Fliegen und Engel - Ilya & Emilia Kabakov und die Kunst der totalen Installation

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    Ilya Kabakov zählt weltweit zu den bedeutendsten bildenden Künstlern der Gegenwart. Es gibt kaum ein wichtiges Museum der Gegenwartskunst, das nicht wenigstens eine Arbeit von Ilya Kabakov präsentiert. Seit Jahrzehnten schafft er – gemeinsam mit seiner Frau Emilia – in seinen Installationen eine phantastische Welt, die einen Kontrapunkt zur brutalen Realität und ihren vielen gescheiterten Utopien darstellt. Vor allem Fliegen und Engel bevölkern das Werk von Kabakov. Dazu treten oft Nachbarn, die von einem unerhörten Knall aus dem Schlaf gerissen werden, ein Mann, der sich in eine Leinwand-Welt hineinbegeben kann, die Mutter, die von unvorstellbaren Lebensumständen erzählt. Fliegen stehen für die miserable, schmuddelige Alltagsrealität. Für die Vision eines besseren, humanen Lebens treffen wir auf Engel. All diese Geschichten sind zumeist in eine sanfte Ironie getaucht und erzählen von der lebensrettenden Kraft der Imagination. Kabakov ist einer der letzten großen Utopisten, der mit desillusioniertem Blick auf das 20. Jahrhundert und dessen Trümmer schaut und dennoch auch in Zeiten der pessimistischen Stagnation mit menschlicher Wärme und einer ausgeprägten Einbildungskraft in der Lage ist, sich und damit uns andere Welten vorzustellen. Der Film erzählt diese Geschichten, zu denen auch die Geschichte von Kabakov selbst gehört, und macht sich mit ihm und seinen Protagonisten auf den Weg in eine lichte Zukunft.



    Filmstab

    Regie Kerstin Stutterheim, Niels Bolbrinker
    Drehbuch Kerstin Stutterheim
    Kamera Niels Bolbrinker
    Schnitt Niels Bolbrinker
    Musik Ilya Kabakov, Vladimir Tarasov
    Produktion Thomas Tielsch

    Kritiken

    Christina Bylow (Berliner Zeitung) 2010-05: Der Film "Fliegen und Engel" strahlt eine kühle Präzision aus, die darauf schließen lässt, dass hier während der Dreharbeiten nur wenig Ungeplantes passiert ist - und entspricht so dem Werk.

    Alexandra Wach (film-dienst.de): Das Ergebnis ist ... ein Stück aus einem Guss, fast beiläufig eingefangen und mit einem respektvollen Blick für das vom jüdischen Witz geprägte Wesen eines unzertrennlichen Künstlerpaars, dem das Private nie politisch und poetisch genug sein kann.

    Sascha Westphal (filmstarts.de) : Die vielschichtige, innerlich zersplitterte Künstlerpersönlichkeit wird von ihrem (der Regisseure) Film letztlich dann doch auf den widerständigen Individualisten, den Künstler ganz im Sinne des westlichen Denkens und seines Marktes, reduziert. Für ihn macht „Fliegen und Engel" Werbung.


    Wertungen

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    Jahr/Land 2010 / Deutschland
    Genre Dokumentarfilm
    Film-Verleih Real Fiction
    Laufzeit 93 Minuten
    Kinostart 13. Mai 2010