It' s Crazy Clown Time: David Lynchs erstes Album
Aus Film-Lexikon.de
Seit "Inland Empire" von 2006 hat Regisseur David Lynch keinen Film mehr gedreht. Jetzt veröffentlichte der Regieexzentriker mit "Crazy Clown Time" ein Album, das genauso klingt wie seine Filme.
Ein Multitalent, das sich nicht auf eine einzige künstlerische Ausdrucksform festlegen will, war Lynch schon immer. Lynch studierte zuerst bildende Kunst in Philadelphia, wo er schon erste surreale Kurzfilme drehte – der Rest ist Geschichte. Bis heute ist Lynch als Maler tätig, auch das Cover von "Crazy Clown Time" gestaltete der Meister selbstverständlich höchstpersönlich.
In den letzten Jahren tat sich Lynch aber zunehmend in kunstfremden Bereichen hervor: Schon lange engagiert er sich für die Verbreitung der Transzendentalen Meditation. Sogar eine eigene Edition von fair gehandeltem Kaffee brachte er auf den Markt. Und zuletzt sorgte er für Aufsehen, indem er in Paris eine Bar gestaltete.
Jetzt also auch noch Musik. Ganz unbeleckt in diesem Metier ist Lynch aber nicht. Bei vielen seiner Filme war er an der Komposition der Musik beteiligt, in "Inland Empire" sang er sogar einen Song. "Crazy Clown Time" – schon der Titel ist typisch Lynch - ist aber das erste Album, auf dem Lynch alle Songs komponierte, textete und mit der Gitarre begleitete. Und er singt natürlich auch selbst, besser gesagt er raunt die Texte mit verzerrter Stimme, mal nuschelnd, mal seltsam quäkend wie im Titelsong. Durch diese Verfremdung entsteht dieselbe hypnotische, (alp-)traumhafte Atmosphäre, die auch seine Filme durchzieht.
Die Musik ist eine seltsame, faszinierende Mischung aus traditionellem Blues, Electronic und dem zeitgenössischen Hypnagogic Pop. Auch das erinnert an Lynchs Filme: Scheinbar vertraute Welten werden von fremden, irritierenden Elementen kontaminiert. Manche Songs sind gefühlvoll bis an die Grenze zum Kitsch (These Are My Friends, She Rise Up), die Verfremdung macht diesen Faktor aber durch die ironische Brechung erträglich. Auch das kennt man aus dem filmischen Werk. Das größte Gefühl steht direkt neben bedrohlichem Horror und absurdem Humor.
Typisch lynchesk eben – David Lynch ist der einzige lebende Filmemacher, dem man ein solches kennzeichnendes Attribut für den in seinen Werken entworfenen Kosmos verliehen hat. Diese Welt ist nun auch von der passenden Musik bewohnt.
Copyright Bild: Neue Visionen Filmverleih
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