Public Enemies: Michael Manns rasanter Thriller um den legendären John Dillinger
Aus Film-Lexikon.de
Die Wirtschaftskrise wird kinotauglich. Nun ja, nicht die aktuelle, aber immerhin die Große Depression der 1930er Jahre. Während Amerika sich erst langsam vom Schock des Schwarzen Freitag 1929 erholt, muss es sich bereits auf ein neues Schreckgespenst gefasst machen: John Dillinger, Chicagoer Bankräuber und Gentleman-Gangster (Johnny Depp), beraubt beinahe in Robin-Hood-Manier die großen Banken, die die Krise mitverursacht haben, und wird somit zum heimlichen Helden der kleinen Leute.
Mit seinen Komplizen führt er strategisch geschickte und tollkühne Coups durch, die der amerikanischen Öffentlichkeit den Atem stocken und dem FBI das Blut kochen lassen. So avanciert Dillinger zum „Public Enemy“, also zum Staatsfeind, und wird von FBI-Agent Melvin Purvis (Christian Bale) unerbittlich gejagt.
Natürlich darf in einem solchen Epos auch die obligatorische Liebesgeschichte nicht fehlen: auf dem Höhepunkt seiner Karriere lernt Dillinger die Garderobiere Billie Frechette (Oscar-Preisträgern Marion Cotillard) kennen; sie wird seine große Liebe.
Hintergrund:
John Dillinger, der mit nur 31 Jahren im Kugelhagel des FBI mitten in Chicago starb, ist in den USA längst zur Legende avanciert. Nach neunjähriger Haft kam er 1933 frei und begann seine Karriere als einer der meistgesuchten Verbrecher der Vereinigten Staaten. Mit spektakulären Banküberfällen erregte er die Aufmerksamkeit der Presse und des „Bureau of Investigation“ (dem späteren „Federal Bureau of Investigation“ oder kurz FBI).
Letzteres wurde zu dieser Zeit vom ehrgeizigen J. Edgar Hoover geleitet, der den Agenten Melvin Purvis auf Dillinger ansetzte. Letztendlich fiel Dillinger einem Verrat zum Opfer: Eine rumänische Immigrantin versprach sich eine dicke Belohnung vom FBI und lieferte die nötigen Hinweise, die schließlich zur Stellung Dillingers führten.
Kritikermeinung: Filmkritiker gönnen Regisseur Michael Mann zwar, dass ihm mit Public Enemies einmal mehr ein spannender Räuber-gegen-Polizist-Film gelungen ist. Aber sie haben doch so Einiges zu bemängeln. Zum Beispiel, dass die Figur des Melvin Purvis eine recht blass gezeichnete bleibt und dieser somit kaum einen ebenbürtigern Gegner für Dillinger darstellt. Auch der ambivalente Charakter des Protagonisten selbst bekommt wenig Raum zur Entfaltung: der Mensch John Dillinger verschwindet hinter dem Mythos des gewieften Super-Gangsters. Nichtsdestotrotz liefert Johnny Depp eine großartige Leistung in der Interpretation seiner Rolle – darin sind sich die Kritiker einig. Ebenso beeindruckend wie Depp spielt Marion Cottillard die Rolle der Billie und beweist damit, dass sie nicht umsonst 2008 zur „Best Actress“ gekürt wurde. Leider kommt auch die Liebesgeschichte zwischen Billie und Dillinger zu kurz.
Wer jedoch auf Schießereien und aufregende Verfolgungsjagden Wert legt, für den hat der Film einiges zu bieten. Die grandiose Kameraführung und der häufige Einsatz von Handkameras lassen viele rasante Action-Szenen entstehen. So hat Michael Mann mit „Public Enemies“ – allen Schwächen zum Trotz – doch ein kurzweiliges, spannungsgeladenes Kriminaldrama geschaffen, das sicher zahlreiche Zuschauer in die Kinos locken wird.