Jerichow

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    Nach dem Tod der Mutter ist der ehemalige Zeitsoldat Thomas nach Jerichow zurückgekehrt, ein Dorf weit oben im dünn besiedelten Nordosten Deutschlands. Er hat das Haus geerbt und will es wieder herrichten, eine Arbeit suchen, die gescheiterten Pläne hinter sich lassen und neu anfangen. Durch Zufall lernt Thomas den erfolgrteichen türkischen Unternehmer Ali kennen. 45 Imbissbuden gehören ihm hier in der Gegend, er verpachtet und beliefert sie, misstrauisch gegenüber seinen Pächtern und doch zu gutmütig, um den herrischen Patriarchen zu geben. Ali mag Thomas, er vertraut ihm und bietet ihm einen Job als Fahrer an.

    Laura ist Alis Frau, attraktiv, distanziert, beherrscht. Thomas trifft sie, wenn er morgens und abends den Lieferwagen vor der tief im Wald versteckten Ziegelsteinvilla Alis vorfährt. Kühl, fast geringschätzig behandelt sie Thomas, den Fahrer, an dessen ständige Begleitung sich ihr Mann so schnell gewöhnt hat. Ihr Mann, den sie zum Abschied flüchtig küsst.

    Ein gemeinsamer Ausflug an die Ostsee durchbricht die tägliche Routine. Thomas sitzt neben Laura am Strand. Ali tanzt, betrunken und selbstvergessen, zu den vetrauten Klängen eines türkischen Liedes. Ohne es zu wollen, zieht er Laura und Thomas in eine Sehnsucht hinein. Immer tiefer verstricken sich die drei in ihre Leidenschaften, Wünsche, Abhängigkeiten und Geheimnisse, bis das, was sie voneinander wollen, nur noch um den Preis des Verrats möglich scheint.



    Filmstab

    Regie Christian Petzold
    Drehbuch Christian Petzold
    Kamera Hans Fromm
    Schnitt Bettina Böhler
    Musik Stefan Will
    Produktion Schramm Film Koerner & Weber

    Darsteller

    Thomas Benno Fürmann
    Ali Özkan Hilmi Sözer
    Leon André Hennicke
    Laura Nina Hoss

    Kritiken

    kino.de: Christian Petzold, Kopf der Berliner Schule, setzt seine Muse Nina Hoss im bekannten, ebenso spröden wie präzisen Minimalstil in Szene. Er schafft genaue Psychogramme seiner Figuren, die in einer verhängnisvollen Affäre verstrickt sind.

    nordbayern.de: In der vom Regisseur favorisierten Kammerspiel-Form zeigt der wortkarge Beziehungs-Thriller, wie ein Leben ohne Perspektiven in die Katastrophe führt. Präzise und filmisch sehr ökonomisch taucht man – zunächst fast widerwillig – ein in ein Drama, das einem keine Fluchtmöglichkeit aus der frustrierenden Realität zwischen Abbruchhaus, Getränkemarkt und Dönerbude zugesteht. In diesem Sinn sind wir wie Petzolds Protagonisten für eineinhalb faszinierende Stunden in der Tristesse einer hoffnungslosen Situation gefangen. Ein spannender Film mit Bodenhaftung, brillant inszeniert und glänzend gespielt. Besser war Petzold lange nicht. Das Kinojahr fängt gut an!

    faz.net: „Jerichow“ ist ein präzises Kammerspiel mit drei Figuren und einer Landschaft, wie man sie in Deutschland nur findet, wenn man ganz an den Rand fährt, dorthin, wo kaum noch jemand ist und wo die Ostsee so aussieht, als hätte kein Tourist je an ihrem Strand gesessen. ... Nina Hoss weiß, dass sie das Scharnier ist in der Männerbeziehung, Objekt wie die Frauen im klassischen Kino, das die Männer zusammenführt. Und so spielt sie das auch, nicht als die, die treibt, sondern die alles geschehen lässt, als hätte sie keine Wahl. Das ist ihr großer Irrtum.


    Wertungen

    4 Sterne
    3 Bewertungen
    Original -
    Jahr/Land 2008 / Deutschland
    Genre Drama
    Film-Verleih Piffl Medien GmbH
    FSK ab 12 Jahre
    Laufzeit 93 Minuten
    Kinostart 08. Januar 2009