Lichter

    Aus Film-Lexikon.de

    Zwei Länder, zwei Orte, ein Fluss. Die Oder trennt nicht nur das deutsche Frankfurt vom polnischen Slubice, sondern ganze Welten. Menschen, egal ob arm oder reich, suchen hier ihr Glück - und stoßen dabei oft an ihre Grenzen. Zum Beispiel der junge Zigarettenschmuggler Andreas, der durch eine unerwiderte Liebe zum Verräter wird. Oder Ingo, der Pächter eines Matratzen-Discounts, der versucht seinen Laden mit allen Mitteln vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Antoni, ein polnischer Taxifahrer, der dringend Geld für das Kommunionskleid seiner Tochter braucht. Da sind Kolja, Anna und Dimitri, drei Ukrainer, die um jeden Preis in den Goldenen Westen wollen. Sonja, eine deutsche Dolmetscherin für russische Flüchtlinge, die es einfach wagt, das Richtige zu tun. Und Philip, ein junger Architekt aus dem Westen, der zu spät begreift, dass man für sein Glück auch Verantwortung übernehmen muss. Lichter ist ein Film über Menschen, die - durch ihr Schicksal für zwei Tage untrennbar miteinander verbunden - stehlen und betrügen, lieben und helfen, hoffen und verzweifeln. Mit all ihren Fehlern und Schwächen, aber auch mit guten Vorsätzen und ihrer ganzen Kraft versuchen sie, sich in dieser verwirrenden Welt zu orientieren und ihren Platz zu finden: manche im Licht und andere in der Dunkelheit ...



    Filmstab

    Regie Hans-Christian Schmid
    Drehbuch Hans-Christian Schmid, Michael Gutmann
    Kamera Bogumil Godfrejow
    Schnitt Hansjörg Weißbrich BFS, Bernd Schlegel
    Musik The Notwist
    Produktion Jakob Claussen, Thomas Wöbke

    Darsteller

    Kolja Ivan Shvedoff
    Dimitri Sergej Frolov
    Anna Anna Janowskaja
    Andreas Sebastian Urzendowsky
    Katharina Alice Dwyer
    Marco Martin Kiefer
    Maik Tom Jahn
    Ingo Devid Striesow
    Simone Claudia Geisler
    Antoni Zbigniew Zamachowski
    Milena Aleksandra Justa

    Kritiken

    Merten Wortmann, Berliner Zeitung: Denn es geht nicht nur um die Lichter von Berlin, und auch nicht nur um die Grenze zwischen dem Westen und dem Rest der Welt. Es geht um den verbissenen Kampf für ein etwas besseres Leben. Dessen Vorschein trägt man immer in sich, als Hoffnung. Meist bleibt es beim Vorschein, dem fernen GeLichter, weil erst eine, dann eine andere, und dann noch eine weitere Hürde im Weg stehen. Schmids kleine Leute sind ständig in Bewegung und kommen dabei kaum vom Fleck. Sie schaffen es nicht über die Oder, sie kriegen keinen Job, keinen rettenden Kredit, nicht das Kommunionskleid für die Tochter; sie fliehen vor ihrem amtlich bestellten Resozialisierer, sie kuschen vor dem schmuggelnden Bruder; sie ergeben sich den schmierigen Avancen des Investors, dem Bankrott, der Polizei. Mitunter schlagen sie glücklich eine Schneise durchs Gestrüpp ihrer trüben Aussichten. Dann wird das Leuchten kurz stärker, es bleibt Zeit für eine zärtliche Geste, für einen Moment voller Ruhe. Aber gleich wuchert ihnen wieder was in den Weg hinein, sie bleiben zurück, straucheln, greifen nach einem letzten Halt, und sei das die Brieftasche ihres Nächsten.

    Hanns-Georg Rodek, Berliner Morgenpost: Lichter ist ein Doppelporträt, das zweier Wanderungen: des kapitalistischen Wirtschaftssystems (unterwegs Richtung Osten) und eines Menschenstromes (gen Westen). In Frankfurt/Oder treffen die beiden Wogen einander, und wie immer, wenn zwei marschierende Armeen aufeinanderprallen, gibt es heftige Verluste. (...) Zwischen Frankfurt/Oder und Slubice entwirft Schmid ein komplexes Bild des Stehlens und Helfens, des Hoffens und Verzweifelns. (...) Dennoch ist Schmids Lichter kein Abstieg in die dunklen Untiefen der menschlichen Seele; es schildert einzig das um sich schlagen von Wesen, die selbst geschlagen worden sind. Manche Situationen überfordern Menschen, und hier, am Yukon zentraleuropäischer Goldgräberei, ist fast jeder überfordert. Hans-Christian Schmids (....) Kaleidoskop spielt in der gleichen Stadt wie Andreas Dresens letztjähriger Silberner Bär-Gewinner "Halbe Treppe". Letzterer zeichnete ein genaues Porträt einer regionalen Mentalität, Lichter jedoch schildert eine beginnende Epoche im Leben eines Kontinents.

    Michael Althen, Frankfurter Allgemeine: Hans-Christian Schmid (...) wirft einen eher topografischen Blick auf den Grenzverkehr. Ihn interessiert die deutsch-polnische Grenze zwischen Frankfurt/Oder und Slubice als Transitraum von Sehnsüchten und anderen Emotionen. Es gibt den kleinen Zigarettenschmuggler, dessen Freundin die aus dem Zugfenster geworfenen Stangen aufliest; die Ukrainer, die von Schleppern auf der falschen Seite der Grenze ausgesetzt werden; die Dolmetscherin der Grenzbehörden, der einer der Fälle mehr zu Herzen geht, als ihr Freund wahrhaben will; den polnischen Taxifahrer, der verzweifelt auf ein Geschäft aus ist; einen jungen Architekten, der mit der harten Realität des Geschäfts noch nicht vertraut ist, und seine ehemalige polnische Freundin, die sich auf ihre Weise arrangiert hat. Alle haben sie Träume, und alle werden sie betrogen. Schmids Grenzverkehr ist ein Umschlagplatz für Träume, und er ist klug genug, das so illusionslos wie möglich zu inszenieren.