Sehnsucht

    Aus Film-Lexikon.de

    Ein Mann und eine Frau leben in einem Dorf in der Nähe von Berlin. Die Stadt scheint weit weg zu sein. Sie lieben sich seit Kinderzeiten. Unzertrennlich.

    Beide sind Anfang dreißig. Markus ist Schlosser und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Ella arbeitet ein paar Stunden in der Woche als Haushaltshilfe und singt im Chor. Von den anderen werden sie staunend, fast misstrauisch beäugt, da sie so glücklich scheinen, unschuldig und manchmal ahnungslos wie zwei Kinder.

    Eines Tages geht Markus mit der Freiwilligen Feuerwehr auf Dienstreise in die Kreisstadt. Abends wird getrunken, gelacht, getanzt. Am nächsten Morgen wacht er in der Wohnung einer fremden Frau auf. Er kann sich nur an wenig erinnern.

    Als er versucht herauszufinden, was geschehen ist, ist das der Anfang einer anderen, ungewohnten Liebe, die die Liebe zu seiner Frau nicht zu berühren scheint. Es fällt ihm schwer, den Weg zurück in sein altes Leben zu finden.



    Filmstab

    Regie Valeska Grisebach
    Drehbuch Valeska Grisebach
    Kamera Bernhard Keller
    Schnitt Bettina Böhler, Valeska Grisebach, Natali Barrey
    Produktion Peter Rommel, David Groenewold für Rommel Film / GFP Medienfonds / ZDF (Das kleine Fernsehspiel) / 3sat

    Darsteller

    Markus Andreas Müller
    Ella Ilka Welz
    Rose Anett Dornbusch
    Oma Erika Lemke
    Nachbarsjunge Markus Werner
    Mutter Doritha Richter
    Nachbar Detlef Baumann
    Tante Ilse Lausch
    Onkel Harald Kuchenbecker
    Bürgermeister / Wehrleiter Hartmut Schliephacke

    Kritiken

    Die Zeit: Mit Valeska Grisebachs unscheinbarem Helden, der doch nur alles richtig machen möchte und dessen Leben sich so schicksalhaft verheddert, stolpert auch der Zuschauer in diese besondere Art von Wirklichkeit, die es immer noch viel zu selten im deutschen Kino gibt. Diese Wirklichkeit ist geräumig genug, um den Alltag der Figuren mit einer ganz großen, fast antikischen Geschichte von Liebe und Tod zu verbinden. (...) Dieser schweigsame Mann, mit dem treuen Blick und dem tonnenschweren Herzen ist der Letzte, der einem sagen kann, wie das alles passiert ist. Es ist ein romantischer, einsamer Held, der sich im ständigen Kampf der Gefühle und an der unmöglichen, tragischen Gleichzeitigkeit zweier Sehnsüchte aufreibt. Wie nah diese drei Darsteller einem kommen ... so geheimnisvoll, dass man ihnen mit atemloser Spannung zuschaut.

    Frankfurter Rundschau: Valeska Grisebach interessiert sich eben nicht für den psychologischen Phänotyp, sie sieht solange zu, bis man den Geschichten bis tief auf den Grund blicken kann. So dringt sie vor zum volksmythologischen Kern, beinahe zum Märchenhaften. (...) Kameramann Bernhard Keller beobachtet das meisterlich besetzte, wortkarge Trio von Menschen, die zu sehr lieben, betont ruhig und unartifiziell. Schließlich kann man die ostdeutsche Luft in seinen klaren Bildern förmlich atmen.

    Neues Deutschland: In "Sehnsucht" ist eine Intensität, die gleichzeitig befremdet und anzieht, eine auf wunderbare Weise herbe Poesie, auf die wir nicht gefasst sind. Wie wenig haben doch die meisten Bilder, die wir täglich konsumieren, mit unserem Alltag zu tun, wie wenig ähneln sie uns! Aber es gibt noch ein Leben außerhalb jener Medien, die uns vormachen, sie seien das Ideal des eigentlichen Lebens. Es gibt noch Leidenschaft, Schmerz und Verzweiflung, die in keinen Film passen. Daran werden wir in Sehnsucht erinnert.