Seraphine

    Aus Film-Lexikon.de

    1912 zieht der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur) in das Städtchen Senlis, um sich dem Schreiben zu widmen und sich vom hektischen Leben in Paris zu erholen. Als Haushälterin stellt er die widerborstige und unscheinbare Séraphine (Yolande Moreau) ein. Eines Tages entdeckt er bei Nachbarn ein kleines auf Holz gemaltes Bild, das ihn sogleich fasziniert. Zu seiner großen Überraschung stellt sich heraus, dass das Bild von seiner Haushälterin Séraphine gemalt worden ist. Von den unkonventionellen Werken begeistert, beschließt der Kunstkenner Uhde, der als Entdecker von Picasso und Rousseau gilt, die eigenwillige und von ihren Mitmenschen belächelte Séraphine zu fördern.




    Filmstab

    Regie Martin Provost
    Drehbuch Martin Provost
    Vorlage Marc Abdelnour
    Kamera Laurent Brunet
    Schnitt Ludo Troch
    Musik Michael Galasso
    Produktion Milena Poylo

    Darsteller

    Séraphine Louis Yolande Moreau
    Wilhelm Uhde Ulrich Tukur
    Anne-Marie Uhde Anne Bennent
    Mme Duphot Geneviève Mnich
    Helmut Kolle Nico Rogner
    La mère supérieure Françoise Lebrun

    Kritiken

    Isabel Bures, art-tv.ch: Martin Provost gelingt ein überzeugendes filmisches Porträt der Künstlerin Séraphine Louis. Der Film offenbart die quasi-mystische Dimension von Seraphines künstlerischer Arbeit und macht ihr persönliches, spontanes und nicht-akademisches Gespür für die „naive“ Malerei zugänglich. (...) Ohne bei dieser Darstellung aber in Gefühligkeit und Hysterie zu verfallen, gelingt es Provost und Moreau, dem anspruchsvollen Werdegang dieser besondern Frau treu zu bleiben. Ebenso wird auch Wilhelm Uhde nicht nur die simple Schablone eines treuen Mäzens zugeteilt. Auch er hat dunkle Seiten, für die uns der Film zum Glück keine Erklärung aufdrückt, der Zuschauer soll sich seine eigenen Gedanken machen. All dies geht wunderbar einher mit einer passenden Inszenierung, die wenig auf Effekte setzt. Auch die Kamera kommt den Schauspielern nicht zu nahe, und es gibt keine unnötigen Schnitte, auch wenn der Film mit 125 Minuten etwas zu lang ist. Fazit: Mit der nötigen Liebe zum Detail offenbart «Seraphine» eindrücklich das Leben und Werk einer Frau, die für die eigene künstlerische Entfaltung und Freiheit lebte.


    Carlos Corbelle, filmreporter.de: Unter Kunstkennern gilt Séraphine Louis als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Naiven Kunst. Die geradezu wundersame Geschichte ihrer Entdeckung durch den einflussreichen Kunstsammler Wilhelm Uhde eignet sich hervorragend als Vorlage einer filmischen Biographie. Erfreulicherweise bedient Regisseur Martin Provost nicht die typischen Biopic-Konventionen von Aufstieg und Fall eines Künstlers. Der biographische Hintergrund Séraphines tritt in seiner Verfilmung in den Hintergrund. Sein Hauptaugenmerk gilt dem unbedingten Schaffensdrang der Künstlerin. (...) Nur wenn sie malt, ist die Kamera ganz nah dran an Séraphine, werden die Gesichtszüge der wundervoll nuanciert agierenden Hauptdarstellerin Yolande Moreau weicher. Das komplexe Innenleben der Protagonistin erschließt sich oft anhand dieser subtilen Annäherung der Kamera. So wird Provosts Werk in seinen besten Momenten selbst zum kunstvollen Gemälde.


    Wertungen

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    Original Séraphine
    Jahr/Land 2008 / Frankreich, Belgien
    Genre Drama
    Film-Verleih Arsenal Filmverleih GmbH
    Laufzeit 125 Minuten
    Kinostart 17. Dezember 2009