Achterbahn (2009)

    Aus Film-Lexikon.de

    Norbert Witte hatte einen Traum: Er wollte aus dem Spreepark – einem Freizeitpark, der zu DDR-Zeiten unter dem Namen »Plänterwald« berühmt geworden ist – den größten Rummelplatz des gerade wiedervereinigten Deutschlands machen. Stattdessen ging der König der Karusselle pleite und setzte sich mit seiner Familie und dem größten Teil seiner Gerätschaften im Jahre 2002 nach Peru ab. Er hinterließ der Stadt Berlin einen Riesenberg Schulden und ein großes Chaos.

    Der Durchbruch, den er sich in Peru erhofft hatte, ließ jedoch auf sich warten. Witte mußte nach Berlin zurückkehren. Die Heimreise wollte er mit Kokainschmuggel finanzieren, zu dem ihn die Drogenmafia genötigt hatte. Die Sache erwies sich als Undercoveraktion der peruanischen Polizei und brachte seinen Sohn in Peru ins Gefängnis. Er selbst wurde in Berlin zu 7 Jahren Haft verurteilt, die er zum Teil als Freigänger absaß. Sein damals 20-jähriger Sohn Marcel, der mit der ganzen Sache wenig zu tun hatte, kam nicht so leicht davon. Er wurde zu 20 Jahren verurteilt, die er in einem der härtesten Gefängnisse der Welt absitzen muß – mit nur geringer Chance, da jemals lebend wieder herauszukommen.



    Filmstab

    Regie Peter Dörfler
    Drehbuch Peter Dörfler
    Kamera Peter Dörfler
    Schnitt Peter Dörfler, Vincent Pluss
    Musik Bernd Schultheis
    Produktion Benny Drechsel, Karsten Stöter, Kurt Otterbacher für Rohfilm und Strandfilm

    Darsteller

    Marcel Witte
    Norbert Witte
    Pia Witte
    Sabrina Witte

    Kritiken

    kino.de: Die Story hinter der Zeitungsmeldung hätte kein Drehbuchautor dramatischer erfinden können. Mit untrüglichem Gespür für erstaunliche Entdeckungen porträtiert Peter Dörfler, der schon mit "Der Panzerknacker" faszinierte, die Familie Witte und ihren Leidensweg. Das Auf und Ab des Rummelplatz-Unternehmers Norbert Witte, seiner Frau Pia, Tochter Sabrina und Sohn Marcel präsentiert Dörfler nicht nur sehr differenziert, sondern auch so spannend wie einen Spielfilm - gespickt mit dramatischen Wendungen und tragischen Helden. Dass dem keine Fiktion, sondern Fakten zugrunde liegen, steigert nur den Reiz des dramaturgisch geschickten Films.

    vanityfair.de: "Achterbahn" ist die ebenso respektvoll wie schonungslos erzählte Geschichte von einem, der immer ganz groß rauskommen wollte, einem Mann mit Visionen und unbändiger Energie, einem rundlichen Kerl mit Schnäuzer und kindlich leuchtenden Augen, von einem, der sich weder durch Wände noch durch Einwände aufhalten lässt. Und der zum Schluss vollkommen und grandios gescheitert ist, ohne deswegen aufzugeben.

    "Achterbahn" ist ein dokumentarischer Glücksfall. Dörfler nähert sich seinem Gegenstand mit Zuneigung und Sorgfalt; aus zahlreichen Puzzlesteinen, zu denen vor allem die Gespräche mit Wittes Exfrau, seiner Tochter, seinen Weggefährten und nicht zuletzt Norbert Witte selbst gehören, entsteht ein packendes Stück Zeitgeschichte.

    zdf.de: Ein Film, der neben der Unglaublichkeit der Geschichte vor allem von seinen Persönlichkeiten lebt. ... Dazu kommen teils zauberhafte Aufnahmen von umgestürzten Sauriern im "Plänterwald", von in die Jahre gekommenen, romantisch vor sich hin alternden Vergnügungsgerätschaften oder auch Achterbahnfahrten im Dunkeln.