64. Filmfestival in Cannes

    Aus Film-Lexikon.de

    Filmfestival Cannes 2011.jpg

    Ein umstrittener Hauptgewinner, Starglanz und ein Nazi-Skandal. Am 22. Mai gingen in Cannes mit der Verleihung der goldenen Palme die 64. Filmfestspiele zu Ende. Wie im Vorfeld schon vermutet, ging der Hauptpreis an das groß angelegte US-Familiendrama The Tree of Life von Terrence Malick. Da die Jury von Hollywood-Legende Robert De Niro angeführt wurde, kam die Ehrung eines amerikanischen Films für viele wenig überraschend. Die zurückgezogen lebende Regie-Koryphäe Malick erschien ebenfalls wie erwartet nicht zur Verleihung. Dafür sorgte Hauptdarsteller Brad Pitt mit seiner Gattin Angelina Jolie für den obligatorischen Glamour auf dem roten Teppich.

    Nach der Pressevorführung erntete "The Tree of Life" neben frenetischem Jubel auch zahlreiche Buhrufe. Dass die Familiengeschichte mit pathetischen Bildern der Entstehung des Universums und religiösen Exkursen kombiniert wurde, war wohl einigen Kritikern des Guten zu viel.

    Geschichte schrieb das Filmfest vor allem durch die nie dagewesene Flut von Beiträgen weiblicher Filmemacher. Die Quote von vier Regisseurinnen innerhalb der 20 Wettbewerbsfilme zeigt aber, dass hier noch viel Luft nach oben besteht.

    Im Mittelpunkt des Filmfestes standen dieses Jahr, im Guten wie im Schlechten, zwei dänische Filmemacher. Zunächst sorgte der berüchtigte Provokateur Lars von Trier bei der Pressekonferenz zu seinem Wettbewerbsbeitrag "Melancholia" - für den Kirsten Dunst den Preis für die beste weibliche Hauptrolle erhielt - für einen handfesten Skandal.

    Der Gewinnerfilm der Goldenen Palme 2011

    Angesprochen auf seine deutschen Vorfahren und seine Beeinflussung durch die Ästhetik von Nazi-Filmen, versuchte von Trier ohne Not, Hitler gute Seiten abzugewinnen und bekannte: "Ich sympathisiere ein bisschen mit ihm, ja". Nachdem der Regisseur sich um Kopf und Kragen geredet hatte, schloss er mit dem jetzt schon legendären Satz „Okay, ich bin ein Nazi“. Daraufhin offiziell von der Festivalleitung zur persona non grata erklärt entschuldigte sich von Trier und verwies auf seinen typisch dänischen Humor.

    Mehr zu lachen hatten die dänischen Filmfreunde dann am letzten Tag über den Regiepreis an von Triers Landsmann Nicolas Winding Refn für seinen Film "Drive", eine Hommage an Actionfilme der 70er wie Bullitt oder Der Driver, die wohl ebenfalls die Hollywood-lastige Jury beeindruckt hatte.

    Das deutsche Kino war im offiziellen Hauptwettbewerb wie so oft nicht repräsentiert, in Nebenkategorien aber durchaus erfolgreich. So konnten Andreas Dresen in der Sparte "Un certain regard" für sein Krebsdrama "Halt auf freier Strecke" und Doroteya Droumevas für "Der Brief" in der Kurzfilm-Kategorie einen Preis mit nach Hause nehmen.

    Copyright Bild oben: Jerry Schatzberg – Artwork: H5 (M. Lelièvre, B. Parienté)