Babij Jar

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    September 1941. Die beiden ukrainischen Familien Lerner und Onufrienko sind seit 20 Jahren eng befreundet und wohnen zusammen in einem Zwei-Familien-Haus am ländlichen Rand von Kiew. Nur die Lerners sind Juden, und Die Onufrienkos nicht. So lange die Familien zurückdenken können, leben in Kiew Juden und Nicht-Juden friedlich nebeneinander. Aber jetzt, da die Nazis kurz vor der Stadt stehen, wird es wichtig, kein Jude zu sein. Nachdem das deutsche Militär unter Führung von Oberst Blobel (Axel Milberg) die Verwaltung der Stadt übernommen hat und die Deportation aller Juden vorbereitet, erwacht in Lena Onufrienko ein aus Angst, aber auch aus Gier gespeister Anti-Semitismus. Plötzlich träumt sie gar von den guten Seiten, die es hätte, wenn ihre Nachbarin Natalja Lerner und ihre jüdische Familie demnächst fliehen müssten oder sterben würden und sie die andere Haushälfte für die künftige Familie ihrer Tochter Helena in Besitz nehmen könnten. Als die Deutschen öffentlich zur Umsiedlung der Juden aufrufen und zum Sammelpunkt Myelnikov, Ecke Doktura am 29. September, sieben Uhr ordern, schenken die Lerners endlich den Berichten der drei jüdischen Flüchtlinge Glauben, die sich im Schuppen neben ihrem Haus versteckt hatten. Mit der Hilfe des Nachbarjungen Stepan begeben sie sich in der nächsten Nacht gemeinsam auf die Flucht gen Osten. Aber Lena Onufrienko, die nicht wußte, dass ihr Sohn die Lerners begleitet, hat in der Zwischenzeit ihre Nachbarn bei den Deutschen als Partisanen denunziert. Eine SS-Patrouille macht sich sofort auf den Weg und kann die Lerners kurz vor dem Fluss aufspüren. Gerade hatten Stepan und das jüdische Mädchen Franca das rettende Boot besorgt, als sie aus der Ferne sehen können, wie die Familie Lerner auf den SS-Wagen gestoßen wird und der alte Genadij bereits tot am Boden liegt. Nun müssen sich auch die Lerners in den langen Zug von über 30.000 Juden Richtung Babij Jar einreihen. Immer noch sind die meisten in dem Glauben, dass dieser Weg zum Bahnhof und damit in eine sichere Zukunft führt ... Unterdessen verhaftet die SS Lena Onufrienko wegen grober Irreführung. Die Lerners sind keine Partisanen, sie sind Juden. Lena wird nun das Schicksal mit ihren Nachbarn teilen. Nur Stepan und Franca entkommen mit dem Boot in die Freiheit ...



    Filmstab

    Regie Jeff Kanew
    Drehbuch Stephen Glantz
    Kamera Sergej Bondarev, Tatjana Loginova, Alexander Rud
    Schnitt Jeff Kanew, Art Bernd
    Musik Walter Werzowa
    Produktion Artur Brauner

    Darsteller

    Lena Katrin Saß
    Genadij Michael Degen
    Natalia Barbara De Rossi
    Oberst Blobel Axel Milberg
    Sascha Evklidis Kiourtzidis Kyriakos
    Stepan Gleb Porschnew
    Gleb Anatolij Guriev
    Franka Olga Erokhovets
    Jakob Alexander Martschenko
    Mundek Michael Zuy
    Helena Marina Denisova
    Kantor Mark Aijzikovic

    Kritiken

    film-dienst 14/2003: Beklemmendes Drama, dessen aufklärerische und emotionale Wirkung allerdings von einer thematisch wie inszenatorisch überforderten Regie konterkariert wird.

    cinema 07/2003: Holocaust-Drama von brutaler Wucht über das tragische Schicksal russischer Juden.