Der Stellvertreter

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    Die Nazi-Maschinerie. Der diplomatische Apparat von Vatikan und Alliierten. Zwei Männer bekämpfen die Systeme. Von innen, unter Einsatz des eigenen Lebens. In Deutschland Kurt Gerstein: Obwohl er Offizier der Waffen-SS ist, versucht er, die Alliierten, den Papst und die deutschen Kirchen auf die Verbrechen der Nationalsozialisten aufmerksam zu machen, versucht verzweifelt, sie zum Handeln, zumindest zu einer Stellungnahme zu bewegen. In Italien ist es der junge Jesuit Riccardo, der die katholische Kirche zur Auflehnung motivieren will. Riccardo ist eine fiktive Figur, die all die Priester mit genug Mut und reinem Gewissen repräsentiert, die gegen die Schlächter ankämpften und dafür nicht selten mit dem Leben bezahlten. Diese zahllosen Priester, manche öffentlich, andere anonym, konnten sich nicht mit dem Schweigen ihrer Hierarchien abfinden. Wann ist der Moment im Leben eines Menschen erreicht, in dem Gemeinwohl und Ethik vor den Selbstschutz gestellt werden? Kurt Gerstein wusste es und wollte es der Welt mitteilen.



    Filmstab

    Regie Constantin Costa-Gavras
    Drehbuch Costa-Gavras, Jean-Claude Grumberg
    Vorlage basierend auf dem gleichnamigen Stück von Rolf Hochhuth
    Kamera Patrick Blossier
    Schnitt Yannick Kergoat
    Musik Armand Amar
    Produktion Claude Berri

    Darsteller

    Kurt Gerstein Ulrich Tukur
    Riccardo Fontana Mathieu Kassovitz
    Der Doktor Ulrich Mühe
    Der Kardinal Michel Duchaussoy
    Graf Fontana Ion Caramitru
    Der Papst Marcel Iures
    Gersteins Vater Friedrich von Thun
    Frau Gerstein Antje Schmidt
    Grawitz Hanns Zischler
    Höss Sebastian Koch

    Kritiken

    Der Spiegel 2002-22: Beruht auf Rolf Hochhuths 1963 uraufgeführtem Theaterstück und rennt mit antiklerikalem Furor und über dreißig Jahren Verspätung offene Kirchentüren ein. Polit-Filmer Costa-Gavras inszeniert den Kampf einiger Aufrechter gegen die weit gehende Ignoranz des Vatikans angesichts der Judenverfolgung im Dritten Reich mit der etwas penetranten Selbstgewissheit, voll und ganz die gerechte Aufklärung fremder Schuld zu repräsentieren. Ulrich Tukur nimmt es als SS-Offizier, der nicht einfach zum Handlanger der Vernichtung werden will, in einer der wenigen ambivalenten Rollen des Films mutig mit der schematischen Vorlage auf. Doch es hilft nicht. Hochhuth kommt vor dem Fall.

    Cinema 2002-06: Das subtile, beklemmende Spiel von Ulrich Tukur, Mathieu Kassovitz und Ulrich Mühe veredelt das Drama zu einem Meisterwerk. Die vatikanischen Würdenträger waren nach der Berlinale-Premiere denn auch demonstrativ empört - vordergründig ob des Plakatmotivs, auf dem Kruzifix und Hakenkreuz eine unheilige Allianz eingehen.

    Kultur Spiegel 2002-06: Man möchte die redliche Absicht und die engagierten Mimen loben, aber Costa-Gavras' Umsetzung des Hochhuth-Dramas bietet lediglich Volksschul-Lektionen. Vorgeführt wird der Widerstand von gottesfürchtigen Gesinnungshelden aus besseren Kreisen gegen Nazi-Schergen und intrigante Pfaffen.