Durchfahrtsland

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    Nur 20 Straßenbahnminuten sind es vom Kölner Dom bis ins Vorgebirge – eine dieser Gegenden, durch die man durchfährt, um anderswo einen Ausflug zu machen. Eingezwängt zwischen Köln und Bonn, nicht Stadt, nicht Land, zersiedelt, gesichtslos, austauschbar.

    Schillernd wird die Gegend nur nachts, wenn die Ölraffinerien am Rhein gespenstisch leuchten. Für die Menschen allerdings, die dort wohnen, ist das Vorgebirge die Mitte der Welt. In dieser Mitte gilt es, sich einen Platz zu erobern. Was nicht immer ganz leicht ist, ganz besonders nicht für die vier Protagonisten des Films!

    Hans Wilhelm Dümmer, der Pfarrer zweier Nachbardörfer, die seit Jahrhunderten verfeindet sind, und dessen schwere Mission deren Versöhnung ist. Sophia Rey, die Vorgebirgskrimiautorin im Eigenverlag, deren neue Bücher ausgerechnet in ihrem eigenen Heimatdorf zunehmend unbeachtet bleiben.

    Mark Basinsky, das jüngste Mitglied eines Junggesellenvereins, träumt davon, eines Tages Modedesign in Mailand zu studieren. Und Giuseppe Scolaro, der leidenschaftliche Erste Vorsitzende eines Spielmannszuges, der zu seinem eigenen Bedauern Italiener ist ...



    Filmstab

    Regie Alexandra Sell
    Kamera Justina Feicht, Henning Drechsler
    Schnitt Gesa Marten, Daniela Drescher
    Musik Kreidler
    Produktion Jörg Siepmann, Harry Flöter für 2Pilots / ZDF

    Darsteller

    Dokumentarische Darstellung

    Kritiken

    Ralf Schenk, Berliner Zeitung, 18.02.2005: Die Regisseurin nähert sich dem Durchfahrtsland in konzentrischen Kreisen. Hinter den Storys schlummert viel Verborgenes, Verdrängtes; der Film lässt das spüren, gibt aber die Geheimnisse nicht preis. Überhaupt bleibt die Kamera lieber auf Abstand, als nahe an die Gesichter zu rücken, und bindet die Figuren so auch optisch in ihr Lebensumfeld ein. Der Kommentar erlaubt sich dagegen feine Ironie; die klug verschachtelten, pointierten Sätze klingen bisweilen, als stammten sie von Heinrich Böll.

    film-dienst 19/2005: In langen Einstellungen komponierter Dokumentarfilm im Stil einer ethnografischen Studie, deren allwissender Erzählstimme das Staunen über das Gesehene anzuhören ist. Die Personen werden nie bösartig entlarvt, vielmehr stellen sich ihre unspektakulären Schicksale wie Motive aus einer seltsamen Märchenwelt dar.

    Dirk Jasper FilmLexikon: Durchfahrtsland begleitet die Protagonisten ein Jahr lang und zeichnet dabei ein sehr persönliches Porträt einer Gegend, die nur auf den ersten Blick unscheinbar wirkt. Ein typisches Stück deutscher Provinz, deren Bewohner sich mit trotzigem Stolz ihre Riten, Mythen und Geschichten bewahrt haben. Auch wenn die Schmutzgürtel der Großstädte immer näher rücken.


    Wertungen

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    Original -
    Jahr/Land 2005 / Deutschland
    Genre Dokumentarfilm
    Film-Verleih Real Fiction
    Laufzeit 94 Minuten
    Kinostart 15. September 2005