Besessen (2001)

    Aus Film-Lexikon.de

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    Was heißt das: alles, wirklich alles aufs Spiel zu setzen? Wenn das Begehren all das beiseite wischt, was man selbst nach den Regeln des Anstands als leichtsinnig, gefährlich oder einfach nur verwerflich verurteilen würde? Ob richtig oder falsch - die Leidenschaft lässt den Liebenden keine Wahl ... Eine Engländerin und ein Amerikaner, beides Literaturwissenschaftler, scheuen emotionale Bindungen, doch durch unausweichliche Komplikationen verstricken sie sich in eine stürmische Liebesgeschichte, als sie gemeinsam einer nie aufgedeckten, verbotenen außerehelichen Affäre aus ferner Vergangenheit nachspüren. Die glänzende Akademikerin Maud Bailey fühlt sich in ihrem selbst auferlegten Regelsystem sehr wohl. Sie forscht über Leben und Werk der viktorianischen Dichterin Christabel LaMotte. Roland Michell, ein sehr von sich überzeugter Stipendiat aus den USA, ist nach London gekommen, um sich in das Werk von Randolph Henry Ash einzuarbeiten. Ash war Queen Victorias Hofpoet - die berühmtesten Gedichte stammen aus seinen reiferen Jahren - sie gelten als eine hinreißende Hymne auf seine Ehefrau Ellen. Ashs Manuskripte stehen im Mittelpunkt einer großen Ausstellung zum hundertjährigen Jubiläum des gefeierten Barden. Als Maud und Roland in einem Versteck auf Liebesbriefe stoßen, die Ash offenbar an Christabel LaMotte geschrieben hat, folgen sie den Hinweisen bis nach Frankreich - ihre Entdeckerreise spiegelt die unsterbliche Romanze jener Liebenden des 19. Jahrhunderts.



    Filmstab

    Regie Neil LaBute
    Drehbuch David Henry Hwang, Laura Jones, Neil LaBute
    Vorlage nach dem Roman von Antonia S. Byatt
    Kamera Jean-Yves Escoffier
    Schnitt Claire Simpson
    Musik Gabriel Yared
    Produktion Barry Levinson, Paula Weinstein

    Darsteller

    Maud Bailey Gwyneth Paltrow
    Roland Michell Aaron Eckhart
    Randolph Henry Ash Jeremy Northam
    Christabel LaMotte Jennifer Ehle
    Blanche Glover Lena Headey
    Ellen Ash Holly Aird
    Fergus Wolfe Toby Stephens
    Cropper Trevor Eve
    Blackadder Tom Hickey
    Paola Georgia Mackenzie

    Kritiken

    film-dienst 25/2002: Zwei Literaturwissenschaftler entdecken, dass Queen Victorias Hofpoet eine außereheliche Beziehung hatte. Mit kriminalistischem Spürsinn gehen die jungen Forscher - von Konkurrenten beobachtet - der Sache nach. Dabei spiegelt sich die ungewöhnliche viktorianische Liebesaffäre, die kein Happy End hat, in der ihrigen. Gediegene Literaturverfilmung mit zahlreichen Rückblendungen, atmosphärischen Landschaftsaufnahmen und einer eher klischeehaften Darstellung von Intellektuellen.

    Cinema 12/2002: Die Sorge war unbegründet. Angesichts von Kinohelden, die mit Apfelkuchen kopulieren oder vor der Kamera echten Sex haben, ist altmodisch das Aufregendste, was ein Liebesfilm heute sein kann. Und genau das ist "Besessen": ohne Hektik, voller Melancholie und stiller Liebesszenen. "Die Menschen haben Angst vor Romantik", glaubt LaBute. Seine Sehnsucht danach durchzieht den ganzen Film.

    TV-Movie 25/2002: Mit intelligenten Dialogen, schnippischem Humor, ein wenig Krimi-Spannung und eleganten Rückblenden entblättert LaBute die Parallelen zwischen den Liebespaaren in der Gegenwart und im 19. Jahrhundert. Doch der Funke der Leidenschaft will nicht überspringen; oft schleppt sich die Handlung langatmig dahin.