Science Fiction (Genre)

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    Wie kein anderes Genre befriedigt der Science-Fiction-Film die Neugier: Im Kino kann man einen Blick in den Weltraum, auf fremde Planeten werfen, vor- und rückwärts durch die Zeit reisen (Zurück in die Zukunft (1984-1990) oder sogar das Innere des menschlichen Körpers erforschen (Die phantastische Reise (1966)).

    Der Science-Fiction-Film wird zusammen mit Horror- und Fantasyfilm zum so genannten phantastischen Film gezählt. Darunter lassen sich alle Filme fassen, die in ihrem Gegenstand über unsere gewohnte Realität herausgehen.

    In der Science Fiction wird die Überschreitung unseres normalen Horizontes dadurch erreicht, dass die Handlung in der Zukunft spielt oder durch eine fiktionale technische Errungenschaft ermöglicht wird. Durch diesen Kunstgriff wird dem Zuschauer der Kontakt mit anderen Welten und Wesen ermöglicht und gleichzeitig plausibel gemacht: Denn trotz aller fiktiven Technik besteht in der Science Fiction immer noch eine Beziehung zu unserer gewohnten Welt.

    Dadurch gewinnen die Science-Fiction-Filme gegenüber dem Fantasyfilm, der unserer Welt in Zeit und Raum vollständig entrückt ist, eine größere Glaubwürdigkeit. Im Gegensatz zu den klassischen Horrorfilmen ist die Bedrohung, die von fremden Wesen ausgeht, nicht unerklärlich, da sie etwa von fremden Planeten oder aus misslungenen nuklearen Experimenten stammen.

    Typische Motive und Stilmittel

    Motive

    Das Genre der literarischen Science Fiction entstand durch Autoren wie Jules Verne und H.G. Wells im fortschrittsgläubigen späten 19. Jahrhundert. Das literarische Prinzip der "phantastischen Reise" in ferne Gegenden – das auch Abenteuerfilm und Fantasyfilm zugrunde liegt - wurde in Zeiten, die kaum noch weiße Flecken auf der Landkarte kannten, in die Zukunft verlegt.

    Das Hauptmotiv der Science Fiction ist deswegen die Konfrontation der Menschheit mit fremden Welten oder fremden Wesen. Entweder bereisen Astronauten fremde Planeten (2001: Odyssee im Weltraum(1968), Alien (1979)) oder die Außerirdischen kommen zu uns (Das Ding aus einer anderen Welt (1982), Independence Day (1996)). Der für Spannung sorgende Konflikt besteht darin, dass die Begegnung freilich meistens nicht gerade friedlich abläuft.

    Der Blick in die Zukunft erlaubt es auch, Reflexionen über Technik und Fortschritt im Allgemeinen anzustellen. Sind manche Filme, vor allem aus der Frühzeit des Genres, eher technikgläubig und fortschrittshörig eingestellt, gehen andere ziemlich pessimistisch mit der technischen Entwicklung um (siehe Subgenre "Dystopie").

    Durch die zeitliche und räumliche Entfernung und sie technische Differenz von unserer Gegenwart können ebenfalls gesellschaftliche und politische Fragestellungen losgelöst von unserer Gegenwart durchgespielt werden.

    Stilmittel

    Um die Neugier des Publikums nach unbekannten Welten zu befriedigen und gleichzeitig dessen Bedürfnis nach Glaubwürdigkeit zu bedienen, ist der Science-Fiction-Film wie kein anderes Genre auf gute Spezialeffekte angewiesen.

    Im Lauf der Geschichte entwickelten die Macher immer neue Mittel, die Schaulust der Zuschauer zu befriedigen: In Metropolis (1927) spiegelte der Kameramann und Tricktechniker Eugen Schüftan in dem nach ihm benannten Verfahren kleine Modelle in die Kameraachse, die im fertigen Film die Illusion gigantischer Bauten erzeugt. Stanley Kubrick entwickelte für 2001: Odyssee im Weltraum abstrakte, psychodelisch wirkende Lichteffekte, um das Eindringen des Astronauten in neue Bewusstseinsdimensionen fernab der Erde zu verdeutlichen. Heute können ganze Welten am Computer simuliert werden. Ein Quantensprung für diese technische Entwicklung war die Star Wars- Saga (1977-2005) von George Lucas mit den Tricks der von Lucas gegründeten Special-Effects- Schmiede Industrial Light and Magic (ILM).

