Igby

    Aus Film-Lexikon.de

    Jason "Igby" Slocumb, stinksauer auf die Welt, sarkastisch, siebzehn Jahre alt und steinreich. Igby befindet sich im Krieg mit dem ebenso schrägen wie wohlhabenden Clan, in den er hineingeboren wurde und hinter dessen glänzender Fassade der Mörtel kräftig bröckelt. Igbys Vater Jason "erholt sich" für immer in einer Anstalt vom Leben im Allgemeinen und im Besonderen von seiner Schizophrenie; Mama Mimi, ebenso unnahbar wie selbstverliebt, hangelt sich seit Jahren mit Hilfe von Tabletten durch den Tag. Und Igbys älterer Bruder Oliver ist ein Republikaner auf der Überholspur zur Superkarriere an der Columbia University. Alles in allem kann jenseits dieses wahnwitzigen Mikrokosmos’ nur ein besseres Leben auf ihn warten – und Igby ist fest entschlossen, es zu entdecken. Nachdem er von einer weiteren Schule geflogen ist, macht sich Igby mit der "ausgeliehenen" Kreditkarte seiner Mutter auf den Weg. Sein surrealer Trip führt ihn schließlich nach New York, in das heimliche Liebesnest seines Patenonkels D. H. Auf Distanz zu seiner Familie stößt Igby auf eine ganze Reihe skurriler Gestalten, von D. H.s rattenscharfer Geliebter Rachel über deren flamboyanten Kumpel Russel, bis zur tödlich gelangweilten Sookie Sapperstein. Ebenso komisch wie tragisch kämpft Igby einen ehrenhaften Kampf gegen den eigenen Untergang und erlebt mit der unkonventionellen Sookie die erste Liebe. Gerade als die neue Freiheit anfängt Spaß zu machen, bittet Oliver ihn zurückzukehren, weil Mimi im Sterben liegt. Igby erkennt, dass er seinen schmerzhaften Kindheitserinnerungen nicht entfliehen kann und in der Konfrontation mit seiner Familie auch die Chance zur Heilung seiner seelischen Wunden liegt.



    Filmstab

    Regie Burr Steers
    Drehbuch Burr Steers
    Kamera Wedigo von Schultzendorff
    Schnitt William M. Anderson
    Musik Uwe Fahrenkrog-Petersen
    Produktion Lisa Tornell, Marco Weber für Atlantic Streamline / Crossroads

    Darsteller

    Jason "Igby" Slocumb Kieran Culkin
    Mimi Slocumb Susan Sarandon
    D. H. Banes Jeff Goldblum
    Sookie Sapperstein Claire Danes
    Oliver Slocumb Ryan Phillippe
    Rachel Amanda Peet
    Russel Jared Harris
    Jason Bill Pullman

    Kritiken

    Dirk Jasper: Wie wird man erwachsen, aber nicht verrückt? Diese Frage hat wohl seit Harold und Maude keinen Teenager mehr auf so tragikomische Weise umgetrieben wie Igby. Im Stil der Seventies stolpert der verstörte Antiheld Igby durch das Regiedebüt von Burr Steers, der Igbys ebenso skurrile wie desillusionierende Odyssee durch das wahre Leben nach eigenem Drehbuch inszenierte. Hauptdarsteller Kieran Culkin (Gottes Werk und Teufels Beitrag) und Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon wurden für ihre Leistungen mit Nominierungen bei den Golden Globes im Januar 2003 geehrt. In Nebenrollen glänzen Claire Danes, Jeff Goldblum und Teenieschwarm Ryan Phillippe (Eiskalte Engel).

    Kerstin Nacken (Rhein-Zeitung 2. Mai 2003): Traurige Geschichten erzählt man am besten mit Humor. Regisseur und Autor Burr Steers liefert mit seinem Leinwanddebüt eine beißende Sozialsatire, eine Milieustudie in der Tradition von J. D. Salingers Entwicklungsroman "Der Fänger im Roggen". In Igby karikiert er das Oberklassen-Amerika mit all seinen Insignien. (...) Niemand verkörpert diese Misere überzeugender als Susan Sarandon. Sie brilliert als überspannte, scharfzüngige Matriarchin Mimi. Sarandon schafft es, hinter der Fassade von Zynismus und Grausamkeit auch die Enttäuschung einer todkranken und einsamen Frau sichtbar zu machen. Neben ihr ist es vor allem Hauptdarsteller Kieran Culkin, der begeistert.

    film-dienst 09/2003: Teenagerdrama, das eine Kunstwelt konstruiert, die sich eher an fiktiven Vorbildern als der aktuellen Lebenswelt orientiert und sich letztlich in Belanglosigkeit verliert.