Majestät brauchen Sonne

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    König George V. nannte ihn "den brillantesten Versager der Weltgeschichte". Er war der meistfotografierte und meistgefilmte Mensch einer Zeit, die nach der Fotografie gerade die bewegten Bilder entdeckte: Deutschlands letzter Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941). Glückloser Romantiker oder barbarische Gefahr für die Menschheit? Dynastisches Monster oder eitler Pfau? Mit aufwendiger Digitaltechnik regenerierte Peter Schamoni umfangreiches Stummfilmmaterial und zeigt die verführerische Kraft einer umstrittenen Herrscherfigur, die für ihre spektakulären Medieninszenierung stets Sonne - eben das sprichwörtliche Kaiserwetter - brauchte. Fündig wurde Schamoni auf der Suche nach historischen Aufnahmen in einer Vielzahl europäischer Filmarchive. Dabei wird der "Hauptdarsteller" nicht nur bei offiziellen Zeremonien, Staatsakten, Denkmals-Enthüllungen, Reisen und Empfängen gezeigt, sondern auch in seiner Privatsphäre bei der Pflege seiner Hobbies und Marotten: mit seinen Dackelhunden, auf der Jagd, bei Segelregatten und Bordfesten auf seiner Yacht "Hohenzollern", die ihn von den norwegischen Fjorden bis nach Korfu führte. Schamoni kontrastiert das beschwingte Globetrottertum des "Reisekaisers", der rund 200 Tage im Jahr von Bremen bis Konstantinopel, von Stockholm bis Syrakus, von Zürich bis Venedig unterwegs war, mit markanten Filmdokumenten des Kriegskaisers, die dessen problematische Position im 1. Weltkrieg zeigen.



    Filmstab

    Regie Peter Schamoni
    Drehbuch Peter Schamoni
    Kamera Mike Bartlett, Ernst Hirsch, Konrad Kotowski
    Schnitt Thomas Krattenmacher, Carolin Rethfeld
    Produktion Peter Schamoni, Rob Houwer

    Darsteller

    Sprecher Kommentar Mario Adorf
    Sprecher Original-Zitate Otto Sander
    Donald Arthur
    Arthur Brauss
    Salome Kammer

    Kritiken

    Dirk Jasper: Majestät brauchen Sonne ist eine aufregend authentische und unterhaltsame Dokumentation, Psychogramm eines schillernden, historisch und menschlich kaum zu packenden Faszinosums und gleichzeitig eine Hommage an die Anfänge der Kinematografie.

    Der Spiegel: Ein Großportrait, wie es bislang undenkbar schien. Schamoni zeigt den 'brillantesten Versager der Weltgeschichte' keineswegs als Clown. Er lässt Mario Adorf einfühlsam den Kommentar sprechen und dazwischen originale Wilhelm II.-Texte majestätisch von Otto Sander vortragen.

    FAZ: Schamoni wollte keine Demontage dieser Persönlichkeit, die der Zeit schließlich im Wege stand (...) Er wollte das Labile und Fragile, das bedenklich Nervöse und fragwürdig Eitle eines von seiner Stellung überforderten Mannes darstellen (...) Allein schon das Singuläre dieser Aufnahmen rechtfertigt das Unternehmen.


    Wertungen

    0 Sterne
    0 Bewertungen
    Jahr/Land 2000 / Deutschland, Niederlande
    Genre Dokumentarfilm
    Film-Verleih Arthaus Filmverleih GmbH
    Laufzeit 95 Minuten
    Kinostart 09. November 2000