Dem Himmel so fern

    Aus Film-Lexikon.de

    Es ist Herbst in Hartford, Connecticut, und wir schreiben das Jahr 1957. Cathy Whitaker hat Einkäufe getätigt. Gerade ist sie wieder nach Hause gekommen. Während Sybil, das Dienstmädchen, ihr hilft, den Wagen leer zu räumen, sollen David und Janice, die Kinder der Whitakers, schon einmal die Vorbereitungen fürs Abendessen treffen. Jetzt erwartet sie ihren Mann, Frank, der Chef der Magnatech TV Sales Company ist. Das Problem ist jedoch, dass weder Cathy noch Sybil etwas von Mr. Whitaker gehört haben ... Cathy und Frank sind "die Whitakers", eine perfekte vorstädtische Einheit mit einem schönen Haus, einem gepflegten Garten, entzückenden Kindern und schwarzen Dienstboten. Die beiden werden als Mr. und Mrs. Magnatech gefeiert. Für ein Lokalblatt gibt Cathy gerade ein Interview und steht als ideale Hausfrau und Gattin eines bewunderungswürdigen Geschäftsmannes Modell. Ihr Blick schweift aus dem Fenster und fällt auf einen schwarzen Mann, der in ihrem Garten steht. Irritiert, aber höflich fragt sie den Fremden, ob sie ihm helfen kann. Er stellt sich als Raymond Deagan vor, er ist der Sohn des verstorbenen Gärtners, der nun dessen Aufgaben übernehmen wird. Ihre Freundlichkeit gegenüber dem Dienstmann wird in dem bald erscheinenden Porträt über das ideale Paar erwähnt werden ... Ein Element in dem Gefüge aber ist verrutscht: Cathy entdeckt eines Tages zufällig die geheimen sexuellen Neigungen ihres Mannes. Bald ist in der scheinbar perfekten Welt der Whitakers nichts mehr in Ordnung. Als Cathy eine freundschaftliche Beziehung zu ihrem Gärtner Raymond aufnimmt, treten Klatsch und Verleumdung auf den Plan. Cathy wird aber auch zum ersten Mal mit ihren eigenen Sehnsüchten konfrontiert ...



    Filmstab

    Regie Todd Haynes
    Drehbuch Todd Haynes
    Kamera Edward Lachmann
    Schnitt James Lyons
    Musik Elmer Bernstein
    Produktion Jody Patton, Christine Vachon

    Darsteller

    Raymond Deagan Dennis Haysbert
    Cathy Whitaker Julianne Moore
    Frank Whitaker Dennis Quaid
    Eleanor Fine Patricia Clarkson
    Sybil Viola Davis
    Dr. Bowman James Rebhorn
    Mrs Leacock Bette Henritze
    Stan Fine Michael Gaston
    David Whitaker Ryan Ward
    Janice Whitaker Lindsay Andretta
    Sarah Deagan Jordan Puryear
    Billy Hutchinson Kyle Smith
    Mona Lauder Celia Weston
    Doreen Barbara Garrick
    Nancy Olivia Birkelund
    Dick Dawson Stevie Ray

    Kritiken

    Dirk Jasper: Ihr Leben war perfekt ... bis sie entdeckte, dass es Fassade war! Ein Film über Doppelmoral und die Übermacht gesellschaftlicher Konventionen.

    taz - Tageszeitung: Dem Himmel so fern ist kein 'period piece' in dem Sinne, dass eine vergangene Zeit rekonstruiert würde. Vielmehr rekonstruiert der Film – ähnlich wie François Ozons "8 Femmes" – die Filme jener Zeit, mithin die Fiktionen, die sich diese Zeit von sich selbst machte. Es sind dies die Melodramen der 50er-Jahre mit ihrer abundanten Farbigkeit, ihrem Suburbia-Setting, ihren indirekten Kameraeinstellungen und ihren Konflikten, die weniger die der einzelnen Figuren sind, sondern solche, die persönliches Leid und gesellschaftliche Kondition zu Knoten verschränken. Die zentrale Figur in diesen Filmen ist die Frau, die ihr Verlangen opfert. In Dem Himmel so fern heißt diese Frau Cathy Whitaker und wird von Julianne Moore gespielt. Man mag kaum glauben, dass Moore die Pornoqueen in "Boogy Nights" gab, so überzeugend hat sie sich hier in die weiße Mittelschichtshausfrau der 50er Jahre verwandelt – und auch in Schauspielerinnen wie Lana Turner oder Jane Wyman, die vor 50 Jahren solche Figuren verkörperten. Man mag außerdem kaum glauben, wie sicher Haynes das Sublime des Melodrams in seinen Film treibt, wie er dessen perfekte Künstlichkeit, dessen Überschuss an Inszenierung adaptiert und zugleich so wenig braucht, um etwas zu zeigen. Ein Blickwechsel, das Muster einer Tapete oder ein Schweigen im entscheidenden Augenblick reichen.

    Die Zeit: Während sich der Betrachter über Julianne Moores kühn karierte Badeanzüge und die schnittigen Hüte ihres Mannes belustigt, schaut eine ganze Epoche des amerikanischen Kinos von der Leinwand zurück, um verwundert festzustellen, dass sich seit den Fünfzigern weniger verändert hat, als die Zeichen der Mode und der Ausstattung glauben machen. Dem Himmel so fern ist eine filmische Elegie über Gefühle, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht ins Bild passen, über Begehren und Sehnsüchte, die im Keim erstickt werden, weil es für die, die sie empfinden, keinen gemeinsamen Ort gibt.

    Auszeichnungen

    N/W Jahr Kategorie Name
    nom 2002 Beste Hauptdarstellerin Julianne Moore
    nom 2002 Bestes Originaldrehbuch Todd Haynes (Story & Screenplay)
    nom 2002 Beste Kamera Edward Lachman
    nom 2002 Beste Filmmusik Elmer Bernstein


    Wertungen

    3.7 Sterne
    3 Bewertungen
    Original Far From Heaven
    Jahr/Land 2002 / USA, Frankreich
    Genre Melodram
    Film-Verleih Concorde Filmverleih GmbH
    Laufzeit 107 Minuten
    Kinostart 13. März 2003