Atom Egoyan

    Aus Film-Lexikon.de

    kanadisch-armenischer Regisseur; * 19. Juli 1960 in Kairo

    Atom Egoyan wurde in Kairo als ältestes Kind armenischer Eltern geboren, die seinen Vornamen aus Anlass des Baus des ersten ägyptischen Atomreaktors wählten. Seine Eltern waren ausgebildete Kunstmaler, die von einem Möbelgeschäft lebten. Seine Schwester Eve Egoyan ist heute eine klassische Pianistin, mit Wohnsitz in Toronto. Er wuchs dreisprachig in Victoria, British Columbia, Kanada auf, wohin die Familie 1963 ging. Mit 18 Jahren zog er nach Toronto, um dort Politikwissenschaft und klassische Gitarre zu studieren. Er graduierte am Trinity College der University of Toronto. Wesentliche Einflüsse waren der Dramatiker Harold Pinter und der Schriftsteller Samuel Beckett. Er hat einen Sohn (Arshile) und ist mit der Schauspielerin und Politologin Arsinée Khanjian verheiratet und lebt in Toronto (Kanada).

    1984 wurde Die nächsten Angehörigen beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg ausgezeichnet. Familienbilder kam international zu einiger Beachtung durch das Zutun von Wim Wenders, der 1987 beim Montreal Festival of New Cinema den Preis der Jury für Himmel über Berlin zurückwies, mit der Bitte, ihn Egoyan zu überreichen. Nach Familienbilder führte Egoyan Regie für das Fernsehen bei Friday the 13th (Cupid’s Quiver, 1987), bei Alfred Hitchcock Presents (The Final Twist, 1987 und There Was a Little Girl…, 1988) und The Twilight Zone (The Wall, 1989). Exotica stellte seinen Durchbruch dar, und zudem einen Schwenk seiner künstlerischen Ausrichtung. Das süße Jenseits von 1997 gilt gemeinhin als sein bestes Werk. Der geglückte Ararat des Autorenfilmers Egoyan, der den Völkermord an den Armeniern thematisiert, lief in Deutschland 2004 aber mit gerade einmal fünf Kopien an. Das vergleichsweise geradlinige Whodunit Wahre Lügen wurde von der Kritik gemischt aufgenommen.

    Dem WDR zufolge hat sich Egoyan auch als Videokünstler und Opernregisseur einen Namen gemacht. So inszenierte er 2004 in Kanada Wagners Die Walküre des Ring-Zyklus, oder auch Salome in Houston und Vancouver. Neben verschiedenen Arbeiten für das Fernsehen wirkte er auch an Kunstinstallationen mit und ist verlegerisch und journalistisch tätig. 2003 war er Jurypräsident der Berlinale.

    Heute gilt er als einer der bekanntesten und renommiertesten Regisseure Kanadas. So wurde er 1998 für Das süße Jenseits mit zwei Oscar- Nominierungen für Regie und Drehbuch gewürdigt. 1988 wurde er bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin prämiert. Er konnte 1994 und 1997 vier Auszeichnungen beim Cannes Film Festival gewinnen. Er erhielt viermal beim Toronto International Film Festival den Preis für den besten kanadischen Film, 1998 einen Independent Spirit Award und wurde 1989 und 1998 für Gemini Awards nominiert. Er bekam unter anderem auch acht Genie Awards, den bisher letzten im Jahr 2006. Die IMDb zählt mit Stand vom 10. März 2008 41 persönliche Filmpreise und weitere 34 Nominierungen, was ihn zu einem „Kritikerliebling“ macht.

    Das mehrfach preisgekrönte Drama Das süße Jenseits steht im Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung. In Deutschland waren Der Schätzer, Felicia, mein Engel und Das süße Jenseits „Film des Monats“ der Jury der Evangelischen Filmarbeit.

    1997 wurde ihm von der französischen Regierung der Orden Ordre des Arts et des Lettres als Chevalier verliehen. Seit 1999 ist er Officer of the Order of Canada (OC). Vom Trinity College der University of Toronto hat er einen Ehrendoktor der Rechte. Von 2006 an unterrichtet er drei Jahre an der University of Toronto.

    Egoyan setzte unter anderem David Hemblen, Don McKellar, Elias Koteas, Mia Kirshner, Bruce Greenwood, Sarah Polley, Ian Holm, Elaine Cassidy, Bob Hoskins, John Hurt, Charles Aznavour und Christopher Plummer in Szene, und regelmäßig seine Ehefrau Arsinée Khanjian. Mychael Danna wurde als Komponist an seiner Seite bekannt. In fast allen Filmen bediente Paul Sarossy die Kamera. Quelle: wikipedia


    Filmografie - Regisseur


    Auszeichnungen

    N/W Jahr Kategorie Film
    nom 1997 Beste Regie Das süße Jenseits
    nom 1997 Bestes adaptiertes Drehbuch Das süße Jenseits