Bastard

    Aus Film-Lexikon.de

    Anfang der 90er Jahre wurde in Großbritannien ein ungewöhnliches Resozialisierungsprogramm diskutiert: Sozial auffällige Straftäter sollten zum Arbeitseinsatz in Waisen- und Krankenhäuser nach Rumänien geschickt werden ... Gerry Brutecki, genannt Brute, wird direkt aus einem Londoner Gefängnis in die Ödnis der rumänischen Provinz verfrachtet. Er landet in einem heruntergewirtschafteten Waisenhaus. Er soll Handwerksarbeiten ausführen und sich um die zum Teil psychisch und physisch schwer geschädigten Kinder kümmern. Geleitet wird das Haus von dem zwielichtigen Sincai und dem alkoholabhängigen Arzt Babits, dem die Krankenschwester Mara zur Hand geht. Mit ihr verbindet Brute schon bald nach seiner Ankunft eine intime Beziehung, die zunächst auf körperliche Leidenschaft reduziert ist, nach und nach aber an emotionaler Tiefe gewinnt. Die Kinder, die dem Fremden anfangs feindlich gegenüberstehen, sehen in ihm bald einen Freund, und die zwölfjährige, todkranke Zigeunerin Elena verliebt sich in Brute. Für sie und die anderen Kinder wird er zum personifizierten Taum von einem besseren Leben. Doch zum Träumen ist das Waisenhaus der falsche Ort: Kinder werden zur "Adoption" an reiche Ausländer verkauft, Medikamente verschoben, Hilfsgelder aus dem Westen verschwinden in dunklen Kanälen. Zunächst will Brute einfach nur weg. Das Vertrauen aber, das Elena und die anderen Kinder in ihn als vermeintlichen Retter setzen, verändert Brute, läßt ihn vom kühlen Egoisten zum Mann der Tat werden ...



    Filmstab

    Regie Maciej Dejczer
    Drehbuch Maciej Dejczer
    Kamera Merian Prokop, Arthur Reinhart
    Schnitt Arpad Bondy, Scott Stevenson, Kasia Rudnik-Glinska
    Musik Michal Lorenc
    Produktion Claus Boje, Edouard Douek, Lew Rywin für Boje Buck Produktion / Douek Productions / Heritage Films

    Darsteller

    Brute Til Schweiger
    Mara Polly Walker
    Sincai Pete Postlethwaite
    Babits John Hurt
    Elena Ida Jablonska
    Moscu Bartek Pieniazek
    Iorgu Wojciech Brzezinsk
    Gefängnisdirektor Anthony Higgins

    Kritiken

    film-dienst 03/1998: Ein ambitioniertes Drama, das die schlimmen Zustände in einem ehemaligen Ostblockland anspricht und sich um Authentizität bemüht. Trotz bemerkenswerter Ansätze des Hauptdarstellers, sich in einer dramaturgischen Rolle zu profilieren, sind dramaturgische und schauspielerische Schwächen des Films nicht zu übersehen.

    TV Movie 04/1998: Waisenhäuser in Rumänien - ein finsteres Thema, das eine entsprechend sensible Aufarbeitung verdient hätte. Til Schweiger und seine Kollegen tun zwar ihr Bestes, doch die unausgegorene Regie fährt ihnen ständig in die Parade. So wird eine schick fotografierte Sexszene im Regen a la "9 1/2 Wochen" ebenso deplaziert wie die zahlreichen krassen Gewaltdarstellungen. Regisseur Maciej Dejczer hat ein lärmendes Sturm- und Drang-Drama abgeliefert, in dem der traurige Schauplatz zur bloßen Staffage verkommt.

    TV Spielfilm 04/1998: Für die erste internationale Co-Produktion des Erfolgsteams Claus Boje/Detlev Buck erhielt Til Schweiger den Preis als bester Hauptdarsteller beim polnischen Filmfestival in Gdingen.