Gespenster

    Aus Film-Lexikon.de

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    Zwei junge Frauen begegnen sich eines Morgens im Berliner Tiergarten. Nina, ein Heimkind, scheu und trotzig in sich gekehrt; und Toni, eine Diebin, die sich die Welt nimmt und keine Chance auslässt. Nina fühlt sich von Tonis impulsivem Wesen angezogen. Sie folgt Toni auf deren atemlosen Streifzügen durch die Stadt.

    Auch die elegante Françoise wandert durch Berlin. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, ihre Tochter Marie wiederzufinden, die hier vor vielen Jahren entführt wurde. Pierre, ihr Mann, versucht mit sanfter Geduld sie zur Rückkehr nach Paris zu bewegen. Die Wege der drei Frauen kreuzen sich.

    Für einen kurzen, wirklichen Moment glaubt Françoise, in Nina ihre Tochter zu erkennen. Dann sind die Mädchen wieder im Großstadtgeschehen verschwunden. Doch Françoise und Nina werden sich noch einmal begegnen.



    Filmstab

    Regie Christian Petzold
    Drehbuch Christian Petzold, Harun Farocki
    Kamera Hans Fromm
    Musik Stefan Will, Marco Dreckkötter
    Produktion Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber

    Darsteller

    Pierre Aurélien Recoing
    Françoise Marianne Basler
    Nina Julia Hummer
    Toni Sabine Timoteo
    Oliver Benno Fürmann
    Kai Anna Schudt
    Heimleiterin Claudia Geissler
    Mathias Philipp Hauß
    Mathias’ Mutter Victoria von Trauttmansdorff

    Kritiken

    Süddeutsche Zeitung: Es gibt diesen speziellen Zustand im Kino: Eine schleichende Auflösung der Wirklichkeit, eine plötzliche Lücke zwischen zwei Bildern, die sich mit keiner Technik lokalisieren lässt und trotzdem den Einbruch des Magischen erlaubt. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die ganze Arbeit des Regisseurs Christian Petzold auf diese Momente hinausläuft. (...) Gespenster entwickelt einen somnambulen Sog, dem man sich überhaupt nicht mehr entziehen kann. Man traut dann seinen Augen kaum, wie sehr sich plötzlich die Orte in Berlin Mitte, Berlinale-Orte sogar, unter den Augen dieses Regisseurs und seines genialen Kameramanns Hans Fromm verwandeln.

    Die Zeit: Unaufhaltsam wird der Betrachter in eine Geschichte von Sehnsucht und Verlust gezogen. Die lichte Klarheit des Berliner Sommers, das Rauschen der Blätter und des Windes, das Brummen des Verkehrs, all dies wird zu einer Erfahrung zweiter Ordnung, als sei es ein Traum, eine Erinnerung oder ein Märchen, dessen Figuren vielleicht nur durch die Sehnsucht der anderen existieren und in der Welt gehalten werden. Wirklich ist in diesem mit fast hypnotischer Ruhe fotografierten Film vielleicht nur die bodenlose, alles durchdringende Sehnsucht einer Frau nach ihrem Kind.

    FAZ: So wie in Antonionis Blow Up die Vision wichtiger ist als die Wirklichkeit, treiben auch hier die inneren Vorstellungen der Personen die Handlung voran, die Träume vom Glück des Wiederfindens, die im windigen Sommerlicht Berlins aufblitzen und wieder zergehen. Jede ist das Gespenst der anderen. Gespenster gibt ihnen einen Ort in der Realität.


    Wertungen

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    Original -
    Jahr/Land 2005 / Deutschland
    Genre Drama
    Film-Verleih Piffl Medien GmbH
    FSK ab 12 Jahre
    Laufzeit 85 Minuten
    Kinostart 15. September 2005