Eden

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    In einer kleinen Kurstadt im Schwarzwald, die vom Lauf der Zeit links liegen gelassen wurde, betreibt der dicke, schüchterne und exzentrische Meisterkoch Gregor (JOSEF OSTENDORF) ein kleines erlesenes Restaurant. Dort zelebriert er seine „cucina erotica“ für ein ausgesuchtes Gourmetpublikum. Die wenigen Plätze dieser Wallfahrtstätte der Feinschmeckerei sind bereits ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht.

    Gregor weiß, warum er Koch wurde: „Mit der Entdeckung des Kochens begann die Entwicklung vom Steinzeitmenschen zum Homo Sapiens. Kochen ist die Mutter der Philosophie, der Chemie, der Physik. Kochen ist Dichtung, Transformation, Schöpfung. Kochen ist die älteste Kunstgattung, älter als die Höhlenmalerei. Ich habe nie gevöllt. Genuss entsteht nur aus Mangel, aber ich wollte schon immer einen Bauch haben. Meine Mutter hatte einen wunderschönen Bauch, als sie meine Schwester austrug, und ich schwor mir, wenn ich einmal groß bin, möchte ich einen solchen großen warmen, weichen und festen Bauch haben.“ Eden ist verheiratet, ihre kleine Tochter heißt Leonie (LEONIE STEPP). Sie kam mit dem Down-Syndrom zur Welt. Zu Leonies fünftem Geburtstag backt Gregor einen Kuchen, der mit selbst gemachten Pralinen dekoriert ist. Der Geschmack dieser Pralinen versetzt Leonie, die sich noch nie etwas aus Schokolade gemacht hat, in einen Taumel der Begeisterung, doch die profan gestimmten Verwandten sehen darin nur einen Anfall des behinderten Kindes. Erst als Eden selbst eine dieser Pralinen kostet, ahnt sie, dass Leonie mithilfe dieser Pralinen im Paradies war: „Sie wollte da einfach nicht mehr weg.“ „Kochen ist die älteste Kunstgattung, älter als die Höhlenmalerei.“

    Als Eden ihrem Mann Xaver (DEVID STRIESOW) nachts noch mehr von diesem Erlebnis berichtet, schläft der darüber ein und verpasst ihre geflüsterte Liebeserklärung: „Du kannst Dir nicht vorstellen, was diese Praline mit mir gemacht hat. Sie hat mich einfach überwältigt. Dieser dicke Koch ist ein Genie. Ich hab schon davon geträumt, mir eine Praline im Mund zergehen zu lassen und gleichzeitig mit Dir zu schlafen. Das wäre wie ein doppelter Orgasmus.“ Noch in der gleichen Nacht fährt Eden mit dem Fahrrad durch den Regen zu Gregor, dringt gegen dessen Willen in seine Küche ein und bittet ihn um mehr Pralinen. Doch Gregor hat keine Pralinen mehr und möchte, dass Eden wieder geht. Als er kurz die Küche verlässt, isst Eden wie im Rausch Gregors Kochtöpfe leer und rennt dann über sich selbst erschrocken fluchtartig davon.

    So lernt Eden Gregors Essen kennen – und schon bald lieben. Ohne dass ihr Mann es weißt, besucht sie Gregor regelmäßig nachts seiner Küche, wo sie in die sinnliche Welt des Schmeckens eintaucht. Die platonischen Genießertreffen reißen beide aus ihrem gleichförmigen Alltag und Gregors Kochkünste lassen Edens eintönig gewordene Ehe wieder aufblühen, während der asexuelle Chef de Cuisine seine wachsende Verliebtheit durch immer meisterlichere Gerichte sublimiert.

    Alle, auch Edens Mann, profitieren von der nie eingestandenen Liebe der beiden. Als Xaver durch Freunde von Eden nächtlichen Ausflügen erfährt, erschwindelt er sich einen Platz im immer ausgebuchten Restaurant und wird wie Eden von Gregors Küche verzaubert. Plötzlich wird Xaver klar, dass er handeln muss, wenn er seine Frau nicht verlieren will ...



    Filmstab

    Regie Michael Hofmann
    Drehbuch Michael Hofmann
    Kamera Jutta Pohlmann
    Schnitt Bernhard Wiesner, Isabel Meyer
    Musik Christoph Kaiser, Julian Maas
    Produktion Michael Jungfleisch, Robby Geisler für Gambit Film / SWR / BR / cine plus / C-Films / SF / Teleclub Schweiz

    Darsteller

    Gregor Josef Ostendorf
    Eden Charlotte Roche
    Xaver Devid Striesow
    Leonie Leonie Stepp
    Ludwig Max Rüdlinger
    Xavers Vater Manfred Zapatka

    Kritiken

    film-dienst 24/2006: Das in leisen Tönen inszenierte spannende Drama verdichtet sich zum Psychogramm einer Gesellschaft, in der Genuss in Gier umschlägt und sich Liebe in Gewalt verwandelt. Die Kochkunst dient dabei als Metapher für die Vertreibung aus dem Paradies oder als eine Möglichkeit, dorthin Zugang zu erlangen.

    Oliver Zimmermann (Rhein-Zeitung 23. November 2006): Wenn Liebe wirklich durch den Magen geht, sind Köche in Liebesdingen unschlagbar im Vorteil. Manchmal läuft aber auch alles ganz anders ... So oder so: Der Film Eden bietet beste Unterhaltung - nicht nur für Feinschmecker.

    Dirk Jasper FilmLexikon: Michael Hofmann wirft in Eden einen unkonventionellen Blick auf menschliche Beziehungen und weiht seine Zuschauer in die Geheimnisse des Zusammenspiels von kulinarischem Genuss und Liebe ein. Gewürzt mit bittersüßem Humor zeigt er, wie eine Romanze, die wunderschön sein könnte, zu einem scheinbar unerreichbaren Traum wird. An der Seite eines großartigen Josef Ostendorf überrascht die frühere VIVA-Moderatorin Charlotte Roche in ihrem Schauspieldebüt.


    Wertungen

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    Original -
    Jahr/Land 2006 / Deutschland
    Genre Liebeskomödie
    Film-Verleih Pandora Filmverleih
    FSK ab 12 Jahre
    Laufzeit 104 Minuten
    Kinostart 23. November 2006