London River

    Aus Film-Lexikon.de

    Am Morgen des 7. Juli 2005, kurz vor 9 Uhr und dann noch einmal genau eine Stunde später, explodieren in London insgesamt vier Bomben. Im dichten Berufsverkehr aktivieren vier Attentäter in öffentlichen Verkehrsmitteln ihre in Rucksäcken mitgeführten Sprengsätze – binnen weniger Minuten kommen dabei in drei U-Bahn-Zügen und einem Doppeldeckerbus 56 Menschen zu Tode, mehr als 700 werden verletzt. In einem später aufgefundenen Bekennervideo erklärt einer der islamistischen Terroristen, seine Gruppe befände sich mit der britischen Gesellschaft im Krieg.

    Der Film erzählt die Geschichte zweier Menschen, die von den Anschlägen unmittelbar betroffen sind, obwohl sie sich zum Zeitpunkt der Explosionen weit entfernt von den Tatorten aufhielten. LONDON RIVER erzählt die Geschichte von Ousmane, einem Muslim, und von Mrs. Sommers, einer Christin. Ousmane lebt in Frankreich, Mrs. Sommers auf einer der englischen Kanalinseln. Beide führen ein ganz normales Leben – bis zu dem Tag, an dem sie erfahren, dass ihre Kinder seit „7/7“, dem Tag der Terroranschläge in London, als vermisst gelten. Erst in der britischen Hauptstadt erfahren sie, dass ihre Kinder dort zusammengelebt haben. Zwar unterschei den sich Ousmane und Mrs. Sommers in Hinsicht auf ihr religiöses Bekenntnis und ihre kulturellen Hintergründe – doch teilen sie die gemeinsame Hoffnung, ihre Kinder lebend zu finden.



    Filmstab

    Regie Rachid Bouchareb
    Drehbuch Rachid Bouchareb
    Kamera Jérôme Alméras
    Schnitt Yannick Kergoat
    Musik Armand Amar
    Produktion Rachid Bouchareb, Jean Bréhat

    Darsteller

    Ousmane Sotigui Kouyaté
    Elisabeth Brenda Blethyn
    Butcher Roschdy Zem
    Imam Sami Bouajila
    Elisabeths Bruder Marc Bayliss
    Pastor Gareth Randall

    Kritiken

    bz-berlin.de: Ein Film, der an die Nieren geht. Bouchareb führt uns unsere Vorurteile vor. Genial sind die Hauptdarsteller Brenda Blethyn und Sotigui Kouyate. Und der Schluss treibt auch dem härtesten Kinogänger Tränen in die Augen.

    kino-zeit.de: Zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, getrennt durch Rasse, Herkunft, sozialen Stand und Religion, die die Grenzen zwischen sich durch eine schlimme Erfahrung überwinden lernen – das hätte auf den ersten Blick ein ganz entsetzlich schulmeisterlicher, pädagogisch wertvoller, aber auch ziemlich blutleerer Film werden können. Rachid Boucharebs London River ist aber all dies nicht, sondern ein zu Herzen gehender Film voller kleiner Gesten und einiger kleiner Lacher, der seine Botschaft nicht laut in die Welt hinausposaunt und stattdessen einem wundervoll ungleichen Paar viel Raum lässt, sich auch und gerade im gemeinsamen Schmerz aufeinander zu zu bewegen.