Filmgeschichte

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    Anfänge

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    Vorläufer des eigentlichen Films waren das 1832 erfundene Lebensrad (Zoetrop) und das Stroboskop. 1895 fanden in Paris und Berlin die ersten öffentlichen Vorführungen statt, die dazu notwendigen Geräte waren kurz zuvor von Thomas A. Edison (Kinetoskop), den Brüdern Auguste und Louis Jean Lumière (Kinematograf) und Oskar Meßter und Max Skladanowsky (Bioskop) entwickelt worden. Straßenszenen, Sportereignisse und politische Geschehnisse waren die Themen der ersten Dokumentar-Stummfilme. Erste Versuche mit Trickszenen machte George Méliès (Die Reise zum Mond, 1902). In Italien drehte Luigi Maggi die ersten Historienfilme, u.a. Die letzten Tage von Pompeji (1908). Die 1920er Jahre standen im Zeichen des Experimentierens mit neuen Techniken und Stilmitteln; der surrealistische Film (Luis Buñuel, Salvador Dalí) hatte seinen Höhepunkt.

    Die künstlerische Entwicklung wurde in Amerika maßgeblich von D.W. Griffith und Charles Chaplin beeinflusst. Meister des Slapstick waren auch Buster Keaton, Harold Lloyd sowie Stan Laurel und Oliver Hardy.

    In Deutschland entstand 1917 die Filmgesellschaft Ufa (Universum-Film-AG). Bedeutende Regisseure des frühen deutschen Films sind u.a. F.W. Murnau (Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens, 1922), Fritz Lang (Dr. Mabuse, 1922). Robert Wienes Film Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) gehört zu den Meisterwerken des expressionistischen Films.

    1919 wurde die Filmindustrie des Zarenreichs verstaatlicht und in Moskau die erste Filmhochschule der Welt gegründet. Aus der sowjetischen Filmproduktion ragen v.a. Wsewolod Pudowkin (Das Ende von St. Petersburg, 1927) und Sergej M. Eisenstein (Panzerkreuzer Potemkin, 1925) heraus, dessen effektvolle Einstellungen Filmgeschichte schrieben.

    Tonfilm

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    1927 wurde in den USA mit Der Jazzsänger, 1929 in Deutschland der Tonfilm eingeführt; es begann der Siegeszug des Musikfilms. Weltberühmt wurden die Tanzfilme mit Fred Astaire und Ginger Rogers (Swing Time, 1936). Daneben entwickelten sich weitere Genres. Bedeutende Regisseure waren unter anderen John Ford (Western), Ernst Lubitsch (Komödien) und James Whale (Horrorfilm). Citizen Kane (1941) von Orson Welles wurde wiederholt zum besten Film aller Zeiten gewählt.

    Der Farbfilm setzte sich 1935 von den USA aus durch (Vom Winde verweht, 1939); die Studios von Walt Disney produzierten seit den 1930er Jahren zahlreiche Zeichentrickfilme.

    Der deutsche Film lehnte sich mit Musikfilmen zunächst an die amerikanische Entwicklung an. Berühmtheit erlangte Der blaue Engel mit Marlene Dietrich (1930, Josef von Sternberg). Die Entwicklung des gesellschaftskritischen Films (Georg Wilhelm Pabst, Slatan Dudow, Piel Jutzi) wurde durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten unterbrochen, zahlreiche Regisseure gingen ins Exil (u.a. Fritz Lang, Fritz Kortner, Douglas Sirk). Neben propagandistischen Dokumentarfilmen (Triumph des Willens von Leni Riefenstahl, 1934) und antisemitischen Spielfilmen (Jud Süß von Veit Harlan, 1940) entstanden zahlreiche unpolitische Spielfilme, die die Bevölkerung vom Kriegsgeschehen ablenken sollten.

    Der französische Meisterregisseur Jean Renoir verfilmte in den 30er Jahren zahlreiche Literaturvorlagen; 1943-45 drehten Marcel Carné und Jacques Prévert Kinder des Olymp.

    Nachkriegszeit

    Nachkriegszeit

    In den 1950er und 60er Jahren gab es zahlreiche Bestrebungen, den Film mit avantgardistischen Mitteln der Filmerzählung und Darstellungsform zu verändern und zu erneuern; auch gegen die Konkurrenz des Fernsehens galt es, neue Wege zu finden.

    Dazu zählen in Frankreich die "Nouvelle Vague" (z.B. Jean-Luc Godard, François Truffaut, Claude Chabrol), der italienische Neorealismus (Luchino Visconti, Federico Fellini, Roberto Rossellini, Michelangelo Antonioni, Bernardo Bertolucci) oder auch die Filme von Alfred Hitchcock und Ingmar Bergman. Anknüpfend an diese Entwicklungen entstand in Großbritannien das "Free Cinema" (Tony Richardson) und in den USA das "New Cinema" (z.B. Robert Altman, Lindsay Anderson, Karel Reisz). Das Genre des Science-Fiction erhielt u.a. durch 2001: Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick neue Impulse.

    In Westdeutschland entstanden nach Kriegsende zahlreiche Filme, die sich mit der Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit befassten, u.a. Des Teufels General (1955) und Die Brücke (1959) von Bernhard Wicki. Als Gegenbewegung zur Unterhaltungsfilm-Industrie entwickelte sich der "Neue Deutsche Film" (Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Alexander Kluge, Wim Wenders, Volker Schlöndorff); in der DDR drehten zahlreiche bedeutende Regisseure in den Studios der DEFA, u.a. Wolfgang Staudte und Paul Verhoeven in der Nachkriegszeit, seit den 70er Jahren Heiner Carow (Die Legende von Paul und Paula, 1973), Konrad Wolf (Solo Sunny, 1979) und Horst Seemann (Levins Mühle, 1980).

    Die Entwicklung des Films wurde durch die großen und wirtschaftlich dominierenden amerikanischen Filmgesellschaften weitergetrieben, häufig jedoch unter überwiegend kommerziellen Gesichtspunkten. Einen eigenständigen Stil entwickelten Steven Spielberg, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Woody Allen.

    Von internationaler Bedeutung sind darüber hinaus Bille August (Dänemark), Luis Buñuel und Carlos Saura (Spanien), Sergio Leone als Vertreter des Italo-Westerns, Louis Malle, der die Tradition der französischen "Nouvelle Vague" fortführt, Roman Polanski und Krzysztof Kieslowski (Polen), Andrej Tarkowskij (Russland), Akira Kurosawa (Japan), Zhang Yimou (China) und Peter Weir (Australien).

    Der europäische Film erhielt in den 1980er und 90er Jahren neue Impulse z.B. durch Stephen Frears, Peter Greenaway, Aki Kaurismäki, Detlev Buck, Sönke Wortmann, Lars von Trier, Thomas Vinterberg.

    Besonders im amerikanischen Film ist die Beliebtheit von Spezialeffekten und Trickelementen ungebrochen; erfolgreich sind neben Katastrophenfilmen (Titanic, James Cameron), mehrteiligen Weltraum-Episoden (Krieg der Sterne, George Lucas) aufwändig inszenierte Historien-Dramen und epische Fantasy-Filme (Herr der Ringe-Triologie, Peter Jackson, nach einer Buchvorlage von J.R.R. Tolkien) sowie vollständig computeranimierte Filme (Toy Story, Die Monster AG, Shrek - Der tollkühne Held).