Josephine Mae Svensson in Chicago geboren. Gloria wuchs in verschiedenen Städten auf. Ihr Vater war Berufsoffizier und daher viel unterwegs. Sie studierte am "Chicago Art Institute".

    Ihre ersten Rollen bei einem Film der "Essanay-Studios" erhielt sie mit 16 als Statistin. Einige Jahre später lernte die Amerikanerin den Schauspielkollegen Wallace Beery kennen – ihren ersten von insgesamt sechs Ehemännern. Die beiden heirateten 1916 und zogen nach Hollywood. Beery hatte zu dieser Zeit bereits vieles ausprobiert und wieder fallen gelassen: Bahnarbeiter, Tierwärter in einem Zirkus, Komiker und Schmied, aber auch Manager und Produzent. Das Ehepaar erhielt eine Anstellung bei der Filmgesellschaft "Mack Sennetts Keystone Company".

    Auf Grund ihrer guten Beziehungen zu Produzenten gelang es Gloria Swanson, vor allem solche Filmrollen zu ergattern, die sie in ein gutes Licht stellten. Von 1919 an arbeitete Swanson mit dem Regisseur Cecil B. DeMille zusammen und drehte mit ihm sechs Stummfilme. In seinen Salonkomödien inszenierte DeMille die Swanson gern als die selbstbewusste Frau, die eigene Vorstellungen von der Ehe und der Liebe hat: Mit den beiden Streifen Irrwege einer Ehe und Male and Female schaffte sie bis Ende der 1920er den glamourösen Aufstieg zu einer regelrechten Sex-Ikone. In Male and Female badet die Diva lasziv – in gefärbtem Wasser; alles andere wäre zu anstößig gewesen.

    Gloria Swanson

    Das Publikum kannte die gerade mal 1,50 Meter große Frau als Star, der funkelnde Diademe, exotische Federn und – selbst für diese Zeit ausgefallene – Seidenroben trug. Swanson stellte die Extravaganz Hollywoods zur Schau.

    Das wolle ihr Publikum schließlich sehen, sagte sie einmal. Sie habe sich daher immer gehütet, ihrem Publikum die private Gloria zu zeigen; diese Gloria hätte eh niemand sehen wollen.

    Dabei hatte sie eine sehr humorvolle Seite. Nicht nur ihre Filme, auch die von ihr gewünschte Grabinschrift zeugen davon: "Sie bezahlte alle Rechnungen selbst. Das ist die Geschichte ihres Lebens." Und die Rechnungen konnte sie mit ihren Gagen sehr gut begleichen: Die Karrierefrau soll in den Zwanziger Jahren bis zu 23.000 Dollar pro Woche verdient haben. Sie besaß zudem ein Talent dafür, bekannte Stars zu parodieren, wie beispielsweise Charles Chaplin in Manhandled.

    1924 drehte Gloria Swanson in Paris die Komödie Madame Sans-Gêne. Zurück in den Vereinigten Staaten hatte sie nicht nur einen neuen Film im Gepäck, sondern mit dem adeligen Marquis Henri de la Falise de la Coudraye auch einen neuen Ehemann.

    1926 verließ die Schauspielerin die Produktionsfirma Paramount, um ihre Filme von nun an selbst zu produzieren. Damals war dieses Vorgehen nicht unüblich für einen bekannten Filmstar. Finanzielle Unterstützung fand sie bei dem Bankier Joseph Kennedy, Vater von John F. Kennedy. In ihren Memorien "Swanson on Swanson", die 1980 veröffentlich wurden, verriet sie, dass der Bankier auch ihr Liebhaber gewesen war. Swanson hatte mit vielen selbst produzierten Filmen Erfolg.

    Die Dreharbeiten zu Königin Kelly (1928) wurden aber ein Desaster: Swanson erkannte, dass der Streifen keine Zensurfreigabe erhalten würde. Der Regisseur wurde entlassen. Als Produzentin verlor Gloria Swanson viel Geld; Regisseur Erich von Stroheim ruinierte sich die Karriere. Der Streifen landete im Archiv, gilt aber trotzdem als ein Meisterwerk der Filmgeschichte. Die "Gloria Swanson Productions" überlebten diesen Absturz ebenfalls nicht und gingen 1932 Bankrott.

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    Der Übergang zum Tonfilm gelang der "Femme Fatale" nicht recht. Sie drehte zwischen 1934 und 1950 nur noch einen Film. Stattdessen spielte sie am Theater, malte und versuchte sich als Designerin. Zudem gehörten ihr zu dieser Zeit bereits ein Modehaus in Rom, eine Reiseagentur und diverse Fabriken.

    Ein kurzes Comeback gelang ihr 1950 mit dem Film-noir-Klassiker Boulevard der Dämmerung. Sie gibt hier den vergessenen Stummfilm-Star Norma Desmon, der besessen ist von dem Wunsch, endlich wieder beachtet zu werden. Für diese Rolle erhielt Swanson ihre dritte Oscar-Nominierung. Erhalten hat sie die begehrte Trophäe nie. Es folgten weitere kleinere Rollen; der große Durchbruch gelang ihr jedoch nicht mehr. Sie arbeitete nun viel für das Radio und war ab und an im Fernsehen zu sehen. 1948 erhielt sie vom Life Magazin eine Auszeichnung als die "schönste Großmutter Amerikas".

    Gloria Swanson heiratete sechs Mal, ließ sich fünf Mal scheiden und hatte zwei Töchter und einen Sohn. Ihr erster Mann war Wallace Beery (1916–19), Herbert K. Somborn ihr zweiter (1919–22), der Marquis von Frankreich war Nummer drei (1924–1930), ihr vierter Mann war Michael Farmer (1931–1934), ihr fünfter William Davey (1945–1948) und ihr sechster Ehemann war der Autor William Duffy (1974–1981).

    Bis 1960 spielte Gloria Swanson in über 60 Filmen mit. Im Alter zweifelte die "Queen of Hollywood" aber mehr und mehr an Ruhm und Karriere: Schauspielerinnen seien doch nur "wie Sardinen, die in einer Büchse um die Welt verschifft würden". Die Schauspielerin und Produzentin starb am 4. April 1983 in einem New Yorker Krankenhaus an Herzversagen. 1998 gaben die USA eine 32-Cent-Swanson-Briefmarke heraus.