    Auch der Realitäts-Effekt der Monster außerirdischen Ursprungs hat sich historisch gewandelt. In den Monsterfilmen der 50er Jahre wurden noch Menschen in die Kostüme von Riesenechsen (Godzilla) gesteckt, was heute immerhin noch den Charme des Naiven besitzt. Später konnten Charaktere komplett am Rechner entstehen, wie die bei Fans umstrittene Figur des Jar Jar Bings aus Star Wars - Episode I: Die dunkle Bedrohung (1999).


    Typische Figuren

    Die menschlichen Helden der Science Fiction bleiben meist recht blass. Deshalb lohnt es sich eher, den Blick auf Außerirdische und künstliche Menschen zu werfen, von denen die Filme des Genres bevölkert werden.

    Außerirdische

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    Die extraterristischen Figuren haben innerhalb des Genres bisher die verschiedensten Gestalten angenommen. Das Spektrum reicht von den aggressiven, mordlustigen, dem Menschen körperlich weit überlegenen Kreaturen aus der Alien-Reihe (1979-1997) bis hin zu dem kindlich-harmlosen E.T. (1982), der nur "nach Hause telefonieren" möchte.

    Auffällig viele Außerirdische besitzen keine feste Gestalt, sondern können sich allen Lebensformen anpassen, wie Das Ding aus einer anderen Welt (1982), was diese Wesen natürlich besonders bedrohlich macht. Es gibt aber auch außerirdische Besucher, die den Menschen wohlgesonnen (Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977)) oder sogar moralisch überlegen sind, wie in Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951).

    Zu den phantastischen Gestalten des Science-Fiction-Films können auch Monster gezählt werden, die nicht außerirdischen Ursprungs sind, sondern aus technischen Fehlentwicklungen entstanden sind, wie zum Beispiel Godzilla, der durch Atomtests zum Leben erweckt worden ist.

    Roboter

    Zu den interessantesten Gestalten der Science Fiction zählen sicherlich die Roboter, also alle menschenähnlichen Automaten.

    Eine frühe Ikone ist Robby aus Alarm im Weltall (1956), ein harmloser Haushaltsroboter. Weitergeführt wird die Tradition der humorvollen Roboter vom Duo C-3PO und R2-D2 aus der Star Wars- Reihe, die nach dem Vorbild des Komikerduos Dick und Doof gestaltet sind.

    Aber die Roboter können auch anders: Sie laufen Amok wie in Westworld (1973), erheben sich gegen ihre Schöpfer wie in Der Blade Runner (1982) oder führen im großen Stil Krieg gegen die Menschen wie in Terminator (1984).


    Subgenres

    Space Operas/Serials

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    Die typischste Form der Science-Fiction-Filme, gerade in der Frühzeit, ist die "Space Opera". Ab den 40er Jahren wird von der Eroberung des Weltraumes aus politischen und militärischen Gründen erzählt. Die Filme wie Endstation Mond (1950) sind allerdings heute so gut wie vergessen.

    Den Space Operas verwandt sind so genannte "Serials" wie "Buck Rogers" und "Flash Gordon", in denen irdische Helden auf fremden Planeten Abenteuer gegen exotische Schurken erleben. Sie basierten auf Comic-Strips und liefen in den 30er Jahren mit fortlaufender Handlung als jeweils dreißig-minütiger Vorfilm vor dem Hauptprogramm. Die charakteristische Form der Serials mit Cliffhangern am Ende, die Spannung auf die Fortsetzung erzeugen sollten, wurde später von den TV- Serien aufgegriffen, die die Serials aus dem Kino verdrängten.

    Stark beeinflusst von sowohl den Space Operas als auch den Serials ist George Lucas groß angelegtes Science-Fiction-Epos Star Wars (1977-2005). Trotz der Verwendung dieser und anderer Quellen und den Bezügen auf Genres wie Western und Abenteuerfilm erschuf Lucas darin einen eigenständigen Kosmos mit eigener Mythologie. Die Saga spielt "vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis". Dadurch besitzt sie keinen konkreten Bezug auf die Erde und nähert sich deshalb stark der Fantasy mit ihren komplett erfundenen Welten an.

    Invasionsfilme

    Das Gegenstück zur Space Opera ist der Invasionsfilm. Er spielt nicht in den unendlichen Weiten des Weltraums, sondern auf der Erde, der Außerirdische einen Besuch abstatten.

    Die Besucher sind jedoch meistens nicht gerade freundlich gesinnt: In Filmen wie Kampf der Welten (1953) oder Independence Day (1996) attackieren technisch hochüberlegene Aliens aus blindem Eroberungs- oder Zerstörungswillen die Erde.

