Die Oscarverleihung 2013: Hollywood feiert sich selbst mit Argo

    Aus Film-Lexikon.de

    Oscar-Statue3.jpg

    Große Überraschungen und der eine, alles in den Schatten stellende Abräumerfilm blieben bei der heute über die Bühne gegangenen 85. Verleihung der Academy Awards aus. Argo und Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger teilen sich die Ehre, Gewinner des Tages zu sein. Argo, der ja ohne eine Nominierung für Ben Affleck als bester Regisseur ins Rennen gegangen war, holte trotzdem den Preis für den „besten Film“, zudem wurden das Drehbuch und der Schnitt ausgezeichnet. Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger konnte sogar viermal reüssieren, für Regie, Kamera, Musik und Spezialeffekte.

    Insgesamt spiegelt die Oscar-Verleihung das Filmjahr 2012 gut wider: Ein durchaus starker Jahrgang, dem aber das alles überragende Werk fehlt. Argo war in diesem ausgeglichenen Feld der vielleicht nicht gewagteste, aber der rundeste, solideste Film. Der Film über die Befreiung von sechs amerikanischen Botschaftsangehörigen im Iran der islamischen Revolution mittels einer fingierten Filmproduktion ist nicht nur ein perfekt getimter und inszenierter Thriller, sondern erlaubt Hollywood auch, sich selber zu feiern. Bei aller (eher milden) Satire des Hollywood-Betriebs feiert der Film, wie in der Rettungsaktion die „Kreativität und Intelligenz“ (so der Drehbuchautor Chris Terrio in seiner Dankesrede) der CIA-Agenten und der beteiligten Hollywood-Produzenten den Guten zum Sieg verhilft.

    Geschichts- und rekordträchtig war die Verleihung aber auf jeden Fall. Daniel Day-Lewis holte für sein Lincoln-Portrait zum dritten Mal den Oscar für die beste männliche Hauptrolle, was zuvor noch niemand gelungen war. Jack Nicholson und Walter Brennan haben ebenfalls jeweils drei gewonnen, aber unter ihren Auszeichnungen waren aber auch Nebendarsteller-Oscars. George Clooney stand schon vor der Verleihung als Rekordhalter fest, mit der „bester Film“- Nominierung als Produzent für Argo ist er nun Nominierter in sechs verschiedenen Kategorien (Produzent, Regie, Hauptdarsteller, Nebendarsteller, Originaldrehbuch, adaptiertes Drehbuch).

    Die Academy beantwortete die Frage nach dem besten Regisseur, die wir in unserem letzten Ticker-Eintrag gestellt hatten, mit einer exzellenten Wahl. Ang Lee holte den Preis für Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger und die Entscheidung geht in Ordnung, auch wenn man gerne gesehen hätte, wie neben Day-Lewis auch Steven Spielberg für Lincoln seinen dritten Oscar holt. Unter den Nominierten war Life of Pi , die Verfilmung des als unverfilmbar geltenden Bestsellers „Schiffbruch mit Tiger“, die größte Herausforderung für einen Regisseur: Ein Film, der nahezu komplett auf einem kleinen Rettungsboot im offenen Meer spielt. Lincoln lebt hingegen, wie auch David O.Russells Silver Linings, vor allem von den Schauspielern, beide Filme stellen ja auch die beiden Oscar gekürten Hauptdarsteller, neben Day-Lewis Jennifer Lawrence. Bei dem ohne große Namen auskommenden Life of Pi hingegen ist der Regisseur der Star.