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    Aus Film-Lexikon.de

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    Auf dem Heimweg von der Universität wird der Student Usami ohne ersichtlichen Grund von drei jungen Männern gestoppt und in ihr Auto gezerrt. Sie zwingen ihn auf eine Reise, die verblüffende Ähnlichkeit mit einem Familienausflug hat: ein Einkaufsbummel im Supermarkt, ein Zoobesuch, Erinnerungsfotos. Die anfänglichen Versuche Usamis, seinen Entführern zu entkommen, schlagen fehl. Nach und nach entwickeln sich zwischen Usami und den einzelnen Mitgliedern der seltsamen Reisegruppe eigene, intensive Beziehungen, bis sich die Rollen zu verschieben scheinen. Als die Dreierbande während eines langen, melancholischen Strandausflugs ein weiteres Opfer in ihre Gewalt bringt, gerät Usami in einen eigentümlichen Zwiespalt. Soll er sich mit seinem Leidensgenossen verbünden? Oder fühlt er sich in einer merkwürdigen Umkehrung der Wirklichkeit der Gruppe seiner Entführer verpflichtet? Usami zaudert. Wenig später ist für ihn nichts mehr, wie es einmal war.



    Filmstab

    Regie Kazushi Watanabe
    Drehbuch Kazushi Watanabe
    Kamera Masakazu Oka
    Schnitt Yoshio Sugano, Kazushi Watanabe
    Musik Knockers Records
    Produktion Katsuaki Takemoto, Tsutomu Kuno

    Darsteller

    Usami Daijiro Kawaoka
    Yokohama Kazushi Watanabe
    Chiba Takeo Noro
    Kobe Ryo Shinmyo
    Happy Masahi Endo
    Polizist Nachi Nozawa

    Kritiken

    Cinema 2002-12: Mit zerfetzten Körpern und Blutbädern begehren Japans Gewaltfilmer Takeshi Kitano ("Brother") und Takashi Miike ("Fudoh") gegen eine extrem repressive Gesellschaft auf. Regieneuling Kazushi Watanabe hingegen wählt einen blutärmeren Weg: Er überträgt das Grundmotiv des modernen Nippon-Kinos in ein phlegmatisches Anti-Road-Movie.

    film-dienst 25/2002: Aus heiterem Himmel wird ein Student von drei jungen Männern entführt und für einige Zeit ins ziellose Herumtreiben des Trios einbezogen. Nach anfänglichem Widerstand findet er Gefallen an der grotesken Situation. Die Beschreibung eines bös-schönen Traums, der die Flucht aus einem trostlosen Alltag ermöglicht. Der traurige Film voller Lakonie verdichtet sich zu einer nahezu kafkaesken Parabel über den Zusammenhang zwischen Unterdrückung und Selbstunterwerfung, wobei er die gestylten Bilder der Clipästhetik ebenso einbezieht wie zahlreiche Motive des klassischen Italo-Westerns.