Anonyma - Eine Frau in Berlin

    Aus Film-Lexikon.de

    Es sind die letzten Tage des Krieges, April 1945 in Berlin. Im Keller eines halb zerstörten Wohnhauses kauern die Menschen und warten. Sie haben die Bombennächte überstanden und auch den Atilleriebeschuss. Die meisten von ihnen sind Frauen und sie ahnen, was sie erwartet. Der Einmarsch der Roten Armee in Berlin steht unmittelbar bevor.

    Da ist die stets hilfreiche Witwe, da sind die lebenslustigen Schwestern Bärbel und Greta, die ältere Buchhändlerin, die Likörfabrikantin, deren Mann sie einer Jüngeren wegen sitzen ließ, das lesbische Liebespaar Steffi und Lisbeth, die resolute Achtzigjährige, das verzweifelte Flüchtlingsmädchen, da sind Mütter mit ihren Kindern und auch ein paar ältere Männer, aus denen der Krieg alle Kraft herausgesogen hat. Vor allem aber ist da die knapp dreißigjährige Anonyma, dereinst Journalistin und Fotografin. Sie wird die Ereignisse der nächsten Tage für ihren Lebensgefährten Gerd festhalten, der vor Jahren an die Ostfront verschwand.

    Es werden Tage der Schrecken und widersprüchlichsten Erfahrungen. Anonyma wird, wie die meisten Frauen, von den Siegern mehrfach vergewaltigt. Doch sie taugt nicht zum Opfer. Mit Mut und dem unbedingten Willen, ihre Würde zu verteidigen, fasst sie einen Entschluss. Sie wird sich "einen Wolf" suchen, einen russischen Offizier, der sie vor den anderen schützt. Als Gegenleistung wird sie mit ihm schlafen - freiwillig. Und es geschieht, worauf sie am wenigsten gefasst war. Der höfliche, melancholische Offizier Andrej weckt ihr Interesse, ja, es entsteht eine Beziehung, die sich wie Liebe anfühlt. Und doch schwindet nie die Barriere, die beide nicht vergessen lässt, dass sie feindlichen Lagern angehören.

    Auch die anderen Frauen entwickeln ihre Strategien, mal schoddrig, mal unterwürfig, auf kleine Vorteile bedacht. Und es zeigt sich, dass auch die sowjetischen Soldaten nach menschlicher Nähe verlangen. Sie nisten sich ein in diesem zerbombten Haus. Und schließlich werden Sieger und Besiegte wie bei einem wilden Tanz auf dem Vulkan sogar das Ende des Krieges zusammen feiern. Denn etwas vereint sie doch: sie sind - nach einem langen Krieg - dem Tod entronnen.



    Filmstab

    Regie Max Färberböck
    Drehbuch Max Färberböck
    Kamera Benedict Neuenfels
    Schnitt Ewa Lind
    Musik Zbigniew Preisner
    Produktion Prof. Dr. Günter Rohrbach

    Darsteller

    Greta Maltaus Rosalie Thomass
    Steffi Sandra Hüller
    Anonyma Nina Hoss
    Andrej Rybkin Jewgeni Sidikhin
    Witwe Irm Hermann
    Eckhart Rüdiger Vogler
    Ilse Hoch Ulrike Krumbiegel
    Friedrich Hoch Rolf Kanies
    Bärbel Maltaus Jördis Triebel
    Anatol Roman Gribkov
    Elke Juliane Köhler
    Gerd August Diehl
    Dr. Wolf Hermann Beyer
    Liesbeth Isabell Gerschke