Schildkröten können fliegen
Aus Film-Lexikon.de
|
|
Kritiken
Paul Ingendaay (FAZ 27. September 2004): Die Kurden, so Bahman Ghobadi, seien ja Hauptdarsteller in ihren eigenen Action-Filmen, aber immer als Opfer. In Schildkröten können fliegen erzählt er von der schwächsten vorstellbaren Gruppe überhaupt, kurdischen Waisenkindern in einem irakischen Dorf nahe der Grenze zu Iran und der Türkei unmittelbar vor den ersten Angriffen amerikanischer Bomber. Die Kinder, viele von ihnen verstümmelt, suchen Landminen, um sie zu verkaufen. Das ist die Gefahr von unten. Und oben am Himmel dröhnt die neueste Kriegstechnologie. Bahman Ghobadis konzentrierter, am Neorealismus geschulter Stil beeindruckte das Publikum ähnlich tief wie "Omagh".
Rüdiger Suchsland (Frankfurter Rundschau 28. September 2004): Gewonnen hat am Ende Bahman Ghobadis Film Schildkröten können fliegen, ein aufwühlendes Werk über Kinder unmittelbar vor der amerikanischen Irak-Invasion. Emotional dicht und seiner Mittel jederzeit sicher, ist dies ein gelungenes Gegenstück zum auch in San Sebastian spürbaren neuen Hang zu Thesenfilmen, die sich moralisch aufs sichere Ufer stellen, während Innovation und Stilbewusstsein auf der Strecke bleiben. Ghobadis Film wirkt nicht als Erbauungskino, das den Zuschauer einlullt, sondern durch die Poesie im Schrecken.
Reinhard Kleber (Rhein-Zeitung 6. Mai 2005): Doch die Laiendarsteller sind unsagbar glaubhaft. Gerade weil Bahman Ghobadi vordergründige politische Statements und explizite Gräuelbilder vermeidet, ist seine meisterhafte Filmtragödie ein erschütternder Anti-Kriegsfilm.
Produktion
Babak Amini, Bahman Ghobadi, Hamid Ghavami, Hamid Karim, Batin Ghobadi für Mij Film