90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden

    Aus Film-Lexikon.de

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    Es gibt politische Probleme auf dieser Welt, von denen eigentlich jeder denkt, dass sie endlich mal gelöst werden sollten. Das Regime in Nordkorea beispielsweise, all die Diktaturen in Afrika, ja, und auch der Konflikt im Nahen Osten, der inzwischen ganze Generationen überlebt hat. Zumindest was das Letztgenannte angeht, scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Da auch Israelis und Palästinenser nach Jahrzehnten des Kampfes und der Verhandlungen müde sind, immer wieder ergebnislos auseinanderzugehen und weiter zu kämpfen und zu verhandeln, kommen die Erzfeinde auf eine brillante Idee:

    Ein Fußballspiel soll den Nahost-Konflikt endgültig beenden und über das Schicksal der beiden Völker entscheiden. Der Einsatz ist hoch. Wer verliert, muss das gelobte Wüstenland verlassen. Der Sieger bekommt alles, von Jaffa bis Jerusalem, von Galiläa bis Eilat. Kein Streit mehr, keine Kriege, endlich Ruhe. Klingt einfach, ist es aber natürlich nicht. Denn bevor das Jahrhundertspiel überhaupt steigen kann, müssen schwierige Fragen geklärt werden: Wo soll gespielt werden? Welches Land ist für beide Länder neutral genug, um den Schiedsrichter zu stellen? Müssen die Spieler in Israel und Palästina leben oder reicht schon die Abstammung?

    Um die Rahmenbedingungen zu klären, schicken die Regierungen beider Nationen die Chefs ihrer Fußballverbände in die Verhandlungen. Der Direktor der israelischen Nationalmannschaft (Moshe Ivgy) und Ziad Barguti (Norman Issa) sind zwei patriotische Schlitzohre, mit allen Wassern gewaschen und einem beachtlichen Repertoire an schmutzigen Tricks. Moderiert werden die Gespräche vom Fußballweltverband IFA, der sich, wie der Präsident vor den Kameras der Nachrichtensender versichert, mit dem Lösen schwieriger Probleme bekanntlich bestens auskennt.




    Filmstab

    Regie Eyal Halfon
    Drehbuch Eyal Halfon, Itay Meirson
    Kamera Daniel Kedem
    Schnitt Arik Leibovitch
    Produktion Steve Hudson, Sonja Ewers, Assaf Amir

    Darsteller

    Barguti Norman Issa
    Jan Müller Detlev Buck
    Israeli Chairman Moshe Ivgy
    Schiedsrichter Carlito Pêpê Rapazote
    Gomes Alexandre Barata

    Kritiken

    www.kino-zeit.de Harald Mühlbeyer: 90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden ist mehr wert als jede Reportage, als jede Talkshow, als jede Politsendung. Fußball versteht jeder: auf diese Ebene eine der kompliziertesten politischen und militärischen Auseinandersetzungen herunter zu brechen, ist schlicht genial.

    www.filmstarts.de Thomas Vorwerk: Der Konflikt zwischen Israel und Palästina wird in dieser satirischen Mockumentary bissig und hellsichtig aufs Korn genommen – auch für Fußball-Muffel unbedingt sehenswert.

    www.spielfilm.de Bianca Piringer: Der israelische Regisseur Eyal Halfon lässt in seiner als Mockumentary aufgezogenen Politsatire ein Fußballspiel über den israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt entscheiden. Sein Spielfilm übersetzt den Ernst der Realität in bissig-ironische Heiterkeit, die festgefahrenes Denken kritisiert und tatsächliche Absurditäten anhand von fiktiv-lachhaften offenlegt.