Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin

Aus Film-Lexikon.de

Filmdaten
Jahr/Land 2002 / Österreich
Genre Dokumentarfilm
Film-Verleih Piffl Medien GmbH
Kinostart 02. Mai 2002
Regie Othmar Schmiderer, André Heller
Kamera Othmar Schmiderer
Schnitt Daniel Pöhacker
Länge 90 Minuten
Darsteller
Traudl Junge Traudl Junge

Kritiken

FAZ: Ein höchst bemerkenswertes Dokument über die Banalität der Freundlichkeit im Zentrum des Grauens (...) Zu sehen ist einzig und allein Traudl Junge, mal in einem Pullover von leuchtendem Orange, mal in einem ganz weißen und mal in einem schwarzen. Eine schöne alte Dame, die vollkommen klar formuliert, völlig unsentimental erzählt und die Dinge sehr prägnant auf den Punkt bringt. (...) Man darf sich davon keine bisher unbekannten, gar sensationellen Informationen erwarten. Man wird aber auch keinen einzigen Satz der Rechtfertigung finden.

Süddeutsche Zeitung: Eineinhalb Stunden des Selbstzeugnisses einer hellwach Zerknirschten, gelegentlich aufschlußreich konfrontiert mit der Reaktion der Erzählerin selbst auf ihre eigenen Worte. Kaum sonst hat diese Gespensterwelt solche Greifbarkeit bekommen wie in den atemberaubenden Schilderungen der Traudl Junge. Ein Selbstzeugnis von unvergleichlicher Eindringlichkeit, wie sie die ansonsten überhand nehmenden Unheilsoperetten im pathetischen Tremolo ersäufen. Und von erstaunlicher Härte.

Oranienburger Generalanzeiger: Nichts lenkt von dem ab, was Traudl Junge zu erzählen hat. Die längste Sequenz dauert rund 25 Minuten. Die Kamera rückt in diesem Abschnitt immer näher an die Erzählerin – wie ein Zuschauer, der gebannt lauscht. Und genau so fühlt sich der Zuschauer im Kinosaal.

Bemerkungen

Die Gespräche zwischen André Heller und Traudl Junge kamen im Jahr 2001 durch Vermittlung der Autorin Melissa Müller zustande, die zu dieser Zeit an der Herausgabe und Einleitung der von Traudl Junge bereits 1947 niedergeschriebenen Erinnerungen arbeitete. Othmar Schmiderer, der die Gespräche mit der Kamera aufzeichnete, wählte eine filmische Herangehensweise, die von wenigen Kameraeinstellungen und dem Verzicht auf zusätzliches Kunstlicht ausging. Er selbst war für Kamera und Ton verantwortlich, da so während der Begegnungen mit Traudl Junge der ausgestellte Charakter eines Filminterviews vermieden werden konnte. Die Gespräche mit Traudl Junge fanden im Frühjahr 2001 in ihrer Münchner Wohnung statt. André Heller und Othmar Schmiderer montierten aus dem über 10-stündigen Material zunächst eine dreieinhalbstündige Fassung, die sie Traudl Junge vorführten. Während der Vorführung hatte Traudl Junge Gelegenheit, vor der Kamera Ergänzungen und Korrekturen vorzunehmen. Unter Einbeziehung der neuen Aufnahmen komprimierten André Heller und Othmar Schmiderer den Film schließlich auf die 90-minütige Kinofassung. Seine Uraufführung erlebte "Im toten Winkel" auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2002, wo er mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Traudl Junge verstarb nach schwerer Krankheit in der Nacht des 11. Februar 2002, wenige Stunden nach der Uraufführung des Films.

Produktion

Danny Krausz, Kurt Stocker

  



 

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