Napola
Aus Film-Lexikon.de
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Kritiken
Dirk Jasper: Ein brisantes, bislang wenig beachtetes Thema greift Regisseur und Drehbuch-Autor Dennis Gansel ("Das Phantom", "Mädchen Mädchen") mit seiner bewegenden und spannenden Geschichte um Menschlichkeit und Zivilcourage auf. Denn auch wenn viele, darunter Meinungsträger und Multiplikatoren wie der frühere Sprecher der Bundesregierung, Rüdiger von Wechmar, "Zeit"-Herausgeber Dr. Theo Sommer oder Publizist Dr. Hellmuth Karasek, die Kaderschmieden des Dritten Reiches durchliefen, wurde über die Vorgänge in Hitlers Eliteschulen lange Stillschweigen bewahrt. Napola liefert nicht nur beklemmende Erkenntnisse über das Erziehungskonzept des Führers für seine "gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend" (Zitat von Adolf Hitler). Der Film besticht vor allem durch die universelle Geschichte einer tiefen Freundschaft über soziale Barrieren hinweg und schildert den schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens und den Kampf um die Wahrung der Menschenwürde in extrem schwierigen Zeiten.
Reinhard Kleber (Rhein-Zeitung 14. Januar 2005): In der Tat nutzt Regisseur Dennis Gansel handwerklich geschickt die Mittel des Hollywood-Melodrams, um den inneren Zwiespalt der Protagonisten zwischen der Faszination durch flatternde NS-Fahnen und dem zunehmenden Abscheu vor der Unmenschlichkeit der Napola-Lehren anschaulich zu machen. Krasse sozialdarwinistische Thesen zur Überlegenheit des Stärkeren liefern dabei die Folie für die emotional packende und solide gefilmte Geschichte einer Internatsfreundschaft. Seine Wirkung entfaltet Napola nicht zuletzt durch ein souverän geführtes junges Ensemble, in dem neben Max Riemelt als proletarische Sportskanone noch Tom Schilling als weitsichtiger Jungintellektuellere herausragt.
film-dienst 01/2005: Um den Fallstricken des Sujets zu entgehen, nimmt der Film Anleihen beim aktuellen Schul- und Internatsfilm, womit die kritische Distanz zur Nazi-Ideologie auf Dauer einem psychischen Drama weicht. Spannend inszeniert, in den Hauptrollen überzeugend gespielt und nicht ohne interessante Untertöne, irritiert der unbedarfte Umgang mit der NS-Zeit.
Produktion
Molly von Fürstenberg, Viola Jäger, Harald Kügler