Der Junge und die Welt

    Aus Film-Lexikon.de

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    Die Arme und Beine des kleinen Cucas sind schmal wie Nähgarn und der Kopf rund wie ein Fussball oder wie die Weltkugel, die er mit neugierigem Blick erkundet. Sein Interesse gilt all jedem, was er in und um sein Dorf entdeckt. Blumen, Fische, Vögel, aber auch die Klänge und Melodien, die sich vor seinen Augen in schillernde Farben verwandeln, fesseln seine Aufmerksamkeit. Leicht ist er, leicht wie eine Feder und so passiert es schon mal, dass der Wind ihn ergreift und bis hoch oben in die Wolken trägt, von wo er eine besondere Aussicht auf die Erde bekommt.

    Doch Cucas Leben erfährt eine harte Landung als sein Vater die Familie verlässt, um in der Stadt Arbeit zu finden. Kurzentschlossen macht sich der kleine Junge mit gepacktem Koffer auf, seinen Vater zu suchen, in der Hoffnung die Familie wieder zusammen zu bringen. Die Reise des Jungen entfaltet sich bildgewaltig mit jeder neuen Station, immer verschiedener und komplexer werden die Animationen.

    Das Dorf noch in feinen, minimalistisch gehaltenen Skizzen gezeigt, erscheinen die von Baumwollfeldern gesäumten Landstrassen in pastellfarbenen breiten Pinselstrichen, die sich in wilden Wellen verlieren. Die Stadt entsteht vor den Augen Cucas aus verschiedenen Collage Techniken im Strudel bunter Farben. Explodierende Feuerwerkskörper erleuchten den Himmel über den zusammen gestückelten Favelas, während Neonwerbung und grelle Schaufenster die Straßen erhellen.

    Ohne Dialoge beschreibt der Film auf besondere Weise den Konflikt zwischen arm und reich, Land und Stadt, indigenen Einwohnern und Weißen, Handarbeit und industrialisierter Arbeit – doch durch das drunter und drüber der Stadt vernimmt man das Schlagen der Herzen der Menschen wie ein Song.




    Filmstab

    Regie Alê Abreu
    Drehbuch Alê Abreu
    Kamera Alê Abreu
    Schnitt Alê Abreu
    Musik Ruben Feffer, Gustavo Kurlat, Emicida, Nana Vasconcelos, Barbatuques
    Produktion Filme de Papel

    Darsteller

    Der Junge Vinicius Garcia (original Sprecher)
    Der Vater Marco Aurélio Campos (original Sprecher)
    Die Mutter Lu Horta (original Sprecher)

    Kritiken

    www.filmstarts.de Michael Meyns: Der brasilianische Regisseur Ale Abreu nutzt die visuellen und erzählerischen Möglichkeiten des Mediums zu einem ungewöhnlichen, vielschichtigen, klarsichtigen und kritischen Animationsfilm.

    www.spielfilm.de Falk Straub: "Der Junge und die Welt" kommt ganz ohne Worte aus, denn er erzählt eine universelle Geschichte mit universell verständlichen Bildern. Der außergewöhnliche Zeichenstil und die anrührende Geschichte machen den Animationsfilm zu einem der besten des Jahres 2015.

    www.kino-zeit.de Rochus Wolff: Der Junge und die Welt kontrastiert unsere Grausamkeiten mit der Schönheit der Welt und dem Glück, unter geliebten Menschen sein zu dürfen – das ist atemberaubend schön, tieftraurig und pures Glück zugleich.

    Auszeichnungen

    N/W Jahr Kategorie Name
    nom 2015 Bester animierter Spielfilm Alê Abreu


    Wertungen

    4.7 Sterne
    3 Bewertungen
    Original O Menino e o Mundo
    Jahr/Land 2013 / Brasilien
    Genre Drama / Abenteuer / Animation
    Film-Verleih Grandfilm
    Laufzeit 82 Minuten
    Kinostart 17. Dezember 2015