Der Boxer

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    Das Wiegenlied einer Mutter erklingt in einem belagerten Dorf. Bei heimlichen Treffen prosten Freunde einander zu Kinder spielen Versteck in den Ruinen verlassener Gebäude. Auf dem Territorium städtischer Gangs tratschen Nachbarn am Gartenzaun. Auf Dächern umarmen sich Verliebte im Mondschein. Sie vergessen für einen kurzen Augenblick die Realität der auf den Straßen herrschenden Gewalt. Danny und Maggie wissen, wie das ist. Sie fühlten sich schon zueinander hingezogen, während sie als Teenager in Belfast aufwuchsen, einer Stadt, in der ihr Leben von planloser Gefahr bestimmt wurde. Sie haben gesehen, wie Kugeln Schlafzimmerfenster zerschmettern und Bomben Kneipen in die Luft jagen, und sie sind einer uralten, nicht in Frage zu stellenden Loyalität gegenüber den Verbindungen des Blutes, der Tradition und der sozialen Zugehörigkeit verpflichtet. Einen solchen Code zu brechen, würde bedeuten, vorsätzlich das Einzige zu opfern, das ihrem Volk Hoffnung gibt. Und jetzt, nach 14 Jahren im Gefängnis, kehrt der ehemalige IRA-Kämpfer Danny in seinen Bezirk zurück, in dem Maggie es geschafft hat, zu überleben, indem sie Dannys besten Freund geheiratet und einen Sohn großgezogen hat. Unsicher im Umgang mit seiner Umwelt, machen die 14 Jahre Abgeschiedenheit Danny innerlich schwer zu schaffen. Kulturelle Tabus und ungeschriebene Regeln arbeiten gegen Maggie und Danny. Freunde, Familienmitglieder und IRA-Angehörige beobachten jeden ihrer Schritte, registrieren ihre verbotenen Bllicke. Im Boxring aber ist Danny zu Hause. Dort liefern ihm die Regeln eine feste Struktur, ein Gerüst, das in den chaotischen Straßen von Belfast fehlt, und eröffnen ihm so einen Weg, sich mit Würde darzustellen und dabei sein Leben neu zu ordnen. Maggie erkennt, daß sie noch immer an Danny hängt, und mitten in all dem Durcheinander beginnen die beiden, sich kurze Augenblicke zu stehlen - einen Blick, ein Wort, eine Berührung auszutauschen. In einer Welt, in der die Gewalt zum täglichen Leben gehört, ist dies das Gefährlichste, was sie machen können: sich zu verlieben.



    Filmstab

    Regie Jim Sheridan
    Drehbuch Jim Sheridan, Terry George
    Kamera Chris Menges
    Schnitt Gerry Hambling
    Musik Gavin Friday, Maurice Seezer
    Produktion Jim Sheridan, Arthur Lappin

    Darsteller

    Danny Flynn Daniel Day-Lewis
    Maggie Emily Watson
    Joe Hamill Brian Cox
    Ike Weir Ken Scott
    Harry Gerard McScorley
    Patsy Eleanor Matheven
    Liam Ciarán Fitzgerald
    Matt Maguire Kenneth Cranham
    Gefängniswärter Daragh Donnelly
    Gefängniswärter Frank Coughlan
    Gefängniswärter Sean Kearns
    Braut Lorraine Pilkington
    Bräutigam Niall Shanahan
    Priester Vater John Wall
    Betty Maria McDermottroe

    Kritiken

    film-dienst 04/1998: Ein ebenso ernsthafter wie aufrichtiger Film, der das Leid und Elend eines durch Bürgerkrieg zerrütteten Landes zeigt und sich vorbehaltlos dem Pazifismus verschrieben hat. Effektvoll inszeniert und überzeugend gespielt.

    TV Spielfilm 04/1998: Starke Schauspieler in einem Film, der Wut und Mut macht.

    Cinema 03/1998: Harte Kost, aber faszinierend.


    Wertungen

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    Original The Boxer
    Jahr/Land 1998 / USA
    Genre Drama
    FSK ab 12 Jahre
    Laufzeit 113 Minuten
    Kinostart 19. Februar 1998