Magdalena
Aus Film-Lexikon.de
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Kritiken
Dirk Jasper: "Magdalena" ist dramatisch und poetisch vielleicht das wichtigste Stück von Ludwig Thoma. Man muß es kennen, wenn man Bayerns Geistes- und Sozialgeschichte verstehen will.
Das dramatisch hervorragend aufgebaute und mit seinen realistischen Dialogen faszinierende Volksstück zielte mit Sicherheit nicht nur auf bäuerliche Verhältnisse. Die Gesellschaftskritik ist deshalb auch gar nicht das Wichtigste, so berechtigt sie erscheint. Vielmehr ist unausgesprochen und dennoch deutlich vernehmbar der Ruf einer neuen Zeit zu hören, die einen Widerspruch aufzuheben verlangt: den Widerspruch, der zwischen alten bäuerlichen Ordnungsvorstellungen und ihrer - heute kaum noch verständlichen - altertümlichen Moral mit der nun längst lautstark geforderten Menschlichkeit gegenüber Außenseitern, Gestrauchelten und Armen aufgebrochen war. Diese Erkenntnis, dieses Fazit bleibt allerdings dem Zuschauer überlassen, typisch für die Genialität dieses Autors. Thoma erzählt, schildert lediglich die Wirklichkeit, er agitiert nicht und er hebt keinen Zeigefinger.
Der bemerkenswert souveräne und intelligente junge Regisseur Graser überzeugt mit Spitzenschauspielern wie Fritz Straßner, Maria Singer, Toni Berger und Franz Xaver Kroetz sowie Andrea-Maria Wildner in der Titelrolle. In dem Stück wird das entsprechende Milieu werkgetreu, sprachlich und historisch korrekt inszeniert.
Der verzweifelte Vater ersticht am Ende seine eigene Tochter - vom törichten Verhalten des Mädchens und von den Dorfbewohnern mit einem schlitzohrigen Bürgermeister an der Spitze in die Enge getrieben. Einen menschlichen Ausweg sehen diese harten und starrköpfigen Männer nicht. Die gefährliche Gruppendynamik einer geschlossenen Gesellschaft wird geradezu beängstigend sichtbar.