Special - Comics auf der Leinwand

    Aus Film-Lexikon.de

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    Sie polarisieren wie sonst kein anderes Genre Kritiker und Kinobesucher – Superhelden, die von den Filmemachern aus ihrer Welt der Sprechblasen auf die Kinoleinwand geholt werden. Jahr für Jahr kämpfen sich die Comic-Figuren durch die Kinosäle: Watchmen – Die Wächter und Wolverine machen den Anfang. Sie reihen sich ein in eine noch gar nicht so alte Tradition der Comic-Verfilmungen.

    Nach eher holprigen Anfangsversuchen im Fernsehen verhalf Christopher Reeve 1978 in einem knallengen blau-roten Anzug dem Filmgenre Comicverfilmung zu einem ersten Erfolg. Der Weltretter setzte mit Superman - The Movie ein Kinodenkmal. Dieser Erfolg blieb jedoch erst einmal die Ausnahme, bis sich Ende der 80er Jahre Filmregisseur Tim Burton an einem weiteren Comic-Superhelden versuchte: Batman. Auch dieser Streifen hat mittlerweile Kult-Status. Der Film mit Jack Nicholson, dem die Rolle als grinsender Joker förmlich auf den Leib geschrieben ist, nahm insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar ein.

    Beide Kassenschlager verhalfen dem Verlag DC Comics dazu, bis Ende der 1980er Jahre zum Marktführer aufzusteigen. Der Comicverlag Marvel schien dagegen jahrelang aus der Ecke des Zeichentrickfilms nicht heraus zu kommen. Ein erster Versuch scheiterte kläglich: In fünf Folgen schlug sich Nicholas Hammond zwar recht tapfer als Spiderman, auch in den deutschen Kinos. Doch das Handikap des Spinnenmenschen, sich nicht so rasant und elegant von Haus zu Haus schwingen zu können wie sein Vorbild in den Heften, ließ die Filme Spiderman - Der Spinnenmensch (1977), Spiderman schlägt zurück (1978) und Spiderman gegen den gelben Drachen (1979) an der Kinokasse floppen.

    Aber auch DC konnte in den 90er Jahren nicht mehr an den Erfolg der 70er anknüpfen. Der Film Batman & Robin schaffte es zwar, elf Nominierungen zu ergattern – allerdings für die Goldene Himbeere.

    Szene aus Blade: Trinity

    Die ersten Erfolge konnte Marvel erstmals im Fernsehen mit der Serie „Incredible Hulk“ verzeichnen, da hier die Produzenten mit dem Bodybuilder Lou Ferrigno einen durchaus vorzeigbaren Hulk präsentieren konnten. Den Durchbruch auf der Kinoleinwand schaffte Marvel erst 1998: Wesley Snipes als Vampirjäger Blade lockte über 1,2 Millionen Zuschauer allein in Deutschland in die Kinos. Die Kritiker waren begeistert. "Blade" ebnete vielen seiner Kollegen aus den Comic-Heften den Weg in die Kinos; auch weil das Kino seit Ende der 90er Jahre immer besser in der Lage ist – dank ausgefeilterer Computertechnik – den Filmen die Rasanz der Comics zu verleihen.

    Durfte Christopher Reeve als Superman in den späten 70ern noch etwas albern und als sein Alter Ego Clarke noch eher unbeholfen daherkommen; durfte Batman die Schurken in den 80er Jahren eher als Clown in Leggins denn als dunkler Held durch Gotham City jagen, werden seit der Jahrtausendwende die Figuren dunkler. Und nicht mehr die Heldentaten stehen im Mittelpunkt: Die Kinomacher zeigen mehr und mehr eine andere Seite von Spiderman, Batman und all den anderen Helden wider Willen – deren Privatleben.

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    Die X-Men eroberten 2000 die Kinos im Sturm. Auch Spiderman wurde zwei Jahre später nun endlich beachtet, vom Publikum wie auch von der treuen Comic-Fangemeinde. Die Regisseure Bryan Singer und Sam Raimi schafften es trotz action- und explosionsgeladener Specialeffects, die menschliche Seite nicht zu kurz kommen zu lassen. Das Ergebnis gefiel; im Fall X-Men jedoch nur dem Publikum. Kritiker zerrissen die Mutantensaga als "kurzweiliges Heldenepos" und ein Rezensent unterstellte Darsteller Patrick Stewart gar, unter Drogen gestanden zu haben, als er den Vertrag für den Film unterschrieb.

    Nun ging es erst richtig los: mit Catwoman - Der Film, Batman Begins, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, Daredevil, Elektra, Fantastic Four, Hellboy, Hulk und dem düster daherkommenden Sin City – ein Paradebeispiel für den neuen Stil, der sich in den letzten Jahren durchsetzte: ernst, düster und gewalttätig. Dazu passt auch 300 nach dem gleichnamigen Comicroman um die Schlacht bei den Thermopylen.

    Die Filmstars der Comicszene boomen jedoch oder gerade deswegen. Iron Man startete 2008 erfolgreich, wohingegen Speed Racer ein Fehlstart wurde. Edward Norton schlug sich hingegen als Der unglaubliche Hulk besser als sein Vorgänger Eric Bana (Hulk 2003). Norton spielt Bruce Banner als einen Getriebenen seiner eigenen zügellosen Wut, der das Ding "Hulk" eigentlich nur wieder los werden will. Ähnlich verzweifelt ließ Regisseur Christopher Nolan Schauspieler Christian Bale den Batman in The Dark Knight geben. Die "Guten" werden mehr ins Zwielicht gerückt, hadern mit ihrem Schicksal; mutieren sogar zu Alkoholikern, wie Will Smith als Hancock, den Regisseur Peter Berg öfter im Suff taumelnd als bei Heldentaten fliegend zeigt.

    Szene aus X-Men Origins: Wolverine

    Zack Snyders neue Verfilmung der Watchmen – Die Wächter, ein dunkler Abgesang auf die Superhelden, schließt sich geradlinig an. Superhelden zeigen hier ihre böse und rachsüchtige Seite. Auch Wolverine muss da im April 2009 durch. Der Ableger von X-Men lässt den rauen Anti-Helden Wolverine (gespielt von Hugh Jackman) tief in seine gewalttätige Vergangenheit blicken.

    Die Ideen scheinen den Machern jedenfalls nicht auszugehen: Allein Marvel plant, in den nächsten fünf Jahren weitere zehn Filme zu produzieren, unter anderem eine Fortsetzung von Iron Man und einen Streifen um die Marvel-Figur Thor.