    In anderen Filmen gehen sie subtiler zu Werke, indem sie sich als Menschen tarnen oder die Identität von Menschen annehmen. Beispiele dafür sind Das Ding aus einer anderen Welt (1951), Die Dämonischen (1956) oder Terminator(1984), in dem ein als Mensch getarnter Kampfroboter aus der Zukunft in die Gegenwart kommt, um eine Frau zu töten, die später den menschlichen Anführer im Krieg gegen die Roboter gebären wird.

    Einen Sonderfall stellen Außerirdische dar, die in friedlicher Absicht auf die Erde kommen, von den Menschen aber aus Angst verfolgt werden. Auch für diese Spielart aber gibt es mit Gefahr aus dem Weltall (1953), Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951), Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977) oder E. T. - Der Außerirdische (1982) genügend Beispiele.

    Dystopien

    Die Science Fiction ist wegen ihrer Ausrichtung auf die Zukunft das ideale Genre, um alternative Gesellschaftsmodelle durchzuspielen. Dazu gehört die philosophische Tradition der Utopie, also eines real nicht existierenden, idealen Ortes als dem positiven Gegenentwurf zu unserer Gesellschaft.

    In Science-Fiction-Romanen und Filmen ist jedoch weitaus häufiger die Dystopie anzutreffen, also die ins Negative gewendete Utopie. Sie entwirft einen Staat, in dem alle negativen Tendenzen unserer Zeit verstärkt und ins Totalitäre ausgeprägt sind. Die Systeme geben sich nach außen den Anschein eines idealen Staates ohne Armut und Gewalt, die dystopischen Filme aber entlarven, zu welchem Preis die innere Sicherheit aufrechterhalten werden kann: Durch die Unterdrückung des Einzelnen.

    Der berühmteste und mehrfach verfilmte Roman dieser Gattung ist George Orwells "1984". Vor dem Hintergrund der beiden großen totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts - dem Dritten Reich und der Sowjetunion - entstanden, denkt der Roman deren Missstände radikal zu Ende: Die Gedanken des Einzelnen werden konsequent kontrolliert und überwacht, Andersdenkende werden verfolgt. Die technischen Errungenschaften, die in positiven Science-Fiction-Werken noch zu größerer Freiheit verhelfen können, dienen zur Machterhaltung und Unterdrückung des Volkes.

    Wichtige dystopische Filme neben "1984" (siehe die Adaptionen aus den Jahren 1984 und 1956) sind Metropolis (1927), Fahrenheit 451 (1966), THX 1138 (1971), Uhrwerk Orange (1971) und Brazil (1984).

    Superheldenfilme

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    Ein Sonderfall der Science Fiction sind Filme über Helden mit übermenschlichen Kräften, die nur selten außerirdischer Herkunft sind - Superman vom Planeten Krypton ist hier nur eine Ausnahme. Aber auch alle anderen Superhelden können zur Science Fiction gezählt werden, da ihre besonderen Fähigkeiten nicht göttlichen oder mythischen Ursprungs sind, wie dies bei mythologischen Sagenhelden der Fall ist. Die Superhelden verdanken ihre Kräfte entweder genetischen Mutationen (Spiderman, X-Men), wissenschaftlichen Experimenten (Hulk, Captain America) oder einfach nur avancierter Technik (Batman, Iron Man).

    Nach einigen frühen Verfilmungen der Comic-Superhelden, wie zum Beispiel "Batman" ab 1943, erlebten die Superhelden im 21. Jahrhundert ein grandioses Revival. Inzwischen sind sie jedoch keine strahlenden Helden mehr: Reihen wie Spiderman (2002-2007), X-Men (2000-2011) oder die zweite Welle von Batman-Filmen (2005-2012) zeigen gebrochene Helden, die mit ihren Aufgaben hadern und an ihrem Verhältnis zur normalen Umwelt verzweifeln. In Watchmen – Die Wächter (2009) werden sogar unmoralische und korrupte Superhelden gezeigt.


    Geschichte

    Frühzeit

    Schon sehr früh wandten sich Filmemacher Sujets der Science Fiction zu - am prominentesten der Filmpionier George Méliès mit Die Reise zum Mond. Der 1902 erschienene Film bedient sich bereits sehr aufwändiger Dekors. Im Gegensatz zu späteren Filmen des Genres herrschen hier noch märchenhafte Züge vor: Der Mond hat ein lachendes Gesicht, bis die Rakete ihm direkt im Auge landet. Dieses berühmte Bild ist die erste Ikone des Science-Fiction-Films.

    Ein anderer bedeutender Regisseur der Stummfilmzeit ist der deutsche Filmemacher Fritz Lang mit seinen beiden Science-Fiction-Filmen Metropolis (1927) und Frau im Mond (1929). Beide Produktionen betrieben einen für die Entstehungszeit enormen Aufwand für die Ausstattung. Für die Frau im Mond erfand Lang den Countdown, der dann in der wirklichen Raumfahrt übernommen wurde.

