Mein erstes Wunder

    Aus Film-Lexikon.de

    Ein flirrender Sommer am Meer. Dole, elf, weiß, was sie will - auf keinen Fall erwachsen werden! Sie wittert abscheuliche Kompromisse. Hermann ist bereits Mitte vierzig und hat Familie. Aber auch er findet, dass man sich nicht darum reißen muss, erwachsen zu sein. Als Dole in den Sommerferien mit ihrer Mutter auf den kindsköpfigen Familienvater trifft, ist sie begeistert. Zum ersten Mal jemand, der sie versteht! Herrmann geht es nicht anders. Zwischen den beiden entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft, eine große Liebe, die den Urlaub überdauert. Beider Umwelt jedoch reagiert mit Misstrauen und Panik auf diese Beziehung. Hermann bricht den Kontakt schließlich seiner Frau zuliebe ab. Da steht Dole eines Tages vor seiner Tür: "Ich bin gekommen, um dich abzuholen." Verzweifelt und irritiert verfolgen Doles Mutter und Hermanns Frau ihre Fährte. Seltsame Spuren eines flüchtigen Glücks schüren die Verwirrung der beiden Frauen ... Doles und Hermanns Reise endet am Meer. Während Hermann den Blick der Kindheit wiederfindet, wird Dole erwachsen. Und begreift, dass die Wunder trotzdem nicht für immer verloren sind ...



    Filmstab

    Regie Anne Wild
    Drehbuch Anne Wild
    Kamera Wojciech Szepel
    Schnitt Dagmar Lichius
    Musik Nicholas Lens
    Produktion Jost Hering für Jost Hering Filmproduktion / Saskia von Sanden für SWR

    Darsteller

    Dole Henriette Confurius
    Franziska Juliane Köhler
    Hermann Leonard Lansink
    Margot Gabriela Maria Schmeide
    Philipp Devid Striesow
    Margots Bruder Andreas Patton

    Kritiken

    Frankfurter Rundschau 20. Januar 2003: Denn obwohl nichts passiert, erzählt der Film tatsächlich immer von einer Liebesgeschichte, nicht von bloßer Freundschaft, auch nicht nur von einem imaginären Vater-Tochter-Verhältnis, und schon gar nicht von Kindesmissbrauch. Der aus dem Fernsehen bekannte Leonard Lansink und Henriette Confurius - wunderbar zwischen Kind und Frau, aber ohne alle Lolitaallüren - spielen die Hauptrollen, auch Juliane Köhler ist ausgezeichnet in der Darstellung der Ängste und Eitelkeiten einer aus Egoismus schwachen, bourgeoisen Mutter. Mit spielerischer Leichtigkeit geht es bei alldem immer um das eigentliche Thema des Kinos: Um Tagtraum und ein bisschen Weltflucht, Parallelwelten, darum, gegen alle Zwänge des Lebens an seinen Träumen festzuhalten. Ein hervorragender Film mit einfachsten Mitteln.

    Tip 15/2002: Mein erstes Wunder von Anne Wild entführt in die präpubertären Verwirrungen eines elfjährigen Mädchens. Dole torpediert nicht nur erfolgreich den ersten gemeinsamen Ostseeurlaub mit dem neuen Freund ihrer Mutter, sie geht parallel dazu auch noch eine Beziehung zu dem 30 Jahre älteren Hermann ein. Das auf einem authentischen Fall basierende, heikle Thema einer unmöglichen Liebe zwischen einem Kind und einem Erwachsenen verbietet durch die Intensität seiner Umsetzung jede Wildwasser-Spekulation. Nachhaltig in Erinnerung bleibt das Spiel der Kinderdarstellerin Henriette Confurius als Dole.

    film-dienst 10/2003: Eine sensibel aufgebaute Geschichte mit raffinierten Bildkompositionen, die von überzeugenden Darstellern getragen wird und sich in ihrem kommentarreichen Geflecht aus kindlicher Charakterstudie, Weltflucht-Melancholie und der Hoffnung auf eine bessere Existenz jenseits der Alltagszwänge zu einem Glücksfall für das deutsche Kino verdichtet.