Zeichentrickfiguren

    Aus Film-Lexikon.de

    Wahrscheinlich findet jeder einen seiner Helden der Kindheit unter ihnen. Egal ob jung oder junggeblieben, sie bringen einen zum Lachen, lassen einen bei ihren Abenteuern mitfiebern oder rühren einen zu Tränen: die Zeichentrickfiguren.

    Von den Anfängen der Stummfilmzeit über Walt Disney bis hin zu den Simpsons

    Weltberühmt wurde der Zeichentrickfilm und seine Hauptdarsteller natürlich durch die zahlreichen Werke von Walt Disney (1901-1966). Doch die ersten Filme und Figuren entstanden bereits in der Stummfilmzeit. „Humorous Phases Of Funny Faces“ (1906) von J. Stuart Blackton zählt zu den ersten richtigen Animationsfilmen und Winsor McCay erschuf 1914 mit der Dinosaurierdame Gertie die erste typische Comicfigur, die sogar auf der Kinoleinwand zu sehen war („Gertie the Dinosaur“). Für diese vierminütige Animation hatte McCay nach eigenen Angaben über 10.000 Zeichnungen angefertigt.

    Ein weiterer Zeichentrick-Klassiker der Stummfilmzeit war „Felix the Cat“ (1919) von Pat Sullivan und Otto Messmer. Die Popularität des kleinen schwarzen Katers erreichte zwar Anfang der 1920er Jahre ihren Höhepunkt, Felix ist aber bis heute eine Kultfigur.

    Im Jahr 1928 wird das Zeitalter der Trickfilme mit Ton und Musik eingeläutet: „Steamboat Willie“, der erste Tonfilm mit Micky Maus, läuft im Kino und macht die Maus und Walt Disney als einen ihrer Schöpfer (neben Ub Iwerks) weltbekannt. In den nächsten Jahren erfand er die berühmten Begleiter: Minnie Maus, Donald Duck und seine Freundin Daisy, Goofy und Pluto. Knapp zehn Jahre später folgte mit „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ (1937) der nächste Welterfolg von Walt Disney, der oft als der erste abendfüllende Zeichentrickfilm bezeichnet wird. Die Produktion dauerte drei Jahre und teilweise arbeiteten bis zu 750 Künstler gleichzeitig an dem Film. In den Walt Disney Studios entstanden viele weitere Zeichentrickfilme, die heute beliebte Klassiker sind und deren Figuren meist weltberühmt sind. Hier nur eine kleine Auswahl: „Pinoccio“ (1940), „Bambi“ (1942), „Alice im Wunderland“ (1951), „Das Dschungelbuch“ (1967), „Die vielen Abenteuer von Winnie Puuh“ (1977), „Arielle, die Meerjungfrau“ (1989), „Der König der Löwen“ (1994).

    Neben Walt Disney gelang es auch anderen Künstlern und Produktionsstudios, dass ihre animierten Figuren Klein und Groß begeistern. Über die Verfolgungsjagden von Tom und Jerry entstanden im Lauf der Jahre 161 Kurzfilme, die einige Preise abräumten. Seit 1940 springt Bugs Bunny über die Leinwand und später auch über die Fernsehbildschirme. Der rosarote Panther wurde für den Vorspann der Krimikomödie „Der rosarote Panther“ (1963) erschaffen, spielte dann aber aufgrund seiner Beliebtheit selbst die Hauptrolle in zahlreichen Kurzfilmen und einer eigenen Fernsehserie. Von 1960-1966 erzählte „The Flintstones“ in den USA die Geschichten der Familie Feuerstein. Die Serie galt lange Zeit als die erfolgreichste Zeichentrickserie im Fernsehen und erlebte zahlreiche Revivals, Ableger und Kinofilme. Abgelöst wurde sie von der Simpsons-Familie, deren Serie „The Simpsons“ seit 1989 ununterbrochen im amerikanischen Fernsehen und zur besten Sendezeit läuft. Die Produktion einer einzigen Folge dauert ein halbes Jahr und kostet über eine Million Dollar.

    Comicverfilmungen, Computeranimationen und Animes

    Einige berühmte Zeichentrickfiguren entstammen ursprünglich Comicgeschichten, so zum Beispiel Asterix und Obelix, die seit 1967 ihrer Abenteuer auch animiert bestehen. Oder die Schlümpfe, die das erste Mal im Kino (1975) und später in einer eigenen Fernsehserie (1981-1989) zu sehen waren. Auch die Comics von Lucky Luke, Tim und Struppi und den Peanuts dienten Zeichentrickfilmen als Vorlage.

    Eine Revolution des Genres löste schließlich „Toy Story“ (1995) aus. Es war der erste Kinofilm, der vollständig am Computer entstanden war. In den folgenden Jahren verdrängte der Computer-Animationsfilm nach und nach den klassischen Zeichentrickfilm wegen seiner vielfältigen neuen Möglichkeiten. Viele Filme wurden in 3D produziert, um das technische Potenzial voll auszuschöpfen und die Figuren noch realer erscheinen zu lassen. Charaktere wie der grüne Oger Shrek, die steinzeitlichen Freunde aus „Ice Age“ oder die Fische in „Findet Nemo“ (2003) eroberten die Herzen der Kinder und hatten oft mehr als einen Auftritt auf der Leinwand. Erst 2009 kehrte die Walt Disney Company wieder zu den Wurzeln zurück und ließ die Figuren aus „Küss den Frosch“ wieder per Hand zeichnen.

    Eine Sonderform des Animationsfilms sind die japanischen Animes. Hierzulande besonders bei Kindern beliebt, gibt es eigentlich Filme für jedes Alter und jeden Geschmack. Berühmte Zeichentrickserien wie „Wickie und die starken Männer“ (1974), „Biene Maja“ (1976) oder „Heidi“ (1977) sind in Zusammenarbeit mit japanischen Anime-Studios entstanden. Weitere bekannte Figuren, deren Serien im deutschen Fernsehen liefen, sind die Mädchen aus „Sailor Moon“ (1995), die „Pokémon“ (1999) oder die Kämpfer aus „Dragonball“ (1999). Die berühmtesten Kinofilme sind sicherlich die Produktionen des Studio Ghibli: „Prinzessin Mononoke“ (2001), „Chihiros Reise ins Zauberland“ (2003) und „Das wandelnde Schloss“ (2005).


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