    50er Jahre

    Die 50er Jahre bildeten die Blütezeit des Science-Fiction-Films in den USA. Die soziologischen Ursachen dieses Booms werden im Kalten Krieg und der Entwicklung der Atombombe gesehen. Die Space Operas lassen sich deuten als Reaktion vor der Angst der totalen Vernichtung der Erde durch die Atombombe, die die Menschen dazu zwingt, nach neuem Lebensraum im Weltall Ausschau zu halten.

    Neben einer geradezu hysterischen Häufung von UFO-Sichtungen in den späten 40er Jahren gilt die Flut der Invasionsfilme der 50er Jahre als Ausdruck der Angst der Amerikaner vor einer Eroberung oder schleichenden Unterwanderung der USA durch die Kommunisten. Der erste Film in dieser Tradition ist Das Ding aus einer anderen Welt (1951): Ein aggressives außerirdisches Wesen wütet in einer Forschungsstation am Nordpol. In Kampf der Welten greifen technisch hochgerüstete Aliens die ganze Erde an. In einer Welle von B-Filmen wurde dieses Thema immer wieder variiert. In Die Dämonischen (1956) sind die außerirdischen Invasoren gestaltlos, bis sie die Körper der Menschen übernehmen und diese in emotionslose Hüllen verwandeln. Dieser Film ist eine Parabel auf die Bedrohung des menschlichen Individualismus - nicht nur im Kommunismus, sondern auch im Kapitalismus.

    Es existieren in den 50er Jahren aber auch Filme, die keine Ängste schüren, sondern reflektieren und kritisieren. So stranden in Gefahr aus dem Weltall (1953)- auch wenn der deutsche Titel etwas anderes vermuten lässt-, friedfertige Aliens auf der Erde, die aber in den Menschen dennoch die Angst vor dem Fremden wecken und deshalb gejagt werden. In Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951) landet ein technisch und moralisch überlegener Außerirdischer auf der Erde, um die Menschen davon abzubringen, mit ihren Atombombenversuchen das Universum zu gefährden.

    Postmoderne

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    Ab den späten 70er Jahren kam es im Genre zu einer Art Tendenzwende hin zu anspruchsvolleren Stoffen und philosophischen Themen. Bedeutend waren dabei vor allem Filme, in denen künstliche Menschen im Mittelpunkt standen und damit die Frage problematisiert wurde, was den Menschen eigentlich zum Menschen macht.

    Abgesehen von den frühen Vorläufern THX 1138 (1970) und Solaris (1972) gilt dies vor allem für Der Blade Runner (1982): Der Protagonist, Rick Deckard, soll eine Gruppe von humanoiden Robotern jagen, die gegen ihre Schöpfer rebelliert haben. Die so genannten Replikanten wurden als Arbeiter eingesetzt, die nach einer gewissen Zeit wieder ausgelöscht werden. Manchen Modellen wurden künstliche Erinnerungen eingepflanzt, so dass sie sich selbst für Menschen halten. Als Deckard am Ende auf den Anführer der revoltierenden Replikanten trifft, erweist sich dieser als menschlicher als er selbst. Schließlich kann sich Deckard nicht einmal sicher sein ob er selbst ein Mensch oder ein Replikant ist.

    Ab den 90er Jahren gerieten vermehrt virtuelle Realitäten in den Blickpunkt der Science-Fiction-Filme. Die Grenzen zwischen verschiedenen Realitäts- und Zeitebenen verschwammen, so dass weder der Protagonist noch der Zuschauer die endgültige "Wahrheit" erkennen kann. Beispiele für diesen Typ sind Filme wie EXistenZ, The 13th Floor und Matrix (alle 1999), Minority Report (2002), oder zuletzt Inception(2010).

    Nach den Anschlägen vom 11.September 2001 entstanden erneut auch Invasionsfilme, die allgemeine Ängste aufgriffen. Sowohl in Krieg der Welten (2005) von Steven Spielberg als auch in Cloverfield (2008) gibt es deutliche Anspielungen auf die Terroranschläge.


    Die Klassiker: 10 Science-Fiction-Filme, die man gesehen haben muss

    Metropolis (1927)

    Das Ding aus einer anderen Welt (1951)

    Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951)

    Die Dämonischen (1956)

    2001: Odyssee im Weltraum (1968)

    Krieg der Sterne (1977)

    Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)

    Der Blade Runner (1982)

    Matrix (1999)

    X-Men (2000)